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Speichern riesige Mengen CO2 - Klimaschutz braucht Moore

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Sie speichern riesige Mengen CO2: intakte Moore. Doch weltweit werden sie trockengelegt - für die Land- und Forstwirtschaft. Das verstärkt die Klimaerwärmung dramatisch.

Große Moorlandschaften werden derzeit landwirtschaftlich genutzt. Nur ein Prozent der Moore in Deutschland sind noch ein Tummelplatz für Insekten und Vögel und sind reich an Moorpflanzen. Ohne Moor-Schutz wird Deutschland sein Klimaziel verfehlen.

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Moore bedecken vier Prozent der Erdoberfläche. Ob in Nordeuropa, Südamerika, Nord- und Südostasien oder im Amazonasbecken: Die wesentlichen Bestandteile der Moore sind Wasser, Pflanzen und Torf.

Bemerkenswert ist, dass die einzigartigen Ökosysteme ein großes Leistungsvermögen besitzen. "Moore enthalten in ihren Torfen weltweit circa 450 Gigatonnen Kohlenstoff, das ist mehr als in der gesamten Wald-Biomasse der Welt. Natürliche Moore sind besonders wichtige Speicher und Senken für CO2 - wenn sie entwässert werden, werden sie allerdings zu einer wichtigen Quelle für CO2", sagt Franziska Tanneberger, Direktorin des renommierten Greifswald Moor Centrums (GMC).

Trocken statt nass

Die heimischen Moore in Bayern, Baden-Württemberg, Brandenburg, Hessen, Thüringen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen umfassen laut GMC insgesamt eine Fläche von bis zu 1,8 Millionen Hektar. Davon sind allerdings mehr als 90 Prozent entwässert. Grund: Die Schaffung von Flächen für die Intensivlandwirtschaft sowie für Wirtschaftswälder. Zudem ist der Torf ein wichtiger Rohstoff für den Garten- und Landschaftsbau.

Inofgrafik: Moore in Deutschland

Durch die Entwässerung verschwindet quasi der Deckel des CO2-Speichers. Aus den freigelegten Torfen entweicht das schädliche Klimagas in die Atmosphäre. Allein die entwässerten Moore hierzulande tragen zu sechs Prozent der deutschen CO2-Emissionen bei.  

Auch in Südostasien - insbesondere in Indonesien - findet seit Jahren eine tiefgreifende Entwässerung der tropischen Waldmoore statt. Die gewonnenen Flächen werden für den Anbau von Reis und Ölpalmen genutzt. Jährlicher CO2-Ausstoß: fast 700 Millionen Tonnen. Hinzu kommt, dass spätestens fünf Jahre nach der Entwässerung tropischer Moore gewaltige Moorbrände entstehen, die ebenfalls hochgradig klimaschädlich sind.

Infografik: Größte Moore der Welt
Quelle: ZDF

Weltweit werden gegenwärtig jährlich drei Milliarden Tonnen CO2 aus entwässerten Mooren in die Atmosphäre abgegeben.

Wiedervernässung ist Klimaschutz  

Die Bundesregierung hat inzwischen erkannt, dass Moorschutzmaßnahmen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Ohne Verringerung der Emissionen aus der Moorentwässerung können die gesteckten Reduktionsziele bis 2030 und 2050 nicht erreicht werden.

So wird derzeit eine Strategie zum Erhalt von Moorböden erarbeitet. "Als wissenschaftliche Behörde unterstützt das Bundesamt für Naturschutz derzeit die Bundesregierung, konkret das Bundesumweltministerium, bei der Erarbeitung einer bundesweiten Moorschutzstrategie, die auch im aktuellen Koalitionsvertrag festgeschrieben ist", sagt Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN).

Moorwissenschaftler sehen in der Anhebung der Wasserstände auf Moorböden eine schnelle und effektive Möglichkeit, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren. "Das Bundesamt für Naturschutz fördert seinerseits mit Mitteln des Bundesumweltministeriums derzeit eine Reihe von Projekten, die sich mit den Themen Moore und Klima befassen, beispielsweise die Allgäuer Moorallianz, so Beate Jessel vom BfN.

Infografik: Weltweit werden Moore trockengelegt

Die anfallenden Kosten einer Wiedervernässung variieren je nach Moor. In Nordostdeutschland liegen sie laut Berechnungen des Greifswalder Moor Centrums bei etwa 10.000 Euro pro Hektar. Und ihre Berechnungen gehen noch weiter: Durch die Wiedervernässung aller deutschen Moore könnte im Bereich Landwirtschaft eine CO2-Minderung von 30 Prozent erzielt werden. Gleichzeitig wäre ein renaturiertes Moor weiterhin für die Landwirtschaft nutzbar - etwa für die Wasserbüffelhaltung zur Lebensmittelerzeugung. Der Anbau von Schilf- und Rohrkolben liefert Baumaterialien.

Privater Moorschutz

Für den Moorschutz und damit für den Klimaschutz  kann auch der Verbraucher aktiv werden. Etwa durch die entsprechende Entscheidung beim Einkaufen von Blumenerde im Baumarkt. Herkömmliche Garten- und Blumenerde besteht bis zu 90 Prozent aus Torf.  

Es gibt aber inzwischen Alternativen zu torfhaltigen Substraten. Zu erkennen sind sie an der Aufschrift "ohne Torf" oder "torffrei". Dabei handelt es sich um eine Mischung aus Rindenhumus, Holz-, Kokos-, Chinaschilf- oder Hanffasern sowie Zusätzen wie Sand, Lavagranulat oder Tonmineralen.

Zudem gibt es in den Moorgebieten Renaturierungsmaßnahmen: Freiwillige Helfer sind jederzeit herzlich willkommen.

Christine Elsner ist Redakteurin in der ZDF-Umweltredaktion.

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