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Kirchenvertreter einigen sich - Nazi-Glocken sollen schweigen

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Kirchenglocken aus der NS-Zeit sorgen seit Wochen für Diskussionen. Jetzt haben Kirchenvertreter beschlossen, die Glocken nicht mehr läuten zu lassen.

Archiv: Die umstrittene Kirchenglocke im Turm der Kreuzkirche von Schweringen bei Nienburg (Foto vom 21.11.2018)
Die umstrittenen Kirchenglocken, wie jene der Kreuzkirche von Schweringen bei Nienburg sollen künftig nicht mehr läuten. (Archivbild).
Quelle: imago

Dem sei die dringende Bitte von Landesbischöfin Ilse Junkermann vorangegangen, diese Glocken künftig schweigen zu lassen. Über das Schicksal der Glocken sollen nun die Gemeinden befinden. Sechs der insgesamt neun Glocken würden bereits nicht mehr geläutet. In zwei Gemeinden stehe noch eine Entscheidung des zuständigen Gemeindekirchenrates aus, erläuterte ein EKM-Sprecher.

Wisenschaftliche Dokumentationen in Planung

Geplant seien nun eine wissenschaftliche Dokumentation und Aufarbeitung in Kooperation der EKM mit dem Lutherhaus in Eisenach und der Jenaer Universität. Die Kirchengemeinden werden jeweils eigenständig diskutieren, wie sie mit ihren Glocken umgehen. In zwei Gemeinden bestehe beispielsweise die Idee, aus ihnen Versöhnungsglocken zu gießen. Auch eine Abgabe an Museen steht im Raum.

Die Landeskirche hat für einzelne Lösungen Unterstützung zugesagt. Der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, der auch zu der Gesprächsrunde im Erfurter Landeskirchenamt eingeladen war, zeigte sich mit den Ergebnissen zufrieden. Er sprach von einer offenen, gleichwohl auch kritischen Atmosphäre. Auch wenn er sich in den vergangenen Monaten eine schnellere Entscheidung gewünscht hätte, sei mit dem Schweigen der Glocken zunächst das wichtigste Ziel erreicht. "Die Geschichte spielte hier bei ihnen, in Thüringer Dörfern und Städten, nicht irgendwo weit weg in Berlin oder anderswo", fügte er hinzu.

Oberkirchenrat zufrieden

Oberkirchenrat Christian Fuhrmann, der zuständige Gemeindedezernent der EKM, zeigte sich nach dem Treffen erleichtert, "dass wir in der Diskussion um die Glocken vorangekommen sind." Die kritische Auseinandersetzung mit diesen beschämenden Zeugnissen ihrer Geschichte nehme die Landeskirche sehr ernst. Nun müssten schnellstmöglich konkrete Lösungen gefunden werden. "Dies gebietet der Respekt vor den Opfern des Nazi-Regimes und vor unseren jüdischen Mitbürgern", erklärte Fuhrmann. "Außerdem habe die Verherrlichung der Naziideologie durch die Deutschen Christen den christlichen Glauben selbst infrage gestellt", fügte er hinzu.

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