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Umstritten: Genmais in Brasilien - So kämpfen Kleinbauern gegen Monsanto und Co.

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Brasilien ist der zweitwichtigste Markt für US-Saatguthersteller Monsanto. Genmais statt Tradition, das befürchten viele Landwirte. Und seit der Fusion mit Bayer wächst die Angst.

Mit einem Ruck öffnet Roselita Albuquerque die Tür des alten Kühlschranks. Es geht kein Licht an. Der Kühlschrank ist nicht an den Strom angeschlossen, er dient nur zur Aufbewahrung. Roselita nimmt einen alten Wasserkanister aus Plastik heraus. Darin ist kein Wasser: Sie kippt kleine gelbe Körner auf den Mauervorsprung und streicht mit der linken Hand liebevoll darüber.

Unsere eigenen Samen aufzuheben, bedeutet Autonomie, bedeutet Freiheit.
Brasilianische Landwirtin Roselita Albuquerque

Es sind Maiskörner. "Unsere eigenen Samen aufzuheben, bedeutet Autonomie, bedeutet Freiheit. Und bedeutet ein Saatgut zu haben, das frei ist von gentechnischer Veränderung und Agrargiften", sagt die Landwirtin.

Monopol macht abhängig

Gemeinsam mit ihrem Mann bewirtschaftet sie die Felder rund um ihr Haus in Remígio, im Bundesstaat Paraíba im Nordosten Brasiliens. Ihre Familie ernährt sich von dem, was hier wächst. Mit einem Leuchten in den Augen erklärt Roselita, wie wichtig die kleinen Maiskörner für ihre nächste Ernte seien: Sie kommen von ihrem Feld. Im Gegensatz zu Saatgut, das sie auf dem Markt kaufen könnte, ist sie sicher, dass diese Samen natürlich sind. Brasilien gehört nämlich zu den Ländern, die weltweit am meisten Agrargifte benutzen. Und 85 Prozent des angebauten Maises sind nach Angaben des brasilianischen Saatgut-Verbandes bereits gentechnisch verändert.

Die Zahlen könnten weiter steigen: Nach den USA ist Brasilien der zweitwichtigste Markt für den Saatguthersteller Monsanto. Die Fusion mit dem deutschen Bayer-Konzern sieht Agronom Emanoel Dias kritisch: "Es sind zwei riesige Firmen. Sie vereinen das Wissen und die Patente über die Maissorten - und die Landwirte werden immer abhängiger von ihnen."

Die Nachbarn überzeugen

Es ist ein Selbstmord der Menschheit.
Brasilianische Landwirtin Roselita Albuquerque

Das macht auch Roselita Angst. "Es ist ein Selbstmord der Menschheit, wenn die großen Firmen den Samenmarkt kontrollieren und sie die Samen dann auch noch gentechnisch verändern", sagt die Landwirtin. Roselita weiß, dass das nicht nur ein Problem für ihre Familie ist: Bis zu 70 Prozent der Lebensmittel, die in Brasilien konsumiert werden, kommen aus Familienbetrieben. Die Albuquerques wollen auch andere Landwirte von ihrer naturverbundenen Arbeitsweise überzeugen. Denn wenn ihr Nachbar Genmais pflanzt, kann das auch ihre Ernte kontaminieren.

Doch was machen die Albuquerques zum Beispiel bei Trockenheit, wenn es in einem Jahr keine Ernte und damit auch kein eigenes Saatgut gibt? Um das zu vermeiden, gibt es in der Region Saatgut-Banken. Eine von ihnen betreut Paulo Pereira. Der Mann mit der wettergegerbten Haut ist selbst Landwirt und zeigt stolz die Regale mit alten Wasserflaschen – gefüllt mit verschiedenen Samen.

34 Landwirte aus der Nachbarschaft haben sich hier zusammen getan: Wer Saatgut nimmt, muss nach der Ernte auch neues bringen. So haben die Landwirte die Sicherheit, dass von ihrem natürlichen Samen immer genug da ist. Die Körner werden getrocknet und so konserviert, dass sie vier Jahre lang zur Aussaat genutzt werden können.

Kampf um Tradition

Das ist der Mais hier aus unserer Region. Der wird schon seit 50 Jahren gepflanzt.
Saatgut-Bank-Chef Paulo Pereira

Eine Sorte mag Paulo besonders. Er lässt die Körner von einer in die andere Hand rieseln: "Das ist der Mais hier aus unserer Region. Der wird schon seit 50 Jahren gepflanzt. Schon mein Vater und Großvater nutzten diese Samen, und ich pflanze sie bis heute", sagt er stolz. In die Saatgut-Bank soll kein gentechnisch veränderter Mais reinkommen. Um das sicher zu stellen, werden die Körner getestet, bevor sie eingelagert werden.

Genau wie der Verantwortliche der Saatgut-Bank wollen auch die Albuquerques auf keinen Fall von einem großen Unternehmen wie Monsanto beziehungsweise Bayer abhängig sein. "Wir wollen unsere naturverbundene Arbeitsweise behalten. Das ist unsere Tradition, unsere Kultur", sagt Roselita. Und dafür ist sie bereit zu kämpfen.

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