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Mindestabstände zu Wohngebieten - Riesen-Windräder mit Imageproblemen

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Um die Energiewende zu schaffen, muss auch die Windkraft massiv ausgebaut werden. Gesetzliche Mindestabstände - etwa zu Wohnhäusern - könnten dabei zur Bremse werden.

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Das erklärte Ziel der Bundesregierung lässt eigentlich keinen Zweifel zu: Bis 2030 soll der Anteil der erneuerbaren Energien von derzeit rund 35 auf 65 Prozent steigen. Ohne den massiven Ausbau von Solarenergie - und vor allem Windkraftanlagen kann das nicht funktionieren. Immerhin: Im letzten Jahr lieferten die an Land stehenden Windräder laut Umweltbundesamt schon den zweitgrößten Beitrag ins deutsche Stromnetz - nach der Braunkohle.

Der Ausbau stockt

Das Problem: Der weitere Ausbau von Windanlagen stockt gerade gewaltig. 2018 wurden nur gut 740 Windräder mit einer Leistung von insgesamt 2,4 Gigawatt gebaut - etwa die Hälfte weniger als im Jahr davor. Für 2019 rechnet die Branche mit nicht einmal zwei Gigawatt Zubau. "Wir liegen beim Windenergieausbau um Größenordnungen unter dem, was wir für den Klimaschutz brauchen", erklärt Prof. Volker Quaschning von der Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft. Nach seinen Studien müssten es jährlich 6,5 bis sieben Gigawatt Windstrom mehr sein. "Das heißt, wir müssen den Windenergiezubau in Deutschland verdreifachen."

Quaschning ist einer der Teilnehmer der Fachkonferenz "Zukunft Windenergie - Klimaziele 2030" in Berlin. Bis heute diskutieren dabei Wissenschaftler, Politiker, Branchenvertreter und Naturschützer über die Probleme des Ausbaus. Die wichtigste Erkenntnis: Es ist ganz und gar nicht einfach. Denn der Notwendigkeit, mehr für den Klimaschutz zu tun, stehen immer häufiger strengere Auflagen und die fehlende Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber.

Oft steht der Naturschutz im Weg

"Die Genehmigungsverfahren sind so exorbitant aufwändig und lange, dass vielen Projektierern die Luft ausgeht", sagt Quaschning. Das erst seit letztem Jahr gültige Ausschreibungsverfahren sorge außerdem dafür, dass Bieter in kostenintensive Vorleistung gehen müssen, ohne zu wissen, ob das Projekt überhaupt genehmigt und realisiert werden kann. Oft steht der Naturschutz im Weg. Oder der wachsende Widerstand der Anwohner.   

Vor allem beim Abstand zur Wohnbebauung liegen die Nerven blank. Kaum ein Projekt kommt noch ohne Klagen und Gerichtsverfahren aus. Die Akzeptanz für immer höhere und damit leistungsfähigere Windräder schwindet. Und das wissen auch die Politiker. In Bayern dürfen Anlagen nur noch in einem Abstand von mindestens dem Zehnfachen ihrer Höhe gebaut werden. Mit der Folge, dass im Freistaat der Ausbau praktisch zum Erliegen gekommen ist.

"Nicht mehr zumutbar"

Windkraftanlagen der nächsten Generation würden bis zu 250 Meter hoch, warnte kürzlich der CDU-Energieexperte Jens Koeppen. "Nun stelle man sich vor, Gemeinden werden von solchen Anlagen umzingelt - da sind 800 oder 1.000 Meter Abstand zu den Wohngebäuden einfach zu wenig. Das ist nicht mehr zumutbar." Nordrhein-Westfalen fordert nun, das Baugesetzbuch so zu ändern, dass die Bundesländer Mindestabstände einführen können.

Das Umweltbundesamt allerdings stellt in einer neuen Studie fest: Pauschale Mindestabstände zu Siedlungen würden den Ausbau massiv ausbremsen. Bereits bei 1.000 Metern würden die Ausbaumöglichkeiten um 20 bis 50 Prozent schrumpfen. Ein Abstand von 1.300 Metern würde sie mindestens halbieren. Bei 2.000 Metern sei fast gar nichts mehr möglich. Das zeige das Beispiel Bayern, wo 200-Meter-Räder diesen Abstand einhalten müssen.

Dialog mit Bürgern

Das Fazit des Amtes: Statt pauschaler Regelungen müssten jeweils die Gegebenheiten vor Ort berücksichtig werden. "In jedem Fall ist es wichtig, dass wir mit den Bürgern einen Dialog führen", sagt auch die Umweltstaatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter auf der Konferenz in Berlin. "Aber es kann nicht sein, dass wir neue Barrieren aufbauen. Wir brauchen die erneuerbaren Energien. Wir brauchen die Windenergie, um tatsächlich auch die Klimaschutzziele zu erreichen."

Auch für Prof. Quaschning gibt es in dem Punkt keine Alternative. Aber was ist, wenn die Akzeptanz für den Windenergieausbau in Politik und Bevölkerung nicht ausreicht? "Dann müssen wir Deiche bauen", sagt er. Und die ältere Generation müsse ehrlich zugeben: "Wir wollen es nicht. Es ist mir egal, was mit der jungen Generation passiert."  

Video: Prof. Volker Quaschning im Interview

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