Sie sind hier:

Kirchenstreik "Maria 2.0" - "Die Gläubigen möchten wahrgenommen werden"

Datum:

"Maria 2.0": Fünf Frauen aus Münster fordern eine Modernisierung der katholischen Kirche. Dazu sind sie eine Woche lang in Kirchenstreik getreten. Die Resonanz ist groß.

Eine Gruppe katholischer Frauen im Bistum Münster haben dazu aufgerufen, die Kirchen zu bestreiken. Sie kämpfen dafür, dass Frauen auch geweihte Ämter innehaben dürfen. Deutschlandweit, in Österreich und der Schweiz haben sich nun Frauen angeschlossen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Eigentlich ein ganz normaler Mittwoch an der schönen Heilig-Kreuz-Basilika mitten in Münster. Mittwoch, das heißt: Messe um acht Uhr. Normalerweise kommen eine Handvoll Gläubige, kaum mehr.

Viele Frauen zeigen ihre Unterstützung

Aber heute beginnt der Abend schon um sieben Uhr mit eifriger Geschäftigkeit VOR der Kirche. Rund ein Dutzend Frauen sind gekommen und legen weiße Tücher auf den Boden. Zwei Klapptische stehen darauf, wie ein Altar - und rundherum in einem großen Kreis Bänke und Stühle. Dann ab kurz vor acht strömen so viele Menschen herbei, dass die Stühle nicht mehr reichen. Am Ende sind es an die 200 Gläubige, fast nur Frauen, die an diesem Abend gemeinsam singen und beten. "Maria 2.0" hat sie angelockt, sie wollen ihre Unterstützung zeigen.

Der Mittwochs-Gottesdienst vor der Kirche, organisiert von Maria 2.0
Der Mittwochs-Gottesdienst vor der Kirche - organisiert von Maria 2.0
Quelle: ZDF

"Maria 2.0" - das steht für einen einwöchigen Kirchenstreik gegen den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche und für einen Neubeginn, für eine Modernisierung auch mit Frauen als Priestern. Hier in der Heilig-Kreuz-Gemeinde hat die Aktion ihren Ausgang genommen und die fünf Frauen, die die Welle losgetreten haben, sind von ihrem Erfolg mehr als überrascht. Über 20.000 Unterschriften im Netz, und Hunderte von Frauen, die sich deutschlandweit an dem Streik beteiligen. "Die Leute haben Sehnsucht, dass das, was sie glauben, in der Kirche abgebildet wird", sagt die Initiatorin Lisa Kötter. "Sie möchten gehört und wahrgenommen werden." Bis zum Samstag wollen die Frauen kein Gotteshaus betreten und keine ehrenamtlichen Dienste verrichten. Gottesdienst findet bis dahin VOR der Kirche statt - und in Eigenregie.

Konservative kritisieren den Streik

Der Pfarrer der Gemeinde, Stefan Jürgens, steht hinter den Frauen. Er findet es schade, dass so viele junge Frauen die Kirche verlassen, weil sie sich nicht mehr repräsentiert fühlen. Genauso kommt Unterstützung vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken: "Unsere Geduld ist am Ende", sagt die stellvertretende Präsidentin Claudia Löcking-Michel. Ihre Kinder und Freunde fragten sie immer wieder, wie sie einer Organisation angehören könne, die Frauen ausschließe.

Die Initiatorinnen von Maria 2.0 vor der Heilig-Kreuz-Basilika
Die Initiatorinnen von Maria 2.0 vor der Heilig-Kreuz-Basilika
Quelle: ZDF

Konservative Gruppierungen wie das "Forum deutscher Katholiken" üben massive Kritik an dem Streik. Zudem hat eine junge Frau aus dem Bistum Augsburg jetzt "Maria 1.0" ins Leben gerufen. Sie möchte damit zeigen, dass es auch Frauen gibt, die treu zur Lehre der Kirche halten. Michael Seewald, Professor für Dogmatik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster, glaubt hingegen, dass die schweigende Mehrheit der katholischen Frauen in Deutschland hinter "Maria 2.0" steht. Solche Aktionen und damit der Druck auf die Kirche seien wichtig.

Es soll nur der Anfang sein

Für die fünf Frauen aus der Heilig-Kreuz-Gemeinde ist "Maria 2.0" nun aber längst nicht abgeschlossen, sondern eine Art Startschuss. Sie möchten jetzt den Druck auf ihre Kirche aufrechterhalten. Und es sind nicht nur die Frauen: An diesem Mittwochabend in Münster sind auch einige wenige Männer gekommen. So wie Alfons Kenkmann, der selbst gläubiger Katholik ist und es für lange überfällig hält, dass sich die katholische Kirche von innen heraus erneuert. Deswegen, so sagt er, müssten auch die Männer "Maria 2.0" unterstützen.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.