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Kirchentagspräsident Leyendecker - "Wer nichts zu sagen hat, kommt nicht aufs Podium"

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Vertreter vieler Parteien sind zu Gast beim evangelischen Kirchentag in Dortmund. Nicht geladen: die AfD. Kirchentagspräsident Leyendecker verteidigt die Entscheidung im ZDF.

"Solchen Leuten darf man keinen Resonanzboden bieten", so Hans Leyendecker, Präsident des evangelischen Kirchentags über den Ausschluss der AfD von der Veranstaltung.

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Mehr als 100.000 Gäste und Tausende Veranstaltungen - in Dortmund beginnt der evangelische Kirchentag, und die Veranstalter gehen davon aus, dass er sehr politisch wird. Zahlreiche Podiumsdiskussionen sind geplant.

Zu den prominenten Gästen auf den Podien gehören viele Politiker aus der ersten Reihe fast aller Parteien - darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Markus Söder (CSU), Annalena Baerbock (Grüne) und Kevin Kühnert (SPD). Außerdem werden Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine drei Amtsvorgänger teilnehmen.

Vertreter der AfD sind zu den Kirchentagspodien diesmal nicht eingeladen, was in den vergangenen Monaten immer wieder für Diskussionen sorgte. Kirchentagspräsident Hans Leyendecker verteidigt die Entscheidung im ZDF-Morgenmagazin. Er spricht von "Radikalinskis, Leute, die mit Hassern zusammenarbeiten, die Parolen verbreiten, wie beispielsweise Erinnerungskultur 180-Grad-Wende."

Klimadebatte im Fokus

"Wie kann ein Kirchentag, der gegründet wurde, weil die Kirchen im Kampf gegen die Faschisten versagt hatten, solchen Leuten ein Podium bieten?", fragt Leyendecker. Als Beispiel nennt er das Thema Klimawandel. Neulich sei ein Papier der AfD erschienen, in dem es um "angebliche Klimahysterie" gegangen sei. Es gebe auf dem Kirchentag eine Halle nur für Klimafragen. "Soll bei so einem Ereignis ein Vertreter der AfD eingeladen werden, um zu erklären, dass das, was wir an Zerstörung gerade erleben, nicht menschengemacht sei? Das ist doch Unfug", sagt der Kirchentagspräsident.

Solchen Leuten dürfe man keinen Resonanzboden bieten. Es seien ja auch keine Argumente vorhanden. "Wer nichts zu sagen hat und nicht zu einem Diskurs wirklich beitragen kann, bekommt keinen Platz auf einem Podium", erklärt Leyendecker.

Leyendecker: Konservative sind ein Alibi

Dass es heißen könne, mit dem Ausschluss der AfD stärke man eine Opferrolle, sieht Leyendecker anders. "Ich finde es ein bisschen schwierig, aus Tätern Opfer zu machen", sagt er. "Die AfD-Leute sind Täter. Die Rechtsradikalen, die stützen ein Stück auch diese Parteispitze." Es seien auch konservative Leute in der AfD. Und man könnte fragen, warum die nicht präsentiert würden. "Da habe ich eine ganz einfache Antwort", sagt Leyendecker: "Weil die Stockkonservativen auch das Alibi für die anderen sind. Das Alibi für die, die ausgrenzen wollen, die Fremdenhass verbreiten." Daher finde er, so wie die AfD heute sei, sei sie niemand, "den wir auf dem Podium sehen wollen." Das sei ein Präsidiumsbeschluss des Kirchentages.

Begeistert zeigte sich Leyendecker besonders von einer Veranstaltung: dem Auftritt von Leoluca Orlando. "Ich kann nur sagen, ein großartiger Mann, gegen die Mafia gekämpft, gegen die Nazis gekämpft." Orlando, Oberbürgermeister von Palermo, setze sich für Flüchtlinge ein und sage: "Wir sind alle Menschen, egal woher wir kommen." Diese Botschaft, betont Leyendecker, sei politisch. "Unsere Botschaft, dass Menschen einzigartig sind, und dass der Fremdenhass nicht in diese Gesellschaft gehört - die tragen wir rein", erklärt der Kirchentagspräsident.

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