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Weltklimagipfel in Polen - Das "Tankschiff" von Kattowitz

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In Polen hat der Weltklimagipfel begonnen. Wissenschaftler fordern: Es muss viel mehr gegen die Erderwärmung getan werden. Drei Erwartungen an Kattowitz.

Luftballons mit CO2-Aufdruck
Den Ausstoß der Treibhausgase zu verringern - dazu diskutieren Umweltexperten in Kattowitz.
Quelle: epa

Die Länder der Welt reden miteinander und suchen gemeinsam nach Lösungen. Allein das wird von vielen Beobachtern schon als Erfolg gewertet. Weil das Zeit braucht, oft schwer nachvollziehbar ist und darüber hinaus die Ergebnisse oft hinter Erwartungen zurückbleiben, entsteht manchmal der Eindruck, dass solche Veranstaltungen nichts bringen. Tatsächlich ist der Austausch aber wichtig. Es wird so zum Beispiel öffentlicher Druck auf die Politik aufgebaut, der Einigungen und Maßnahmen voranbringen kann.

Länder vergleichen zudem ihre Bemühungen untereinander und müssen sich an anderen messen lassen. Und zahllose konstruktive Einigungen werden im Kleinen und abseits der breiten Öffentlichkeit geschlossen. Trotzdem darf man sich nichts vormachen: Konferenzen wie diese sind wie ein gewaltiges Tankschiff, auf dem jeder einzelne Matrose am Steuerrad drehen will. Die Weltgemeinschaft auf Kurs zu bringen, ist mehr als schwierig. Nur leider hat dafür der fortschreitende Klimawandel kein Verständnis.

Werden auf dem Gipfel die Klimaziele drastisch verschärft?

Wahrscheinlich nicht. Das liegt am Zeitplan, der erst für 2020 vorsieht, dass die Länder ihre nationalen Klimaziele neu formulieren. In Kattowitz aber wird das Rennen dafür im so genannten "Talanoa-Dialog" sozusagen eröffnet. Das ist ein Forum, auf dem sich einzelne Staaten auch auf Ministerebene über nationale Ziele und Maßnahmen austauschen. Vor allem der im Herbst vorgelegte Sonderbericht des Weltklimarates kann dabei ein Treiber sein. Der fordert eindringlich, die Erderwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen, wozu die Anstrengungen vervielfacht werden müssten. Deshalb wird es wohl Absichtserklärungen geben und Ankündigungen. Festlegen wird sich aber vermutlich noch kein Land.

Klimakonferenz "COP24" in Kattowitz
In Kattowitz sollen wichtige Entscheidungen für die Klimapolitik getroffen werden.
Quelle: dpa

Dafür soll auf dem Gipfel aber ein "Rulebook", ein Regelwerk für die Umsetzung des Vertrags von Paris verabschiedet werden. Das ist eine sehr technische Sache. Sie ist aber wichtig, damit alle beteiligten Länder nach den gleichen Spielregeln handeln. Beispiel: Nur wenn alle ihren CO2-Ausstoß nach einheitlichen und transparenten Vorgaben messen, kann verglichen und überprüft werden, ob die versprochenen Klimaziele auch wirklich eingehalten werden. Festgelegt sind aber auch Regeln zur Klimafinanzierung. Die Frage, wann ein Industrieland erklären muss, dass es eine bestimmte Summe für ein bestimmtes Projekt zur Verfügung stellt, ist sogar einer der Hauptstreitpunkte.    

In welchen Bereichen muss Klimaschutz ansetzen?

In sehr vielen. Ganz vorne steht der Umbau des Energiesektors - weg von fossilen Rohstoffen, hin zu erneuerbarer Energie. Aber auch in anderen Bereichen könnte mehr getan werden: Bessere Industrieanlagen, Wärmeisolierung von Häusern zum Beispiel. Der Verkehrssektor ist ein weiteres Sorgenkind: In Deutschland haben dort die Treibhausgasemissionen zuletzt sogar zugenommen. Natürlich wird auch über "negative Emissionen" diskutiert. Gemeint sind zum Beispiel Aufforstungen oder technische Maßnahmen, die dazu führen, dass Treibhausgase aus der Atmosphäre genommen werden.

Als Klimaschutz wird aber nicht nur der Kampf gegen eine weitere Erwärmung angesehen, sondern auch der Umgang mit den unvermeidbaren Folgen. Das läuft auf dem Klimagipfel unter dem Begriff "Anpassung". Dabei geht es zum Beispiel um den Bau von Deichen, aber auch um Maßnahmen, die betroffenen Bauern helfen, eine neue Lebensgrundlage zu finden. Dabei spielt die Finanzierung eine große Rolle. Viele Länder sind arm, besonders betroffen, haben aber selbst kaum etwas zum Klimawandel beigetragen. Es wird als Frage der Gerechtigkeit gesehen, dass diese von Industrieländern unterstützt werden.

Treten Länder wie die USA und Brasilien auf die Bremse?

Archiv: Kohlekraftwerk und Windräder, aufgenommen am 10.09.2015
Weg von den alten hin zu neuen Energiequellen.
Quelle: dpa

Ja und nein. Nach dem von US-Präsident Donald Trump angekündigten Austritt aus dem Klimaabkommen von Paris haben die USA zwar Zahlungen, etwa an den grünen Finanztopf "Green Climate Fonds", eingestellt, allerdings sind sie immer noch Vertragspartner und nehmen auch am Klimagipfel teil. In Kreisen der Diplomaten wurde schon letztes Jahr in Bonn wohlwollend zur Kenntnis genommen, dass die US-Delegation "nicht weiter gestört" hat. Auch in Kattowitz wird sie wohl nicht ernsthaft blockieren.

Auch die brasilianische Delegation, die ja noch von der alten Regierung geschickt wird, hält den Ball sicher flach. Der neu gewählte populistische Präsident Jair Bolsonaro tritt sein Amt erst im kommenden Jahr an. Trotzdem: Wenn sich ein mächtiges Industrieland wie die USA und ein regenwaldreiches Land wie Brasilien weitgehend aus der Klimapolitik verabschieden, macht es das nicht leichter, Maßnahmen gegen den Klimawandel voranzubringen.

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