Sie sind hier:

CO2-Speicher - Klima und Wald: Gut Ding braucht Weile

Datum:

Wälder sind Kohlenstoffspeicher. Massive Aufforstung heißt daher die Devise. Eine neue Studie allerdings kommt zu dem Schluss: Die Erwartungen sind zu hoch.

Aufforstung in Odenwald
Es dauert, bis ein neu gepflanzter Wald nennenswert CO2 speichert: Aufforstung in Odenwald
Quelle: Imago

Auf der nächsten Weltklimakonferenz in Chile Anfang Dezember wird es unter anderem wieder um die Notwendigkeit gehen, sogenannte CO2-Senken auszubauen. Zu diesen Senken zählen auch Wälder - von den Tropen bis hin zu den großen Nadelwaldregionen in Russland und Kanada. Denn ein Baum gleicht einer großen Fabrik, in der chemische Prozesse stattfinden. So kann etwa ein ausgewachsener Laubbaum täglich 9.400 Liter Kohlendioxid verarbeiten. Wertvoller Sauerstoff entsteht und wird an die Luft abgegeben, während sich der Kohlenstoff in der Pflanze einlagert, um Biomasse, also auch Holz, aufzubauen. So weist der Weltklimarat in seinen Studien immer wieder auf das große Kohlenstoff-Speicherpotential von Wäldern hin. Allerdings gelten nicht nur Wälder sondern auch Moore als große Kohlenstofflager.

Aufforstung: ja oder nein?

Derzeit gibt es rund drei Billionen Bäume auf der Erde. Das hat eine satellitengestützte Waldinventur ergeben. Diese reichen aber nicht aus, um das in der Atmosphäre befindliche Treibhausgas CO2 aufzunehmen und den abgebauten Kohlenstoff langfristig im Holz einzulagern. Wissenschaftler der ETH Zürich haben errechnet, dass mit Hilfe eines weltweiten Aufforstungsprogramms auf einer Fläche von 0,9 Milliarden Hektar zwei Drittel des CO2-Gehalts in der Atmosphäre aufgenommen werden könnte. Die Aufforstungsfläche entspräche etwa der Größe der USA. Die naturbasierte Lösung wäre - so die Wissenschaftler - eine effektive Maßnahme im Kampf gegen den Klimawandel. Die Studie hat großes mediales Aufsehen ausgelöst.

Das Potenzial einer massiven Baumpflanzung werde dramatisch überbewertet, meinen dagegen Forscher zahlreicher anderer Universitäten und Institute. Ihre Kritik: Die Kohlenstoff-Speicherkapazitäten neu gepflanzter Bäume seien zu hoch angesetzt und können somit den Klimawandel nicht eindämmen. Zudem würden Bäume an falschen Orten gepflanzt sogar Ökosystem zerstören.

Baumpflanzungen: wie und wo?

Was die Speicherung von klimaschädlichem CO2 betrifft, so ist ein Faktor unumstößlich: Bäume, Böden sowie Moore sind enorm wichtige Kohlenstoffspeicher. Ihre Zerstörung befeuert sozusagen die globale Erderwärmung. In Bezug auf den Wald gilt: Ein neu gepflanzter Wald braucht Jahrzehnte, bis er eine nennenswerte Menge an CO2 aufnehmen und Kohlenstoff einlagern kann. Zudem ist die Fähigkeit der Bäume zur Kohlenstoffbindung ganz unterschiedlich. Generell können Laubbäume deutlich mehr Kohlenstoff einlagern als Nadelbäume.

Und schließlich kommt es auf den Waldtyp sowie die Region an. Ein aufgeforsteter Wald aus schnellwachsendem Eukalyptus und dazu noch in Monokultur angebaut, wäre eine ökologische Katastrophe. Denn Eukalyptusbäume entziehen dem Boden enorm viel Wasser, wodurch ganze Landstriche vertrocknen und Ökosysteme zerstört werden. Mischwälder dagegen sorgen für einen gesunden Wasserhaushalt im Boden. Zudem muss man berücksichtigen, dass in den nordischen Waldgebieten nur temperaturangepasste Nadelbäume aufgeforstet werden können. Bedingt durch die kurze Vegetationsphase im Sommer wachsen die Bäume nur sehr langsam heran. Die Kohlenstoffspeicherung ist entsprechend gering.

Schließlich spielt die nachhaltige Bewirtschaftung des Waldbodens eine wichtige Rolle. Wird ein aufgeforsteter Wald später einmal als Holzlieferant genutzt, ist es wichtig, den Boden nicht durch schwere Holzerntemaschinen zu beschädigen. Denn durch die tiefe Wunde im Boden kann eingelagerter Kohlenstoff freigesetzt werden und in die Atmosphäre gelangen - womit schließlich der Wald als wichtige CO2-Senke seine Wirkung verliert.

Christine Elsner ist Redakteurin der ZDF-Umweltredaktion.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.