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Klimawandel - Mont-Blanc-Gletscher schmelzen immer schneller

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Forscher und Bergführer sind besorgt: Die Gletscher auf dem Mont Blanc, dem höchsten Berg Europas, schmelzen bedrohlich schnell.

Sie sehen aus wie bunte Besenstiele, aber für die Gletscherforscher am Mont Blanc sind sie ein wichtiges Hilfsmittel. Vor einem Jahr haben sie zehn Meter tiefe Löcher ins Eis gebohrt und fünf aneinanderhängende Holzstangen darin versenkt.

Als sie in diesem Jahr wiederkamen, lagen drei der Stangen bereits an der Oberfläche. "Das bedeutet, dass dieser Gletscher innerhalb eines Jahres sechs Meter dünner geworden ist", sagt Christian Vincent, Gletscherforscher an der Universität Grenoble, im ZDF-Interview. "Vor 30 Jahren waren es nur etwa 4,50 Meter im Jahr."

Die Alpengletscher sind gute Klima-Indikatoren

Die Gletscher in den Alpen sind besonders gute Indikatoren für den Klimawandel, weil sie schon seit Jahrzehnten intensiv erforscht werden – und das nicht nur mit schlichten Holzstangen. Vor 40 Jahren ging es noch darum herauszufinden, wie sich Gletscher entwickeln und verschieben.

Nach und nach drangen die Auswirkungen der globalen Erwärmung in den Mittelpunkt der Forschungen. "Wir sehen die Folgen des Klimawandels hier besonders deutlich: Wir beobachten, dass die Gletscherschmelze sehr stark zugenommen hat", sagt Vincent.  

Gletscher am Mont Blanc
Die Eismassen der Gletscher am Mont Blanc scheinen sich ins Tal zu wälzen.
Quelle: ZDF/Ulrike Koltermann

Zwischen zerklüfteten Steilwänden des Mont-Blanc-Massivs scheinen sich die Eismassen talwärts zu wälzen. Schotter und riesige Felsbrocken bedecken Teile der Eisschicht. Hier und da haben sich Wasserlöcher gebildet, in denen es türkisfarben schimmert. Überall tropft und gluckert es. Eine beeindruckende Landschaft, Zeugnis gewaltiger Naturkräfte.

"Wir sind jedes Mal schockiert"

Mit seinem Team von der Universität Grenoble verbringt Vincent alljährlich im September eine Woche auf dem Gletscher Argentière am Mont Blanc. "Wir sind jedes Mal schockiert, wenn wir ein Jahr später wieder herkommen, wie sehr der Gletscher geschrumpft ist", sagt er.

Wissenschaftler im Mont Blanc-Massiv
Wissenschaftler am Gletscher Argentière im Mont Blanc-Massiv.
Quelle: ZDF/Ulrike Koltermann

Es ist nichts Ungewöhnliches, dass ein Gletscher am unteren Rand schmilzt. Der Schneefall in den höheren Lagen gleicht das normalerweise aus. Beunruhigend ist allerdings, dass die Gletscher immer schneller schmelzen. "Dieser Gletscher ist im Zentrum 400 Meter dick. Aber wir haben ausgerechnet: Er könnte noch vor Ende des Jahrhunderts ganz verschwunden sein", sagt Vincent.

Die Gletscherschmelze hat gravierende Folgen für die Umwelt. Die Artenvielfalt schwindet, in den Tälern wird irgendwann das Trinkwasser knapp. Schon jetzt wirkt sich der Klimawandel auf den Tourismus am Mont Blanc aus. Etwa 26.000 Menschen versuchen sich jährlich an Europas höchstem Gipfel. Die Route gilt als eine der tödlichsten, im Schnitt gibt es 80 Rettungseinsätze im Jahr. Der Klimawandel macht sie nun noch gefährlicher.

Angst vor Felsstürzen

Antoine Rattin bewirtschaftet Frankreichs höchstgelegene Hütte, Refuge du Goûter, unterhalb des 4.810 Meter hohen Gipfels. "In diesem Jahr hatten wir mehrere Tage hintereinander positive Temperaturen dort oben. Das habe ich noch nie erlebt, das macht uns Angst", sagt er. Bislang hält der Permafrost die Granitfelsen wie Ziment zusammen. "Wenn es jetzt immer mehr taut, dann kommt es auch häufiger zu massiven Felsstürzen", erklärt er.

Gletscherlandschaft am Mont Blanc
Gletscherlandschaft am Mont Blanc
Quelle: ZDF/Ulrike Koltermann

Der Bergführer Olivier Begain, der schon mehr als hundert Mal auf dem Mont Blanc war, muss seine Arbeitsweise anpassen. "Viele Routen sind heute nicht mehr begehbar, weil sie zu riskant sind", sagt er. Im Couloir du Goûter, der gefährlichsten Stelle auf dem Weg zum Gipfel, komme es häufiger zu Steinschlägen, weil sich bei den warmen Temperaturen Gesteinsbrocken lösen. "Auch die Saison wird sich ändern", fügt er hinzu. Künftig könne man früher im Jahr auf den Gipfel, müsse aber während heißer Tage auf den Aufstieg verzichten.

Am Mittwoch veröffentlicht der Weltklimarat einen neuen Bericht, an dem Christian Vincent von der Universität Grenoble mitgearbeitet hat. Seine Botschaft wird schlicht sein: Die Gletscher schmelzen. Sehr schnell.

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