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Gipfel in Buenos Aires - G20-Staaten ringen um Einigung

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Ukraine, Klima, Handel: Die G20-Staaten sind in vielen Fragen gespalten. Ob es zu einer gemeinsamen Erklärung kommt, ist unklar. Eine Rolle könnten zwei bilaterale Treffen spielen.

Der G20-Gipfel in Buenos Aires beginnt ohne Kanzlerin Merkel. Es geht um Zölle, das Klima und die Ukraine-Krise. US-Präsident Trump nennt das Handelsabkommen zwischen Mexiko und Kanada ein „Modellabkommen“. Draußen dominieren Sperrzonen das Stadtbild.

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Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrienationen ringen in Argentinien um ihre Handlungsfähigkeit. Das Zustandekommen einer gemeinsamen Abschlusserklärung, vor allem bei den Streitthemen Welthandel, Klimaschutz und Migration, war zum Ende des ersten Gipfeltages noch völlig in der Schwebe. Zehn Jahre nachdem sich die G20-Staaten erstmals auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs trafen, um ein gemeinsames Vorgehen in der internationalen Finanzkrise zu verabreden, ist die Gruppe in manchen Punkten tief gespalten.

Vor allem aus den USA kam massiver Druck, etwa den Klimaschutz und vor allem die Verbindung zwischen Klimaerwärmung und Treibhausgasausstoß aus der Erklärung herauszuhalten. Auch das bei G20-Gipfeln übliche Bekenntnis zum geregelten Welthandel wollen die USA weitgehend vermeiden.

Merkel trifft Putin und Trump

Bundeskanzlerin Angela Merkel greift heute in das Gipfelgeschehen ein. Sie traf am Freitagabend nach der Panne an ihrem Regierungsflieger mit zwölf Stunden Verspätung in Buenos Aires ein - gerade pünktlich zu einer Kulturveranstaltung im berühmten Teatro Colon mit anschließendem Gala-Dinner. Am zweiten Gipfeltag wollte sie US-Präsident Donald Trump und den russischen Präsidenten Wladimir Putin treffen.

Wichtiges Thema mit Putin dürfte auch die jüngste Eskalation der Ukraine-Krise sein, nachdem es im Asowschen Meer zu einem militärischen Zusammenstoß zwischen russischen und ukrainischen Booten gekommen war. Trump hatte wegen der Rolle Russlands ein geplantes Vier-Augen-Gespräch mit Putin kurz vor Gipfelbeginn abgesagt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der gemeinsam mit der Kanzlerin zwischen Moskau und Kiew vermittelt, traf sich bereits am Freitag mit Putin und forderte, dass nun eine "Phase der Deeskalation" eingeleitet werden müsse, wie es von französischer Seite hieß.

USA und China haben Bedenken gegen Entwurf von Erklärung

Wie die USA haben auch China und die Türkei Bedenken gegen einen vorliegenden Entwurf der Abschlusserklärung. Unklar blieb zunächst, wie viele Kröten vor allem die Europäer um Deutschland und Frankreich zu schlucken bereit sind, um ein Scheitern des Gipfels zu verhindern.

Als erster Erfolg wurde hingegen verbucht, dass sich die Staats- und Regierungschefs dazu verpflichten würden, bis zum nächsten G20-Gipfel die Reform der Welthandelsorganisation WTO voranzutreiben, um eine bessere Einhaltung gemeinsamer Spielregeln zu ermöglichen. Zudem soll in der Erklärung darauf verwiesen werden, dass man weiter multilateral, das heißt im großen Kreis, an der Lösung von Problemen arbeiten wolle.

Gipfel ohne Abschlusserklärung wäre Novum

Einen G20-Gipfel ohne Abschlusserklärung hat es noch nie gegeben. Beim G7-Gipfel in Kanada hatte Trump das bereits vereinbarte Papier nachträglich platzen lassen.

Am Abend will Trump in Buenos Aires den Versuch unternehmen, auf bilateraler Ebene den Handelskrieg mit China zu beenden. Bei seinem Abendessen mit Chinas Präsident Xi Jinping geht es darum, wie die von den USA gegen China verhängten Sonderzölle wieder aufgehoben oder zumindest nicht noch ausgeweitet werden können.

Die USA verlangen, dass China etwa auf Produktpiraterie und erzwungenen Technologietransfer verzichtet. Insgeheim sieht Washington auch die Infrastruktur-Initiative der Chinesen mit Misstrauen. Mit der sogenannten Seidenstraßen-Initiative versucht China nach Auffassung von Experten auch, über die Zusammenarbeit vor allem mit Entwicklungsländern seinen Einfluss weltweit auszubauen.

Für möglich gehalten wird, dass der zuständige chinesische Vize-Ministerpräsident Liu He Mitte Dezember nach Washington reist, um die Verhandlungen zur Beendigung des Handelskonflikts fortzusetzen. Auch von amerikanischer Seite mehrten sich Signale, dass vielleicht eine vorläufige Einigung gefunden werden kann." Wir arbeiten sehr hart. Wenn wir einen Deal erreichen könnten, wäre das gut", sagte Trump. Eine weitere Eskalation des Konflikts der beiden größten Volkswirtschaften würde nach Auffassung des Internationalen Währungsfonds die gesamte Weltwirtschaft belasten.

Merkel will mit Trump über Autozölle sprechen

Beim Treffen Merkels mit Trump soll es um die Frage von Autozöllen auf deutsche US-Exporte gehen. Vor allem aber dürfte das Thema Ukraine das auf etwa eine halbe Stunde angesetzte Gespräch dominieren. Trump setzt nach der von Russland eskalierten Situation in der Straße von Kertsch auf das Verhandlungsgeschick Merkels, die bereits kurz nach ihrer Ankunft im Teatro Colon kurz mit Putin sprach.

Trotz der weltweiten Empörung über die Tötung des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi konnte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman den Gipfel für einen großen Auftritt auf der Weltbühne nutzen. Demonstrativ herzlich und mit einem kumpelhaften Handschlag empfing Russlands Präsident Wladimir Putin den Kronprinzen zu Beginn der formellen Gespräche lachend vor laufenden Kameras. Salman wird verdächtigt, den Mord am Khashoggi in Auftrag gegeben oder zumindest davon gewusst zu haben.

Trump, der weiter zu seinem Verbündeten steht, tauschte nach Angaben aus dem Weißen Haus Freundlichkeiten mit dem saudischen Kronprinzen aus - "wie mit fast jedem anderen der Teilnehmer auch". Trump selbst sagte: "Es kann sein, dass wir eine Diskussion führen werden, aber wir haben es noch nicht getan."

In Buenos Aires protestierten Tausende Menschen gegen den Gipfel. Die Demonstranten zogen über die Prachtstraße 9 de Julio und skandierten: "Raus mit Trump und den imperialistischen Führern!" Auf Transparenten war zu lesen: "Sie wollen Krieg und wir lassen sie nicht in Frieden." An der Spitze des Zugs marschierten barbusige Frauen, die sich die Flaggen der G20-Länder auf den Oberkörper gemalt hatten. Rund 25.000 Polizisten und Soldaten sind im Einsatz.

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