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Spendenaktion für Seerettung - Klaas Heufer-Umlauf: "Einfach machen"

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Schiffe chartern, um Flüchtlinge im Meer zu retten: Dafür hat Klaas Heufer-Umlauf rund 180.000 Euro im Internet gesammelt. "Sonst passiert ja nichts", sagt er im Interview.

Moderator Klaas Heufer-Umlauf
Moderator Klaas Heufer-Umlauf Quelle: imago

heute.de: Mehr als 4.500 Menschen haben bereits für Ihre Aktion gespendet, rund 180.000 Euro sind schon zusammengekommen. Was soll mit dem Geld passieren?

Klaas Heufer-Umlauf: Das Geld soll dafür verwendet werden, den Stillstand zu beenden, den es im Moment bei der Seenotrettung im Mittelmeer gibt. Dass neben den vorhandenen Schiffen dort weitere gechartert werden können. Und dass die Retter unabhängig von Repressionen, die gerade auf sie einwirken, weiterarbeiten können. Das Geld wird besten Wissens und Gewissens von Nichtregierungsorganisationen, von einem Gremium und mir, immer in Kenntnis darüber, wie es verwaltet und eingesetzt wird, verwendet. Zu dem Zweck, den ich ausgegeben habe.

heute.de: Die Aktion läuft noch rund zwei Wochen. Haben Sie ein Ziel, wie viel Geld zusammenkommen soll?

Heufer-Umlauf: Es kommt so viel Geld zusammen, wie die Leute bereit sind zu geben. Dass jeder Euro vernünftig genutzt wird, sollte klar sein. Da gibt's natürlich keine Grenze nach oben.

heute.de: Inzwischen hat der italienische Innenminister Matteo Salvini angekündigt, Italiens Häfen dicht machen zu wollen für - so wörtlich - "alle diese Schiffe, die Migranten in Italien abladen"...

Heufer-Umlauf: ... schöne Formulierung ...

heute.de: Das bedeutet: Sie kommen nicht weit mit Ihrer Aktion.

Heufer-Umlauf: Das werden wir sehen. Wenn man immer alles stehen und liegen gelassen hätte, wenn Institutionen sich gerade mit Interpretationen verschiedener sich gegenüberstehenden Rechten und Pflichten auseinandersetzen, dann wäre man rein geschichtlich in Deutschland und Europa auch nicht weit gekommen mit der menschlichen Idee. Deswegen glaube ich, dass man das einfach machen muss. Wenn man zu lange wartet, sterben dort täglich Menschen. Um auf diese unfassbaren Zustände im Mittelmmer reagieren zu können, muss man beweglich bleiben. Dafür braucht man unter anderem Geld. Nur zur Erinnerung: Wenn man in Deutschland jemanden absichtlich sterben lässt, nennt man das unterlassene Hilfeleistung. Ein Gesetz, das es gibt, weil es unsere gesellschaftlichen Werte vertritt. Ich verstehe nicht, was es beim Thema Seenotrettung überhaupt zu diskutieren gibt. 

heute.de: Wie bewerten Sie die Ankündigung Italiens, Häfen für Schiffe schließen zu wollen?

Heufer-Umlauf: Was war von der italienischen Regierung schon zu erwarten. Das war ja spätestens seit der Wahl klar, dass da etwas Dunkles auf Europa zukommt. Das ist eine Nationalisierung, wie wir sie in vielen europäischen Ländern feststellen. Das sind komplette Rechtspopulisten, die genau das machen, was Rechtspopulisten machen möchten, wenn sie an der Macht sind. Das ist unmenschlich, gegen den europäischen Gedanken und, wie ich finde, nicht nachvollziehbar. Ich hätte niemals gedacht, dass so etwas mal in Europa passieren kann.

heute.de: Italien argumentiert, dass Rettungsaktionen das Geschäft von Schleppern ermöglichen, die das Leben von Flüchtlingen riskieren und an ihnen verdienen wollen. Muss man diesen Schleppern nicht das Handwerk legen?

Heufer-Umlauf: Man könnte den Schleppern das Handwerk legen, aber sicherlich nicht, indem man ein Mahnmal aus ertrunkenen Menschen im Mittelmeer errichtet. Das ist der falsche Weg. So lange es unwürdige Zustände auf der Welt gibt, gibt es Menschen, die sich auf den Weg nach Europa machen werden. Und es wird dann auch immer Leute geben, die sich an diesen Menschen bereichern. Das wird man nicht unterbinden können in dieser Phase. Deswegen finde ich: Bei dieser Frage gibt es keine zweite Wahrheit.

heute.de: Auch ZDF-Moderator Jan Böhmermann hat im Internet Geld gesammelt für den Kapitän der "Lifeline", der sich in Malta vor Gericht verantworten muss. Was erleben wir da gerade? Politisches Handeln von Unterhaltungsstars?

Heufer-Umlauf: Wenn man das so sehen will, ja schon. Was wir machen, ist eine Öffentlichkeit herzustellen. Die politischen Aktionen gehen von den Menschen vor Ort aus. Da soll man seine Nase nicht überbewerten. Wir verbinden vielleicht nur das richtige Gefühl mit der notwendigen Öffentlichkeit, damit Geld zu den Leuten kommt, die das tagtäglich machen.

heute.de: Unter anderem bei Twitter gibt es Kritik an Jan Böhmermann, weil er Geld spendet, das er beim ZDF verdient hat - also letzten Endes Gebührengelder.

Heufer-Umlauf: Scheißegal, was er mit seinem Geld macht. Der kann sich auch goldene Möbel oder Pommes kaufen von seinem Geld, das er wo auch immer verdient hat. Ist ja sein Geld. So ist das nun mal im Leben. Man muss sich das mal durchlesen, was da bei Twitter steht. Das sind Leute, die anderer Meinung sind. Ich bin in der Lage, diesem Quatsch, der da steht, zu folgen. Ich bin nur anderer Meinung.

heute.de: Glauben Sie, dass Europa noch eine gemeinsame Antwort auf das Sterben im Mittelmeer finden wird?

Heufer-Umlauf: Von den gewählten Regierungen in Europa ist da im Moment nicht viel zu erwarten. Aber Europa besteht nicht nur aus Regierungen. In der EU leben rund 500 Millionen Menschen. Und wenn das menschliche Europa das institutionelle Europa dazu bringt, wieder das zu sein, was es ursprünglich mal sein sollte, dann klappt das.

Das Interview führte Dominik Rzepka.

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