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Klickscham statt Flugscham? - Internet produziert so viel CO2 wie Flugverkehr

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Die Internetnutzung in Deutschland produziert jedes Jahr so viel CO2 wie der gesamte Flugverkehr. Und die Menge könnte sich in den nächsten zehn Jahren verdoppeln, warnen Forscher.

Das Internet und die darüber verschickten Emails sorgen für einen enormen Stromverbrauch und somit auch für Treibhausgase. Das liegt an den Rechenzentren, die weltweit rund um die Uhr laufen.

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Noch vor dem Frühstück WhatsApp-Nachrichten verschicken, Fotos mit Freunden teilen, in der Straßenbahn ein YouTube-Video schauen, im Büro Dutzende E-Mails beantworten: Alltag. Wer denkt hier an CO2-Ausstoß oder Umweltbelastung?

Ralph Hintemann, Energieforscher am Borderstep-Institut für Innovation und Nachhaltigkeit in Berlin, rechnet vor: Wir schreiben in Deutschland rund eine Milliarde E-Mails pro Tag. Dabei fallen 1.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid an, ein Gramm pro E-Mail. Eine Stunde Video-Streaming produziert so viel CO2 wie ein Kilometer Autofahren, so der Wissenschaftler. Auch bei Suchanfragen entsteht das Klimagas: Laut Google produziert eine Anfrage etwa 0,2 Gramm CO2. Bedenkt man, dass jeden Tag 3,45 Milliarden Mal gegooglet wird, kommt eine beträchtliche Menge zusammen.

Screenshot von Google-Suchergebnisliste Klimaschutz
Diese Google-Suchanfrage hat 0,2 Gramm CO2 verursacht.
Quelle: google.com

Rechenzentren brauchen viel Strom

Natürlich: Nutze ich ein E-Paper statt einer Zeitung, schreibe ich eine E-Mail anstelle eines Briefes, schone ich Ressourcen wie Papier oder Wasser. Doch Digitalisierung ist nicht per se nachhaltiger und umweltschonender. Nachrichten, Fotos, Videos oder Akten verschwinden in einer Cloud. Der weltweite Datenaustausch ist nur möglich, weil rund um den Globus Milliarden Server in teils gigantischen Rechenzentren permanent arbeiten. Die Server müssen gekühlt werden, die Rechner benötigen Strom. Weltweit produzieren IT-Geräte und -Anwendungen 800 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr - das entspricht in etwa den Gesamttreibhausgas-Emissionen Deutschlands.

Das Internet ist in unserem Alltag allgegenwärtig. Doch es verursacht große Mengen Treibhausgase. Das liegt am Stromverbrauch der Rechenzentren, die rund um die Uhr arbeiten müssen.

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Wissenschaftler des Borderstep-Instituts arbeiten zurzeit an einer Studie zum Energieverbrauch deutscher Rechenzentren. Hintemann spricht von einem regelrechten "Boom" in den letzten Jahren: Viele neue Rechenzentren seien entstanden. "Das bedeutet aber auch, dass der Energiebedarf deutlich angestiegen ist. Die Rechenzentren brauchen heute 14 Milliarden Kilowattstunden in Deutschland. Das sind 40 Prozent mehr als im Jahr 2010." Setze sich diese Entwicklung fort, so der Forscher, würden Rechenzentren in den nächsten Jahren doppelt so viel Energie benötigen wie heute.

Es ist smart, es hilft uns, besser zu leben: das Internet. Doch ohne eine gigantische Maschinerie läuft nichts. Unzählige Rechenzentren werden gebraucht - und die sind wahre Stromfresser.

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Wie User Energie sparen können

Von "Digitalscham" oder "Klickscham" ist bereits die Rede. Dabei kann jeder einzelne Nutzer etwas dazu beitragen, Energie und damit CO2 einzusparen. Steffen Holzmann, Green-IT-Experte bei der Deutschen Umwelthilfe, rät: alte E-Mails löschen. Sich von nicht benötigten Newslettern abmelden. Fotos und Videos statt in einer Cloud auf Speichermedien wie CDs, DVDs oder externen Festplatten speichern. "Das sind Technologien, die Bibliotheken einsetzen, um Dinge zu archivieren, und das braucht auch wenig oder keine Energie - solange ich diese Dateien nicht benutze", erklärt Holzmann.

Ein weiteres Mittel sei die sogenannte Daten-Deduplizierung. Holzmann nennt dabei das folgende Beispiel: "Betriebsausflug. 50 Leute sind unterwegs. Am Ende macht Herr Meier ein wunderschönes Foto, schickt es per E-Mail an alle 50 Leute. Das heißt: Es liegt dann in seinem Postfach, es liegt in 50 weiteren Postfächern, überall liegen fünf Megabyte für dieses Foto. Die Hälfte dieser Postfächer leitet das Foto automatisch an eine private E-Mail-Adresse weiter oder an Oma Hilde oder sonst jemanden. Es wird außerdem per WhatsApp geteilt. Es wird hinterher auch nochmal in der Cloud synchronisiert, weil WhatsApp automatisch mit der Cloud synchronisiert wird. So werden aus fünf Megabyte Bild plötzlich bis zu einem Gigabyte Daten, das auf verschiedenen Serversystemen bereitgehalten werden muss.

Dieses exponentielle Wachstum bedeutet natürlich auch ein exponentielles Wachstum im Energieverbrauch." Daten zu deduplizieren meint, Daten nicht mehr an so vielen Stellen zu verteilen, um damit Energie und CO2 einzusparen.

Mit Abwärme der Rechenzentren Städte heizen

 "Der Großteil des Energieverbrauchs des Internets liegt in den Rechenzentren, in den Netzen - und hier sind natürlich die Unternehmen gefragt, die diese Rechenzentren betreiben", sagt Hintemann, der auch das Netzwerk energieeffiziente Rechenzentren vertritt. Dass Energieeffizienz gelingen kann, zeigt das Rechenzentrum des TÜV Nord in Hannover. Daten aus mehr als 70 Ländern werden hier verarbeitet. Vor vier Jahren wurden die Serverräume umgebaut. Rund 750 Tonnen CO2 spart der TÜV dadurch pro Jahr ein und verbraucht nur noch halb so viel Energie wie vor dem Umbau.

"98 Prozent der Zeit kühlen wir das Rechenzentrum mit Freiluftkühlung", erklärt Leroy Racette, Leiter des Rechenzentrums. Dadurch fallen hohe Energiekosten für Klimaanlagen weg. Werde es im Sommer wärmer, komme Verdunstungskühlung zum Einsatz: Die großen Kühlaggregatoren würden von außen mit einem kühlen Wasserfilm bespritzt. Die Verdunstung senke dann die Temperatur im Serverraum.

Andere Rechenzentren wie das der Volkswagen Financial Services in Braunschweig sollen in Zukunft ihre Abwärme nutzen, um Wohnsiedlungen zu beheizen. "In Frankfurt geht 20 Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Rechenzentren ein", sagt Hintemann. "Damit könnte man fast die gesamte Stadt mit Wärme versorgen."

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