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Zwischenbilanz in Bonn - Kein Sand im Getriebe des Weltklimagipfels

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Die großen Nachrichten fehlen noch: Aber es geht voran beim Klimagipfel. Trotz friedlicher Atmosphäre gibt es auch Streit: etwa über Sofortmaßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel.

Charlotte Lakemann
Charlotte Lakemann bei der Weltklimakonferenz Quelle: ZDF/Mark Hugo

Charlotte Lakemann hat es mal wieder eilig. Die 23-Jährige vom Jugendbündnis für Zukunftsenergie ist als Beobachterin auf der Weltklimakonferenz. Meetings, Events, Gespräche mit Delegierten. Sie will hier diskutieren, sich austauschen und vor allem Druck machen, damit der Gipfel von Bonn am Ende ein Erfolg wird. "Egal, ob wir jetzt aus Gambia kommen, aus Mexiko, Deutschland, Japan. Wir wollen uns alle für die Rechte von zukünftigen Generationen einsetzen", sagt sie. "Damit wirklich mal beim Klimawandel etwas angepackt wird. Damit, wenn wir alt sind, noch etwas von der Erde übrig ist."

Die Bilanz der Weltklimakonferenz bisher: Es geht voran. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Denn die erste Gipfel-Woche ist nicht nur für Charlotte eine Arbeitswoche, sondern auch für all die Delegierten aus den Ländern dieser Welt. Jochen Flasbath, Leiter der deutschen Delegation, spricht von einer "ganz herausragenden" Gesprächsatmosphäre – auch im Vergleich mit anderen Klimakonferenzen. "Insgesamt, glaube ich, sind wir in der ersten Woche sehr erfolgreich gewesen", sagt er.

Positionen und Papiere

"Gerade weil die Themen sehr technisch sind, gibt es sehr viele Möglichkeiten, Sand ins Getriebe zu streuen. Das haben die verschiedenen Staaten nicht gemacht." Positionen werden definiert und Papiere erstellt, die dann in der kommenden Woche in der heißen Phase verhandelt werden. Dann, wenn die Fachminister und höchstwahrscheinlich auch die Bundeskanzlerin und Frankreichs Premier Macron in Bonn erscheinen.

Ein paar Streitpunkte gab es aber auch in der ersten Woche. Die Entwicklungsländer haben versucht, das Thema Klimafinanzierung in so gut wie jeder Gruppe voranzubringen und zu diskutieren. Es geht vor allem um die Zusage von Paris, dass die Industrieländer ab 2020 jährlich 100 Milliarden US-Dollar an die ärmeren Länder Zahlen – für den Kampf gegen den Klimawandel und dessen Folgen. Dafür fordern sie konkrete Zusagen. Dass die Industrieländer zurückhaltend seien, werde ihnen jetzt als unflexibel ausgelegt,  sagt Flasbath. Dabei werde das Ziel erreicht, glaubt er. Das in jeder Gruppe zu diskutieren, bringe aber nichts. "Wir wollen ja schließlich auch vorankommen."

Streit um Sofortmaßnahmen

Und es knirscht außerdem bei den 2015 in Paris versprochenen Sofortmaßnahmen gegen den Klimawandel vor 2020. Auch da würden sich die reichen Länder bisher jedenfalls noch sehr zurückhalten. "Einige Industrieländer wollen die Ambitionen nicht erhöhen, wie die USA. Andere tun sich schwer damit wie Deutschland. Wir schaffen ja nicht mal unser 2020-Ziel, so wie es derzeit aussieht", sagt Christoph Bals von der Umweltorganisation Germanwatch.

Für andere dagegen sei das kein Problem. Sie hätten sogar mehr geleistet als versprochen, was übrigens auch für die EU insgesamt gilt. Bei dieser Frage seien die Emotionen in der sonst sehr konstruktiven Atmosphäre hochgekocht, sagt Bals. Aber: "Wir bemühen uns, das zustande zu bringen", erklärt dazu Staatssekretät Flasbath. Auch bei diesem Thema gebe es gute Signale für die heiße Phase in der kommenden Woche.

Trump weiter isoliert

Obwohl vieles noch offen ist: Auch die erste Woche hat Nachrichten beschert: Deutschland sagt weitere 50 Millionen Euro zu, um armen Ländern zu helfen, mit dem Klimawandel klarzukommen. Und dann Syriens Ankündigung, dem Klimaabkommen von Paris beizutreten. Trumps USA könnten damit bald das weltweit einzige Land sein, das sich gegen die historische Vereinbarung von 2015 stellt.

"We are still in" – "Wir sind noch dabei".  Das ist der Name einer trotzigen US-Protestveranstaltung von Bundestaaten wie Kalifornien, von US-Städten und Unternehmen am Rande der Konferenz. Erwartet werden hier Ex-Vizepräsident Al Gore, New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg und Hollywood-Stars wie Arnold Schwarzenegger und Leonardo diCaprio. Prominenter Druck auf die Verhandler.

"Ein tolles Signal"

"Das ist für die Welt ein tolles Signal", sagt Bals. "Auf der anderen Seite: Wenn das zu provokant gespielt wird, könnte es auch dazu führen, dass die US-Regierung in der zweiten Woche, wenn sie dann hochrangig hier sind, blockieren und nicht nur still zuhören." Bisher sei die offizielle US-Delegation nämlich sehr zurückhaltend und werfe den anderen keine Steine in den Weg.

Nur still zuhören wird wohl auch Charlotte Lakemann nicht. Sie redet im Plenum, geht weiter von Meeting zu Meeting, spricht Delegierte in der Kaffeepause an, bleibt bei einer spontanen Mini-Demo von Aktivisten applaudierend stehen. "Es ist einfach so groß hier und es werden so wichtige Entscheidungen getroffen. Man denkt sich: Wow, ich bin jetzt hier und ich kann darauf Einfluss nehmen." Ein Tag, der von 8 bis 20 Uhr dauert. Aber schließlich geht es in Bonn für Charlotte um etwas - um ihre Zukunft und um die ihrer Generation.

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