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Friday for Future am Samstag - Singapur demonstriert fürs Klima - schön geordnet

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Der Klimawandel ist in Asien noch viel stärker zu spüren als in Europa. Dennoch gab es bisher wenige Fridays-for-Future-Demos. In Singapur ist das an diesem Samstag anders.

Junge Frauen auf der Klimademo in Singapur
Junge Frauen auf der Klimademo in Singapur
Quelle: Sophie Weimann

Von dröhnender Musik, wütenden Rufen oder gar Verkehrsstörungen ist an diesem Samstag in Singapur nichts zu sehen - stattdessen: ausführliche Ausweiskontrollen, familienfreundliche Spiele und ein Meer aus roten T-Shirts. Rachel ist trotzdem schon ganz aufgeregt, als sie sich auf den Weg zu ihrer allerersten Demo macht: "Ich bin ehrlich gesagt ziemlich nervös, es geht schließlich um unsere Zukunft." Neben der Geographie-Studentin steht ihr Freund Jen En, auch er natürlich in rotem T-Shirt. Nicht nur für Rachel und Jen En ist es eine Premiere. Die Demo für den Klimawandel an sich ist ein Novum in der Stadt, die für ihre strikten Regeln und drakonischen Strafen bekannt ist.

Premier macht Klimawandel zur Chefsache

Doch sie haben einen prominenten Mitstreiter an ihrer Seite. Singapurs Premierminister Lee Hsien Loong trug dick auf, als er sich vor wenigen Wochen während seiner Rede zum Nationalfeiertag mit den Worten "Es geht um Leben oder Tod" des Themas Klimawandel annahm - und dieses somit plötzlich zur Chefsache im Stadtstaat machte. "Viele von uns waren positiv überrascht, dass der Premierminister dem Klimawandel so viel Aufmerksamkeit geschenkt hat. Es ist wirklich ermutigend, dass die Regierung die Dringlichkeit des Klimaschutzes anerkennt", so Annika, eine der jungen Demo-Organisatoren.

Als Küstenstadt ist Singapur besonders für die Folgen des ansteigenden Meeresspiegels anfällig. Doch die in Europa mittlerweile weit verbreiteten Umwelt-Demos waren in Asiens Millionenstädten bisher nur vereinzelt zu sehen, so zum Beispiel im März in Kuala Lumpur, als sich rund zwei Dutzend Schüler und Studenten an einem Abwasserkanal unterhalb einer Autobahn den globalen Klimastreiks anschlossen.

Demos von Behörden auf Samstag gelegt

Singapurs allererste Umwelt-Kundgebung beginnt pünktlich an diesem - Samstag. Wenn schon Demo, dann aber bitteschön am Wochenende, mag die Stadtverwaltung gedacht haben. Offiziell, so heißt es, sollte dadurch die Teilnehmerzahl erhöht werden. Doch viele Einheimische glauben vielmehr, dass so der geregelte Ablauf und damit die Wirtschaftlichkeit der Millionenmetropole nicht beeinträchtigt wird. Diese Einstellung gegenüber möglichen negativen Auswirkungen ist auch ein Grund, warum sich Umweltaktivisten noch im März ausdrücklich gegen eine Teilnahme an den globalen Klimastreiks entschieden und ihre Proteste lediglich auf die sozialen Medien beschränkten.

Initiativen wie die "Straw-Free Singapore"-Bewegung (zu deutsch: "ohne Strohhalme") beweisen, dass sich manche der knapp sechs Millionen Einwohner durchaus für den Klimaschutz einsetzen. Auch Schüler der Deutschen Europäischen Schule Singapurs beteiligen sich an dieser konfliktfreien Form des Aktivismus. Anstatt wie viele europäische Gleichaltrige während der Schulzeit auf die Straße zu gehen, unterstützten sie Singapurs Online-Klimastreik aus dem Klassenzimmer und bastelten Plakate.

Nur Einheimische dürfen mitmachen

Rachel
Demonstrantin Rachel
Quelle: Sophie Weimann

Die Demo im Hong Lim Park dauert über drei Stunden. Jen En und Rachel haben Glück. Sie sind Einheimische und dürfen daher dabei sein. Alle anderen müssen draußen bleiben, denn internationalen Studenten, ausländischen Touristen oder Expats, die in Singapur leben, ist die Teilnahme untersagt. Die 15 jungen Organisatoren der Veranstaltung freuen sich dennoch über mehr als 1.000 Teilnehmer. "Ob Freitag oder Samstag ist mir eigentlich auch egal. Es ist einfach schön, dass heute so viele von uns hier sind", findet auch Rachel.

Es ist alles ein bisschen ruhiger und geordneter als bei anderen Klimademos - ein bisschen mehr Singapur eben. Doch für den Stadtstaat geht ein denkwürdiger Tag zu Ende - auch wenn die nächste Demo fürs Klima erst wieder bei der Behörde angemeldet werden muss und es nicht sicher ist, dass sie genehmigt wird. Aber der Premierminister ist ja auf ihrer Seite …

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