Wetterschäden weltweit: Deutschland auf Platz drei im Klima-Risiko-Index

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Neuer Klima-Risiko-Index - Wetterschäden weltweit: Deutschland auf Platz drei im Klima-Risiko-Index

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Im globalen Klima-Risiko-Index für 2018 liegt Deutschland mit dem dritten Platz so weit vorne wie noch nie. Schuld ist vor allem der Hitzesommer mit mehr als 1.000 Toten.

Die Umwelt-Organisation Germanwatch berichtet: Deutschland war im Jahr 2018 nach Japan und den Philippinen am stärksten von den Folgen des Klimawandels betroffen.

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Ein Spitzenplatz, über den sich zumindest in diesem Fall niemand ernsthaft freuen kann. Deutschland wurde 2018 von einer beispiellosen Hitzewelle heimgesucht – im zweitwärmsten Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Zwischen April und Juli lagen die Temperaturen 2,9 Grad über dem Durchschnitt, die Regenfälle dagegen weit unter dem, was üblich ist.

Auf das Konto der Hitze gehen nicht nur viele Todesfälle, sondern auch enorme Schäden – vor allem in der Landwirtschaft. Die Einbußen durch Ernteausfälle beziffert der in Madrid auf der Weltklimakonferenz vorgestellte Klima-Risiko-Index auf rund drei Milliarden Euro. Dazu kamen noch zwei starke Stürme, die große Schäden angerichtet haben. Der Klima-Risiko-Index misst Schäden- und Todesfälle, die durch Wetterextreme verursacht werden – unter anderem auf Basis von Daten großer Versicherungen.

Extremwetter trifft alle

Wir sehen daran, dass alle Länder der Welt betroffen sind.
Vera Künzel, Germanwatch

Dass Deutschland so weit oben rangiert - hinter Japan und den Philippinen - ist ein Novum. "Diesmal haben wir die Besonderheit, dass wir in den Top 3 zwei Industrieländer haben, die besonders stark betroffen sind“, sagt Vera Künzel von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch. Sie ist eine Autorin des Index. "Das ist das erste Mal so in der Geschichte des Index, den wir seit 15 Jahren machen. Wir sehen daran, dass alle Länder der Welt betroffen sind." Auch in Japan war es vor allem eine Hitzewelle, die große Schäden anrichtete.

Trotzdem: Dass wohlhabende Industriestaaten grundsätzlich am meisten unter den zunehmenden Wetterextremen zu leiden haben, wäre der falsche Schluss, so die Index-Autoren. In der Langzeitbeobachtung von 1999 bis 2018 liegen Puerto Rico, Myanmar und Haiti deutlich vorne. Gerade die ärmsten Länder werden immer wieder von Fluten und starken Stürmen heimgesucht.

Ein Hurrikan folgt dem anderen

Im Fall von Puerto Rico war es ein einzelner Hurrikan, der so große Schäden anrichtete, dass der zu den USA gehörende Inselstaat das Ranking anführt. Länder wie Haiti kamen zeitweise gar nicht zur Ruhe. Ein Hurrikan folgte dem anderen. "Das macht diese Länder besonders betroffen, weil sie einfach keine Zeit haben, sich zwischen zwei Ereignissen zu regenerieren“, sagt Künzel.
Insgesamt starben in dem beobachteten Zeitraum 495.000 Menschen bei über 12.000 Extremwetterereignissen. Der wirtschaftliche Schaden wird mit 3,54 Billionen US-Dollar beziffert.

Ereignisse intensiver und häufiger

Wir sehen, dass sich der Klimawandel auf Extremwetterereignisse auswirkt. Sie werden intensiver und sie treten häufiger auf.
Vera Künzel, Germanwatch

Germanwatch weist darauf hin, dass nicht alle Wetterextreme eindeutig dem Klimawandel zuzuordnen sind. Allerdings: "Wir sehen, dass sich der Klimawandel auf Extremwetterereignisse auswirkt. Sie werden intensiver und sie treten häufiger auf", erklärt Künzel. Die wissenschaftlichen Grundlagen dafür, seien inzwischen eindeutig.

Die Forderung der Autoren an die Staaten, die auf der Weltklimakonferenz verhandeln, ist deshalb klar. Der Ausstoß von Treibhausgasen müsse schnell zurückgefahren werden, um die Erderwärmung zu bremsen. Und: "Wir wünschen uns, dass die besonders betroffenen Länder bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützt werden, um Schäden und Verluste zu vermeiden“, sagt Dr. Maik Winges, Co-Autor des Klima-Risiko-Index. Und wenn solche Schäden auftreten, müsse effektiver geholfen werden, damit umzugehen.

Verhandlungen in Madrid

Noch bis zum 13. Dezember verhandeln fast 200 Länder auf der Klimakonferenz in Madrid. Ob sie sich einigen können – auf Regeln zur Umsetzung des Klimavertrags von Paris, auf Hilfen für ärmere Länder und auf mehr Ambitionen bei der Reduktion von Treibhausgasen, beobachten die Autoren des Klima-Risiko-Index genau. Und wohl nicht nur die.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.

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