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UN-Klimakonferenz - Worauf es in Bonn ankommt

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Lebhafte Debatten sind bei der UN-Klimakonferenz in Bonn zu erwarten: Wo kommt das Geld her, wie kommt man weg von der Kohle und was ist überhaupt eine Tonne CO2?

Klimakonferenz in Bonn
Klimakonferenz in Bonn Quelle: ZDF

Zu Recht wurde das Weltklima-Abkommen von Paris frenetisch gefeiert, ein wahrer Durchbruch. Doch zwei Jahre danach: Ernüchterung. Eine aktuelle Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zeigt, warum: Bisher decken die Klimaschutzzusagen der Länder gerade mal ein Drittel von dem ab, was nötig ist, um das Zwei-Grad-Limit einzuhalten. Wie sollen da die anderen zwei Drittel zustande kommen?

Erik Solheim ist seit fast einem Jahr UNEP-Direktor. Anlässlich der Präsentation der Emissions-Studie Ende Oktober in Genf bringt er es auf den Punkt: "Ein Jahr nach Inkrafttreten des Pariser Klimaschutzabkommens tun wir nicht annährend genug, um Millionen Menschen vor einer miserablen Zukunft zu schützen. Das ist unakzeptabel." Und er fordert alle Entscheidungsträger auf, jetzt endlich die vielen Versprechungen zum Klimaschutz wahr werden zu lassen.

Russland hat Paris nicht ratifiziert

Das wollen ja auch eigentlich alle Vertragspartner, aktuell 169 an der Zahl (von insgesamt 197 möglichen). Nicht dabei, und das gibt zu denken, ist Russland. Präsident Wladimir Putin hat noch keine Order gegeben, das Abkommen zu ratifizieren und sein Kollege im Amt, Präsident Donald Trump, erwägt den Ausstieg. Das bringt zwar den diplomatischen UN-Klimaprozess nicht zu Fall, scheint doch aber auf eine gewisse politische Seelenverwandtschaft der beiden hinzudeuten. Was sich daraus ergibt, sollte scharf im Auge behalten werden, nicht nur, wenn es um Klimafragen geht.

"Wir müssen Alternativen aufzeigen für Regionen, die von dem Braunkohleabbau abhängig sind", sagt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks vor dem Beginn der Weltklimakonferenz in Bonn.

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Trumps Nein zum Paris-Abkommen hat immerhin bewirkt, dass kurze Zeit später 70 Länder den Vertrag ratifiziert haben. Nach dem Motto: Jetzt erst recht! Und genau da wird Frank Bainimarama ansetzten. Er ist Ministerpräsident der Republik Fidschi und ab Montag auch Präsident der 23. UN-Klimakonferenz. In Bonn findet sie statt, weil Fidschi nicht in der Lage ist, eine Konferenz für bis zu 25.000 Teilnehmer auszurichten. Nach den Statuten wird dann die Konferenz am Sitz des Klimasekretariats abgehalten – und das ist Bonn. Allerdings zahlt Deutschland dann auch den überwiegenden Teil der Kosten, die sich auf rund 115 Millionen Euro belaufen dürften.

Frank Bainimarama wird Druck machen. Das ist er der Allianz der kleinen pazifischen Inselstaaten schuldig. Sie gehören zu den ersten Ländern, die aufgrund des steigenden Meeresspiegels "Land unter!" melden. Schon jetzt mussten Menschen umgesiedelt werden, deren Dörfer vom Meer nach und nach überflutet werden. "Loss and damage", Verlust und Schaden, wird somit ein großes Konferenzthema sein, verbunden mit der Frage, woher das Geld kommen soll, um Schäden zu bezahlen bzw. vorbeugende Anpassungsmaßnahmen durchzuführen. Das ist knifflig, weil die USA nach Trumps Ankündigung nichts mehr beitragen, im Paris-Abkommen aber versprochen wird, ab 2020 jährlich einen Fonds mit 100 Milliarden US-Dollar zu füllen, der genau die genannten Finanzierungsleistungen erbringen soll. In Bonn wird also voraussichtlich heftig um die weitere Finanzierung der Klimaschutzlasten gestritten werden.

Wichtiger Verhandlungspunkt: Ein verbindliches Regelwerk

Das Abkommen von Paris ist ein Völkerrechtsvertrag. Und da geht es den Delegierten nicht anders als jedem, der einen beliebigen Vertrag abschließt: Man sollte das Kleingedruckte aufmerksam lesen. Danach nämlich muss ein umfangreiches Regelwerk her. Aus dem soll hervorgehen, wie die Länder künftig ihre Treibhausgasemissionen statistisch erfassen sollen. Und zwar so, dass die Daten international vergleichbar sind. Eine Tonne CO2 muss überall auf der Welt eben eine Tonne CO2 sein. Weit über 100 Länder haben überhaupt keine Methodik dazu, andere wollen sich aus Gründen der Unabhängigkeit nicht in die Daten-Karten schauen lassen. So ein Regelwerk muss sich zudem durch Transparenz und Kontrollierbarkeit auszeichnen. Wie sonst, auf welcher Datenbasis können die ab 2020 anstehenden regelmäßigen Verschärfungen der Klimaschutzanstrengungen vorgenommen werden?

Und weil das alles wieder ewig dauern wird, hat sich die Konferenz noch eine Aufgabe gegeben: Nämlich die Steigerung der Klimaschutzsofort-Maßnahmen bis 2020. Dafür muss noch eine generelle Linie entwickelt werden, um festzulegen, wer welche Lasten übernimmt.

Zwei Tage vor der Weltklimakonferenz fordern in Bonn mehrere tausend Menschen die konsequente Einhaltung der Pariser Klimaziele.

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Alle klimaschonenden Techniken sind da

UNEP-Direktor Solheim stellt fest, dass es alle erforderlichen Techniken gibt, um Treibhausgasemissionen sofort wirkungsvoll zu reduzieren: erneuerbare Energien, energiesparende Gebäude, Aufforstungskonzepte, alternative Transportsysteme und eine ökologisch vertretbare Landwirtschaft. Laut der Studie würden maximal 100 US-Dollar pro vermiedener Tonne CO2 anfallen, eher deutlich weniger. Vorreiter weltweit könnten, so Solheim, die 100 größten Unternehmen der öffentlichen Hand sein, Stadtwerke zum Beispiel. Rund ein Viertel der weltweiten Treibhausgase seien den Aktivitäten dieser Unternehmen zuzuordnen.

Streitthema Kohle

Am meisten Kopfzerbrechen bereitet allerdings die Kohleverstromung. Auch in Deutschland wird ja seit Jahren über ein Ausstiegskonzept gestritten. Sehr hilfreich wäre jetzt ein Signal aus den Jamaika-Sondierungsgesprächen, ob der Verzicht auf Kohleverstromung Regierungsprogramm wird. Denn weltweit werden kräftig weiter neue Kohlekraftwerke gebaut. Allein in diesem Jahr kommen so rund 273 Gigawatt elektrische Leistung hinzu - nur aus der Kohleverbrennung. Noch einmal 570 Gigawatt sind in Planung. Insgesamt bedeutet das ein Anstieg der CO2-Emissionen um 150 Gigatonnen (Milliarden Tonnen) – viel zu viel, um das Zwei-Grad-Limit einzuhalten. Womit sich ein weiteres Verhandlungsfeld der Bonner Konferenz abzeichnet, nämlich das Initiieren von neuen Partnerschaften zwischen Ländern, aber auch unter Mitwirkung des sogenannten privaten Sektors. Denn nur zusammen lassen sich die besten und leistungsfähigsten erneuerbaren Energiequellen finden und dann auch bauen.

Das also ist der wichtigste Faktor: So schnell wie möglich muss die Weltstaatengemeinschaft die Energiegewinnung aus fossilen Trägern wie eben der Kohle beenden. Wenn das nicht gelingt, werden andere Klimaschutzmaßnahmen fast wirkungslos bleiben. Hoffnungsfroh stimmen da Nachrichten ausgerechnet aus dem Land, das jahrelang als Klimaverschmutzer Nummer 1 gegolten hat: China. In diesem Jahr wird der Zubau an Strom aus Photovoltaikanlagen die Marke von 50 Gigawatt überschreiten. Zwar ein neuer Rekord. Aber eben nicht ausreichend, um die Mehrbelastung aus neuen Kohlekraftwerken auszugleichen.

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