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Umstrittene Kita-Broschüre - "Schnüffler" in der Kindertagesstätte?

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Hat ein Mädchen mit Zöpfen und Kleid rechtslastige Eltern? Könnte sein, sagt eine umstrittene Broschüre, die Kitas beraten will. Familienministerin Giffey verteidigt den Ratgeber.

Schnüffelfibel "Ene, mene, muh und raus bist Du"
Das Titelbild der sogenannten "Schnüffelfibel" mit dem Titel "Ene, mene, muh und raus bist Du".
Quelle: amadeu-antonio-stiftung.de

Im Morgenkreis einer Kindertagesstätte verhalten sich zwei Geschwister schweigsam und passiv, sind eher zurückhaltende Kinder. Sowohl das Mädchen als auch der Junge scheinen besonders gut zu spuren, sind sehr diszipliniert. Das Mädchen trägt Zöpfe und Kleider. Die Eltern leiten das Kind zur Handarbeit an, und es hilft im Haushalt. Der Junge wird hingegen körperlich gefordert und gedrillt. Das alles, so steht es in der Kita-Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung, könne ein Hinweis darauf sein, dass das Geschwisterpaar aus einem rechtslastigen Elternhaus stamme. Die Empfehlung an das Kita-Personal: Man möge doch bitte die Eltern zum persönlichen Gespräch einladen.

Das ist eines der Fallbespiele, die in der Broschüre unter dem Titel "Ene, mene, muh - und raus bist du! Ungleichwertigkeit und frühkindliche Pädagogik" der Amadeu Antonio Stiftung angeführt werden. Sie soll für den Umgang mit Eltern sensibilisieren, die sich völkisch, homophob oder rassistisch verhalten. Unterstützt wurde die Stiftung von der Bundesregierung.

Die Tipps für das Kitapersonal sind umstritten

Das Bezirksamt des Berliner Bezirks Neukölln rät von der Broschüre ab. Sie wolle Vorurteile bekämpfen, vermittele sie aber selbst, erklärte Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU). Es sei nicht Aufgabe von Erzieherinnen und Erziehern, die politische Gesinnung der Eltern zu überprüfen. Auch die einseitige Fixierung auf rechtsradikale Elternhäuser sei ein Problem, so Liecke.

"Gefahren für unsere Demokratie gehen von allen Rändern aus. In Neukölln sehen wir eher ein Problem mit religiösem Extremismus, wenn Kinder beispielsweise zum Tragen des Kopftuches genötigt oder Zwangsehen schon im Kindesalter arrangiert werden." Auch die Indoktrination durch Linksextremisten sei eine Gefahr. Ein ehrlicher Umgang damit kläre über alle Extremismusgefahren auf, ohne Eltern unter Generalverdacht zu stellen, so der Stadtrat.

Giffey: Broschüre soll Hilfestellung sein

Archiv: Franziska Giffey zu Besuch in einer Schule in Berlin, aufgenommen am 23.11.2018
Franziska Giffey zu Besuch in einer Schule in Berlin
Quelle: Reuters

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) wirft die Vorwürfe einer "Schnüffel-Fibel" zurück. Ziel der Broschüre ist es laut Giffey nicht, zu prüfen, wie Eltern leben und was sie denken, sondern Hilfestellung und Information für Fachkräfte in Kitas im Umgang mit rechtsextremen Eltern zu geben.

Menschenfeindliche Bemerkungen und Einstellungen machten auch vor Kindertagesstätten nicht Halt, erklärte Giffey am Freitag in Berlin. Eine solche Publikation sei immer wieder von Fachkräften aus der Praxis nachgefragt worden. Die Bundesvereinigung Evangelischer Tageseinrichtungen begrüßte am Freitag die Broschüre und sprach von einer "informativen Handreichung".

Wahre Fälle aus der Beratungspraxis

Die Broschüre erschien im September in einer Auflage von 3.000 Exemplaren. Sie wurde zunächst in rechtspopulistischen Blogs und in den vergangenen Tagen in der Berichterstattung einiger Medien, darunter der "Bild"-Zeitung, als "Schnüffel-Fibel" bezeichnet. "Es geht nicht um Kontrolle, sondern darum, eine Erziehungspartnerschaft auch mit völkisch lebenden Familien einzugehen, die im Sinne der Bildungschancen ihrer Kinder ist", betonte Giffey.

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