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Klimarisikoversicherungen - Wie man Leid lindern kann

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26 Millionen Menschen fallen jedes Jahr in hoffnungslose Armut. Der Grund: Naturkatastrophen wie Wirbelstürme oder Überflutungen. Eine neue Initiative soll das Leid nun lindern.

Die Initiative InsuResilience soll die Ärmsten gegen Klimarisiken absichern. Einschätzungen von Raijeli Nicole (Oxfam Pacific), Aiyaz Sayed-Khaiyum (Wirtschaftsminister Fidschi), Peter Höppe (Munich Re) und Edwin Walter (Imker auf St. Lucia).

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Bei uns ist es weitgehend Normalität: Hausversicherungen sind selbstverständlich. Im Schadensfall wird der wirtschaftliche Verlust ersetzt. Ganz anders in den ärmsten Entwicklungsländern. Die Menschen dort können sich die Prämien nicht leisten. Zudem gibt es auch zu wenig maßgeschneiderte Versicherungsangebote. Heute wurde auf der Klimakonferenz dazu eine neue globale Partnerschaft vorgestellt. Eine Partnerschaft, bei der alle am Tisch sitzen: Die Versicherer, Regierungsvertreter, Nichtregierungsorganisationen und sogar die Betroffenen.

Die neue globale Partnerschaft baut auf der 2015 unter deutscher G7-Präsidentschaft in Elmau gegründeten InsuResilience-Initiative auf, die zum Ziel hat, bis 2020 zusätzliche 400 Millionen arme und besonders verletzbare Menschen gegen Klimarisiken in Entwicklungsländern zu versichern. Die weltweiten wirtschaftlichen Gesamtschäden durch Wetterereignisse belaufen sich nach Angaben der Weltbank auf rund 300 Milliarden Dollar pro Jahr.

Das Ziel: Arme Menschen besser gegen Klimawandel schützen

Heute kündigte das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit an, die Partnerschaft mit 110 Millionen Euro für den Aufbau einer gemeinsamen Aktionsplattform zu unterstützen. "Mit der Partnerschaft bringen wir Vertreter der ärmsten und verwundbarsten Länder der Welt und die wirtschaftlich starke G20 erstmalig an einen Tisch. Gemeinsam können wir arme Menschen noch besser gegen die Auswirkungen des Klimawandels schützen", kommentierte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Thomas Silberhorn, heute in Bonn den Start der Initiative.

An dem Programm sind neben einigen Nationalstaaten und der EU auch Institutionen wie die Weltbank sowie Organisationen aus der Zivilgesellschaft und Versicherungsunternehmen wie Munich Re, Swiss Re und Hannover Re beteiligt. Auch das Gastgeberland der Bonner Klimakonferenz, die Fidschi-Inseln, sind Partnerland. Wirtschaftsminister Aiyaz Sayed-Khaiyum sagte in Bonn, InsuResilience trage dazu bei, Menschen nach einer Naturkatastrophe "so schnell wie möglich in ein normales Leben zurückzubringen".

Erste positive Erfahrungen

Positive Erfahrungen gibt es mit der karibischen Klimaversicherung CCRIF. Sie wird bereits mithilfe von InsuResilience unterstützt. Zuletzt wurden im September 2017 nach den verheerenden Auswirkungen der Wirbelstürme "Irma" und "Maria" in der Karibik mehr als 55 Millionen US-Dollar an zehn Länder innerhalb von 14 Tagen ausgezahlt. Damit konnten unter anderem rasch dringend benötigte Medikamente gekauft und Notunterkünfte für die notleidende Bevölkerung gebaut werden. Die Versicherung hilft aber auch einzelnen. Ein Beispiel ist der Imker Edwin Walter aus St. Lucia. Bei einem Sturm verlor er seine gesamten Bienenstöcke und somit seine Existenz. Ein Jahr vorher hatte er einen Versicherungsvertrag abgeschlossen und konnte sich aus der Schadensregulierung ein neues Geschäft aufbauen.

In Sambia unterstützt InsuResilience die Baumwollfirma NWK Agri-Services, die Kleinbauern im Vertragsanbau direkte Wetter- und Lebensversicherungen anbietet. Im Jahr 2015 entschieden sich etwa 52.000 Bauern, die Versicherung zu kaufen. Nach einer ausgeprägten Dürreperiode im Jahr 2016 erhielten mehr als 23.000 Landwirte Auszahlungen.

Stark vergünstigte Konditionen 

Die Versicherungsnehmer bekommen die Versicherung zwar nicht zum Nulltarif, aber zu stark vergünstigten Konditionen. Der Leiter der Georisiko-Abteilung der Münchener Rückversicherung, Peter Höppe, erklärte, dass andernfalls die Risikobereitschaft steigen und eigene Vorkehrungen zu Schadensminderungen unterbleiben würden. Das Ziel müsse dennoch sein, den ärmsten Menschen die Versicherungen so günstig wie möglich anzubieten mit entsprechender Unterstützung der Industrieländer.

Auch im Lager der Nichtregierungsorganisationen wurde das Projekt überwiegend begrüßt, allerdings mit dem Hinweis, sich nicht allein auf Versicherungen zu verlassen. "Vielmehr muss die Partnerschaft einen umfassenden Ansatz zum Umgang mit Risiken verfolgen", kommentierte Jan Kowalzig von Oxfam Deutschland das Vorhaben. "Dazu gehört die Minimierung von Risiken etwa durch Maßnahmen, die die Widerstandskraft von Gesellschaften gegen künftige Wetterextreme erhöhen, aber auch die Anpassung an die klimatischen Veränderungen, Frühwarnsysteme und Notfallpläne oder Staatsfonds für den Wiederaufbau nach Katastrophen. Solch ein umfassender Ansatz darf nicht nur auf dem Papier stehen, sondern muss konkret umgesetzt werden - und zwar mit einer expliziten Ausrichtung auf die Bedürfnisse der ärmsten Menschen."

Im Zusammenhang mit den Klimaverhandlungen dürfte die Versicherungsinitiative bei den Entwicklungsländern als positives Signal gewertet werden. Sie fordern ohnehin, dass die Industrieländer mit Sofortmaßnahmen die Auswirkungen des Klimawandels mildern. Denn die Verabredungen des Pariser Klimaschutzvertrages greifen erst ab 2020.

In einem aufwändigen Zweiteiler widmet sich "planet e." den globalen Folgen des Klimawandels. Weltweit waren Filmemacher unterwegs, um die größten Herausforderungen aufzuzeigen. Im ersten Teil begleitet "planet e." einen alten Schamanen aus Grönland.

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28 min
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Im zweiten Teil der Dokumentationsreihe begleitet "planet e." einen jungen Indianer aus Colorado bei seinem Kampf für einen bewussteren Umgang mit der Erde. Denn der Klimawandel wird vor allem die junge Generation treffen.

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