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Klimakonferenz in Bonn - Wie der Klimawandel die Ärmsten trifft

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Viele Menschen in armen Ländern leiden schon jetzt stark unter den Folgen des Klimawandels. Millionen suchen Zuflucht in den Städten und landen in den Slums.

Dürre trieb sie aus Kenia über die Grenze nach Uganda: die Hirten der Turkana mit ihren Kamelherden. Doch für die Klimaflüchtlinge ist es ein hartes Leben. Die Konkurrenz um Wasser und Weideland ist auch in Uganda groß.
Dürre trieb sie aus Kenia über die Grenze nach Uganda: die Hirten der Turkana mit ihren Kamelherden. Doch für die Klimaflüchtlinge ist es ein hartes Leben. Die Konkurrenz um Wasser und Weideland ist auch in Uganda groß.
Quelle: ZDF

Traurig betrachtet Paul Engotor die verschrumpelten Bohnenpflänzchen, die er vor ein paar Wochen ausgesetzt hat. Der 55-jährige Hirte lebt mit seiner Familie in Karamoja. Die extrem trockene Region im Nordosten Ugandas ist besonders stark vom Klimawandel betroffen. Seit Jahren hat es kaum geregnet. Und wenn doch einmal Regen fällt, ist es viel zu wenig.

Menschen und Tiere leiden unter der anhaltenden Dürre. Paul Engotor hat bei einer Hungersnot beide Eltern verloren. Seine zwei ältesten Söhne hat er seit Jahren nicht mehr gesehen. Sie sind wegen der Auswirkungen des Klimawandels in die Stadt geflohen. Ob sie noch am Leben sind, weiß Paul nicht.

Die Armen trifft der Klimawandel besonders hart

Menschen wie Paul und seine Familie sind es, die von der Klimaerwärmung am stärksten betroffen sind. "Das Klima nimmt keine Rücksicht", sagt die Umweltökonomin Koko Warner vom Klimasekretariat der Vereinten Nationen. "Wenn Menschen arm sind und ohnehin schon ums Überleben kämpfen, sind die Auswirkungen des Klimawandels für sie häufig noch dramatischer."

Karte: Uganda, Kenia, Ruanda, Burundi

Quelle: ZDF

Denn diese Betroffenen haben meist keinerlei Rücklagen, um schlechte Zeiten zu überstehen. Hinzu kommt, dass in Entwicklungsländern viele in Berufen arbeiten, die direkt vom Wetter abhängig sind. Wenn sie nicht mehr auf den vertrauten Wechsel von Regen- und Trockenzeiten setzen können, ist ihre Existenzgrundlage bedroht. Meist ist dann das Verlassen der Heimat für diese Menschen die einzige Chance zu überleben. Familien wie die von Paul werden dabei auseinandergerissen. Ganze Gemeinschaften mit ihren bewährten Strukturen und Traditionen verschwinden einfach.

Sendehinweis

Dabei trifft diese Menschen nicht einmal die Schuld an ihrer Lage. Verantwortlich für die globale Erwärmung sind vor allem die industrialisierten Länder. Vier Fünftel der von Menschen verursachten CO2-Anreicherung in der Atmosphäre gehen auf das Konto der Industriestaaten. Auch wenn Schwellenländer wie China ebenfalls große Mengen an Treibhausgasen produzieren, sind die Pro-Kopf-Emissionen in Industrienationen immer noch deutlich höher. Unsere Lebensweise treibt die Erderwärmung Tag für Tag weiter voran - und vergrößert das Leid Unzähliger.

Millionen Klimaflüchtlinge

Bereits jetzt ist klimabedingte Migration eine gewaltige Herausforderung. 20 Millionen Menschen mussten allein im Jahr 2015 vor den Auswirkungen des Klimawandels fliehen - doppelt so viele, wie im selben Jahr durch Krieg und Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Das ergab eine Studie der Universität Hamburg. In Europa ist davon nicht viel zu spüren, da die meisten dieser Klimaflüchtlinge im eigenen Land bleiben. "Vor allem arme Menschen sind in der Zwickmühle", erklärt Koko Warner vom UN-Klimasekretariat. "Sie haben oft gar nicht die Mittel und die Möglichkeiten, weit genug zu fliehen."

Und so landen Millionen in den Slums der großen Städte, wo sie das nächste Problem erwartet. Denn die meisten dieser Städte liegen in Küstenregionen, die bald selbst vom Klimawandel betroffen sein werden. Dadurch wird sich die Zahl der Klimaflüchtlinge in den nächsten Jahren noch einmal deutlich vergrößern. Bis zu zwei Milliarden Menschen könnten Ende des Jahrhunderts auf der Flucht vor dem Klimawandel sein.

Initiative der Industrienationen will gegensteuern

Die Industriestaaten müssten endlich Verantwortung für das Leid und die Schäden übernehmen, die schon jetzt in den ärmeren Ländern entstehen, fordert Koko Warner. Eine globale Initiative der Industrienationen, um Menschen in Entwicklungsländern vor Klimaschäden abzusichern, könnte ein Schritt in diese Richtung sein. Der Vorschlag soll auf der COP23 in Bonn diskutiert werden. Gäbe es die Initiative schon, wäre die Familie des ugandischen Viehhirten Paul Engotor vielleicht niemals auseinandergerissen worden.

Im zweiten Teil der Dokumentationsreihe begleitet "planet e." einen jungen Indianer aus Colorado bei seinem Kampf für einen bewussteren Umgang mit der Erde. Denn der Klimawandel wird vor allem die junge Generation treffen.

Beitragslänge:
28 min
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