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Klimapolitik - Australien: Großmine statt Kohleausstieg

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In zwei Monaten beginnt in Bonn der Weltklimagipfel. Um den CO2-Ausstoß zu verringern, denken viele Länder, auch Deutschland, über den Abschied von Kohle als Energieträger nach. Aus Australien kommen da ganz andere Signale. Dort könnte bald die zweitgrößte Kohle-Mine der Welt entstehen.

Am Tagungsort der Klimakonferenz in Marrakesch arbeiten die Delegierten der Weltklimakonferenz an der Umsetzung des Klimaabkommens von Paris. Das Gastgeberland selbst tut viel für die Reduktion der Treibhausgase.

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Das Galilee-Becken in Queensland - hier soll die Carmichael-Kohlemine gebaut werden. Auf einer Fläche von 447 Quadratkilometern will das indische Konglomerat Adani innerhalb der nächsten 60 Jahre an die 2,3 Milliarden Tonnen Schwarzkohle fördern – in erster Linie für den Export nach Asien. Umgerechnet elf Milliarden Euro soll das Projekt kosten. Und während Umweltschützer warnen, haben die Regierungen von Australien und des Bundesstaates Queensland bereits die Genehmigungen erteilt.

Größter Exporteur

Das hat vor allem wirtschaftliche Gründe: Australien besitzt zehn Prozent der weltweiten Kohlevorräte und ist international bereits der größte Exporteur von Steinkohle. Der Rohstoff bringt dem Land viel Geld. Aber auch der Eigenbedarf ist immens: Allein vergangenes Jahr lag der Kohleverbrauch bei 43,8 Millionen Tonnen. Das meiste wird in Kraftwerken verheizt.

Und: Kohle bringt Arbeitsplätze. Adani rechnet mit 10.000 neuen direkten und indirekten Jobs. Im Bundesstaat Queensland liegt die Arbeitslosenquote bei mehr als sechs Prozent und ist damit höher als im Rest des Landes. "Wir brauchen diese Jobs dringend", erklärt Matthew Canavan, der Minister für Ressourcen und Nord-Australien. Er hofft auf einen wirtschaftlichen Aufschwung in der Region.

"Negatives Signal“

Das Problem ist allerdings: Auch Australien hat sich im Klimaabkommen von Paris 2015 verpflichtet, die Treibhausgasemissionen zu senken. Kohle aber ist unter den fossilen Brennstoffen derjenige mit der höchsten CO2-Ausstoß-Bilanz. "Eine komplett neue große Minenregion in einem Industriestaat zu erschließen würde ein negatives Signal zur globalen Klimapolitik senden", sagt deshalb Frank Jotzo, Professor für Klimapolitik an der Australian National University in Canberra.

Und die Prognose für Carmichael liegt bei 77 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr. Ganz Australien verzeichnet derzeit einen jährlichen Ausstoß von 16,74 Tonnen pro Einwohner. Zum Vergleich: Europa hat 8,02 Tonnen CO2 pro Einwohner. Der Kontinent setzt immer noch auf fossile Brennstoffe - für Naturschützer unbegreiflich: "Die Entscheidung der Regierungen zeigt ganz klar, dass sie die fatalen Auswirkungen des Klimawandels kennen, aber dennoch an alten Industrien wie den Kohleabbau festhalten", sagt Richard Leck vom WWF in Australien.

Ein "kompromissloser" Kampf

Dabei seien die Schäden des weltweiten Temperaturanstiegs sozusagen vor der Haustür zu sehen. Das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Erde, ist seit Jahren davon betroffen. "Das Riff hat allein in den vergangenen 18 Monaten 49 Prozent seiner Korallen verloren", sagt Leck. Durch die Mine fördere Australien indirekt die globale Erwärmung und laufe außerdem Gefahr, gegen das Klimaabkommen zu verstoßen. Der WWF und andere australische Umweltverbände kämpfen seit Monaten "kompromisslos" gegen das Projekt, unter anderem vor Gericht.

Die Umweltschützer fürchten außerdem, dass die Natur in der Region unwiederbringlich zerstört werden könnte. Das betrifft zum Beispiel das Wasser. Der Grundwasserspiegel in einer ohnehin schon trockenen Region wie dem Galilee-Becken könnte noch weiter absinken. Der Grund: Zur Förderung von einer Tonne Kohle würden 250 Liter Wasser benötigt - im Fall Carmichael, wären das zwölf Milliarden Liter Wasser im Jahr. Flora und Fauna des Galilee-Beckens würden das womöglich nicht überleben. Deshalb hat Umweltminister Greg Hunt dem Bau nur unter strengen Bedingungen zum Schutz des Grundwassers zugestimmt. Ob diese aber eingehalten werden, bezweifeln die Umweltschützer.

Finanzierung offen

Trotz alledem soll der Bau der Carmichael-Kohlemine wie geplant im Oktober starten. Allerdings ist noch unklar, ob das Projekt tatsächlich in den Bau geht. "Die Genehmigungen liegen vor, aber es erscheint weiterhin unklar, wo die Finanzierung herkommen soll", sagt Jotzo. Eine Reihe von Banken habe die Finanzierung abgelehnt, offenbar aus Image-Gründen. "Adani hat australische Staatsbeihilfen angefragt". Ob der Bau im Oktober startet, ist damit unklar. Am Ziel, dass ab März 2020 Kohle gefördert wird, wollen Regierung und Betreiber aber vorerst festhalten. Gut möglich, dass es das Thema Carmichael auch auf die Agenda der Weltklimakonferenz im November in Bonn schaffen wird.

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