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Überlastete Erde: Was jeder tun kann

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Ressourcenverbrauch - Überlastete Erde: Was jeder tun kann

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Der Erdüberlastungstag ist schon kurz nach Jahresmitte erreicht - will heißen: Der Mensch lebt über die Verhältnisse der Erde. Etwas helfen könnten schon kleine Schritte im Alltag.

Städte bauen, Nahrungsmittel produzieren oder Produkte herstellen – ohne den Verbrauch natürlicher Ressourcen ist das nicht möglich. Doch diese Ressourcen und die Erde selbst sind begrenzt. Jeder Mensch hinterlässt im Lauf seines Lebens einen ökologischen Fußabdruck. Jeder kann selbst Einfluss nehmen, wie groß oder klein dieser ist.

Mit nur wenigen Veränderungen im Alltag kann jeder dafür Sorge tragen, dass sich der nächste Erdüberlastungstag nach hinten verschiebt. Derzeit verbrauchen die Menschen in Deutschland pro Kopf und Jahr rund elf Tonnen CO2. Klimaverträglich wären jährlich zwei Tonnen CO2 pro Kopf. Ein weiter Weg, der vor Deutschland liegt. In kleinen Schritten kann es jedem Einzelnen gelingen, nachhaltiger unterwegs zu sein. Wir stellen einige vor:

Weniger Autofahren

Rund 51,7 Millionen Autos sind in Deutschland zugelassen. Nach einer Mobilitätsstudie des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und digitale Infrastruktur legen die Menschen in Deutschland im Durchschnitt jeden Tag mehr als drei Milliarden Personenkilometer auf rund 257 Millionen Wegen zurück. Gut 57 Prozent dieser Wege werden mit dem Pkw zurückgelegt. Im ländlichen Raum sogar bis zu 70 Prozent.

18 Prozent der Treibhausgasemissionen kommen aus dem Verkehr, dabei macht der Straßenverkehr den überwiegenden Anteil aus. Der Autoverkehr trägt zudem stark zur lokalen Luftverschmutzung bei und der Pkw nimmt in Städten viel öffentlichen Raum ein.

Eine Alternative zum konventionellen Pkw stellt die Elektromobilität dar. In der Gesamtbilanz sind kleine und mittelgroße E-Fahrzeuge heute schon bis zu 20 Prozent klimafreundlicher, und die Klimabilanz wird mit zunehmend erneuerbarem Strom in den nächsten Jahren noch besser. Aber: Sehr große E-Autos und SUVs sind wegen ihrer deutlich größeren Batterien weniger klimafreundlich als vergleichbare Benzin- oder Dieselfahrzeuge.

(Quelle: Wuppertal Institut)

Kleidungskauf bei Bedarf

Die Anzahl der Kleiderkäufe hat sich seit dem Jahr 2000 verdoppelt – von 50 auf 100 Milliarden weltweit. Pro Jahr werden rund 80 Milliarden Kleidungsstücke neu produziert, aber nur 40 Prozent davon wird tatsächlich getragen. Die weltweite Überproduktion wird zum großen Teil verbrannt. Um ein Kilogramm Baumwolle zu produzieren, werden 15.000 Liter Wasser benötigt, dazu kommt ein Kilo umweltschädliche Chemikalien zum Einsatz.

Vor allem die großen Mode-Ketten setzen auf schnelle Produktionszyklen - 12 bis 24 Kollektionswechsel pro Jahr sind im Bereich "Fast Fashion" keine Seltenheit.

14 Kilo Kleidung kaufen sich die Deutschen jährlich. Das sind rund 23 Jeans oder 140 T-Shirts. Davon entsorgt werden neun Kilo jährlich, was 15 Jeans oder 80 T-Shirts entspricht.

Steht ein Neukauf an, sollte man sich immer die Frage stellen: "Brauche ich das wirklich?" Eine ökologische Alternative zum Neukauf stellt Second-Hand-Ware dar. Kleidertausch-Partys sind vor allem in den Großstädten und bei Jugendlichen absolut angesagt. Auch kann "alte" Kleidung an der Nähmaschine kreativ umgearbeitet werden.

(Quelle: Femnet e.V.)

Fleischkonsum stark reduzieren

100 Kilogramm Fleisch werden pro Person pro Jahr in Deutschland produziert. Die Deutschen selbst verbrauchen jährlich gut 86 Kilo Fleisch pro Person – das ist gut doppelt so viel, wie der globale pro Kopf-Verbrauch (43 Kilo). Ein großer Teil davon wird jedoch in Deutschland nicht gegessen, sondern landet entweder im Müll oder wird an Haustiere verfüttert.

Eine klimaneutrale Fleisch-Produktion gibt es nicht und aktuell wird auch mehr verzehrt als gesund ist. Das Paradoxe ist, dass die Landwirtschaft unter dem Klimawandel leidet und gleichzeitig auch einer seiner Hauptverursacher ist. Es entstehen Treibhaus-Gas-Emissionen, wie durch Lachgas, das bei der Düngung von Getreide entsteht, oder durch Methan, was in den Mägen von Wiederkäuern produziert wird. Stickstoff-Dünger für die Futtermittel-Produktion wirken sich zudem negativ auf die Biodiversität aus.

Je weniger Fleisch, desto besser fürs Klima lautet daher die Maxime. Auch der Konsum von Milchprodukten sollte reduziert werden. Die Treibhaus-Bilanz pflanzlicher Nahrungsmittel ist deutlich niedriger. Deshalb lautet die Empfehlung, etwa dreimal so viel Gemüse zu essen wie bisher und den Konsum von Nüssen und Samen um ein Zehnfaches zu erhöhen. Das Ziel sollte sein, etwa alle zwei Wochen einmal Fleisch zu essen.

Fliegen einstellen oder stark einschränken

2018 sind in Deutschland 222,5 Millionen Passagiere befördert worden. Vor zehn Jahren waren es im Vergleich "nur" 166 Millionen. Pro Kopf verursacht der Luftverkehr besonders hohe Treibhausgas-Emissionen – 201 Gramm je geflogenem Kilometer pro Person. Beim Schienenverkehr beispielsweise sind es hingegen nur 36 Gramm pro Kilometer.

Diese Emissionen des Luftverkehrs wirken sich stärker aufs Klima aus, da sie in großer Höhe ausgestoßen werden. Auch die zurückgelegte Strecke spielt mit hinein: Bei Urlaubs-Fahrten mit dem Zug oder dem Auto werden meist nicht mehr als 2.000 Kilometer zurückgelegt. Bei Langstreckenflügen hingegen sind es oft mehr als 10.000 Kilometer, damit multipliziert sich natürlich auch die Klimawirkung.

Um das Pariser Klimaziel einzuhalten, dürfen pro Kopf nur rund 2,7 Tonnen CO2 pro Jahr ausgestoßen werden. Ein Hin- und Rückflug nach Mallorca beispielsweise verursacht Emissionen in Höhe von rund 0,75 Tonnen CO2 – damit wäre bereits ein Viertel des verfügbaren Jahresbudgets mit nur einer Reise verbraucht. 

Daher ist eine CO2-Kompensation ein erster Schritt. Damit werden CO2-vermindernde Projekte weltweit gefördert. Gerade bei innerdeutschen Strecken ist die Bahn eine gute Alternative und man kann die Zeit zum Lesen, Arbeiten oder für die Familie nutzen. Bei Urlaubsreisen gilt: bewusst reisen. 

(Quelle: Wuppertal Institut)

Energieverbrauch – Strom sparen – Ökostrom

Deutschland liegt mit einem pro Kopf-Gesamt-Stromverbrauch von rund 6.648 Kilowattstunden auf Platz neun im inner-europäischen Vergleich. Problematisch ist dabei der hohe CO2-Ausstoss, der bei 474 Gramm je Kilowattstunde liegt. Solarstrom beispielsweise ist an sich klimaneutral, einzig bei der Produktion der Photovoltaik-Anlagen fallen 60 Gramm CO2 je Kilowattstunde an.

Betrachtet man nur die Privathaushalte liegt der Stromverbrauch pro Kopf bei 1.580 Kilowattstunden, was ein CO2-Ausstoß von 750 Kilogramm pro Jahr bedeutet. Der Gesamt-CO2-Ausstoß liegt in Deutschland bei gut 9.600 Kilogramm pro Kopf jährlich. Das bedeutet, dass der Stromverbrauch nur einen Anteil von 7,8 Prozent hat.

Dennoch ist es wichtig, diesen CO2-Ausstoß deutlich zu reduzieren. Das gelingt mit der Umsetzung der Energiewende und mit einem daraus folgenden möglichst raschen Ausstieg aus der Stein- und Braunkohle.

Generell gilt, den eigenen Strombedarf so niedrig wie möglich zu halten. Gerade Hausbesitzer können über die Wärmedämmung den eigenen Energie-Bedarf im Haus senken. Darüber hinaus sollte der Restbedarf möglichst erneuerbar gedeckt werden, wie über eine Wärmepumpe sowie die Kombination aus Holzpellet-Heizung und Solarthermie-Anlage.

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