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Bildband über den Klimawandel - Handeln im Angesicht des Schreckens

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Erwärmung des Klimas, Verschmutzung der Weltmeere: Viele bedrückt's, aber viele fühlen sich unfähig zu handeln. Mit seinem Fotoband zeigt York Hovest Menschen, die etwas bewegen.

Ein Thunfisch steckt mit seinem Kopf in den Maschen des riesigen Netzes fest
Gegen den Menschen hat er keine Chance: Ein Thunfisch steckt mit seinem Kopf in den Maschen eines riesigen Netzes fest.
Quelle: York Hovest

York Hovest ist ein investigativer Fotograf, der sich mit seiner Arbeit für den Schutz bedrohter Kulturen und der Umwelt einsetzt. Für sein aktuelles Projekt "Die Helden der Meere" hat Hovest zweieinhalb Jahre Menschen fotografisch begleitet, die sich für die Rettung der Weltmeere einsetzen. In seinem Bildband stellt er verschiedene Protagonisten und deren Projekte zum Erhalt der Ozeane vor.

heute.de: Sie haben ein neues Buch veröffentlicht: "Helden der Meere". Was muss man sich darunter vorstellen?

York Hovest: Das Buch "Helden der Meere" beinhaltet die aktuellen Probleme, die wir alle von unseren Meeren kennen, und stellt die passenden Lösungen dazu vor. Das heißt, wir wissen, dass es den Klimawandel gibt, wir wissen, dass die Ozeane übersäuern, dass die Korallen sterben, dass illegale Fischerei läuft. Aber all diese Probleme brauchen eine Lösung - und genau dafür habe ich dieses Projekt vor zweieinhalb Jahren ins Leben gerufen.

heute.de: Wie ist dieses Projekt entstanden?

Hovest: Es ist vielleicht derselbe Grund, den auch viele andere verspüren: Diese Hilflosigkeit, nicht zu wissen, was wir tun können. Je weiter weg man vom Meer wohnt, umso größer wird dieses Gefühl der Ohnmacht. Wenn ich mir hier vorstelle, dass auch für mich der Ozean ein ganz wichtiger Teilbereich meiner Gefühle darstellt - weil ich sage, das ist mein Sehnsuchtsort, das ist der Ort, an dem ich Urlaub mache, das ist das Element, aus dem ich komme - und jetzt wird das Ganze zerstört und ich sitze in einer Stadt, die weit weg vom Meer ist, und kann nichts dagegen tun. Das hat mich dermaßen gestört, dass ich damit quasi mein drittes Projekt einleiten wollte. Ich will mich jetzt um die Ozeane kümmern. Und damit war klar, ich orientiere mich an den Helden da draußen, die auf dem Meer sind und etwas tun.

heute.de: Sie haben Wissenschaftler, Aktivisten und Visionäre begleitet.

Hovest: Ja, wir stellen nur ungefähr sechs im Buch vor. Aber es gibt natürlich Hunderte von Helden.

heute.de: Wie sind Sie auf Ihre Protagonisten gekommen?

Hovest: Die habe ich über die Jahre recherchiert und geschaut, dass es wirklich nachvollziehbare Helden sind, mit denen jeder etwas anfangen kann. Ich wollte ihre Arbeit auch selbst erleben, um mich davon zu überzeugen, ob das, was die da machen, funktioniert.

heute.de: Von einem Fotografen erwartet man einen Bildband. Sie erzählen auch Geschichten.

Hovest: Ich verstehe mich als Fotograf und vielleicht auch als investigativer Journalist, der in einer Zwischenform versucht, durch Geschichten die Ästhetik des Bildes zu vermitteln. Das heißt, ich habe auch die Möglichkeit den Schrecken zu porträtieren, der aber auf den ersten Blick - wenn man sich vielleicht den Text nicht durchlesen mag oder nicht genug Zeit hat - sich noch immer als ansprechendes Foto präsentiert. Das ist Kunst und Arbeit des Fotografen, und so sehe ich meine Arbeit.

Das Wichtige hinter dem Foto ist immer die Geschichte. Wir finden hier einen Bildband mit eindrucksstarken Fotos, die nicht nur den Schrecken, sondern an erster Stelle auch die Faszination zeigen, bei der wir Gefahr laufen, sie zu verlieren.

heute.de: Sie haben zweieinhalb Jahre für das Buch gearbeitet, wie sind Sie vorgegangen?

Hovest: Das Projekt kostet eine ganze Stange Geld und erfordert extrem viel Zeit. Und die hat man in beiden Fällen nicht. Man muss schon ganz penibel planen und logistisch einiges auf die Beine stellen. Wir haben ja auch noch einen gleichnamigen Dokumentarfilm produziert. Ich bin also nie alleine gereist, sondern hatte Kamerateams, Taucher und Assistenten dabei. Das alles zu koordinieren in Form einer Ein-Mann-Show, die ich ja bin, erfordert extrem viel Büroarbeit vor dem Computer.

Zwischen Recherche und Planung, Reiselogistik und Equipment, Absicherung und Wetter kamen ganz viele Einzelexpeditionen zustande, die sehr kurz bemessen waren in Form von drei bis vier Wochen. Und somit bin ich quasi um die ganze Erde gereist und habe die einzelnen Hotspots besucht, an denen ich die Helden gefunden habe.

heute.de: Wie sind Sie auf diese Hotspots gekommen?

Hovest: Die waren hauptsächlich mit den Helden verknüpft. Ein Thema ist die Arbeit der Schutzorganisation "Sea Shepherd", und das wurde natürlich in Kooperation und Abhängigkeit einer Aktion geplant. Ich habe mich danach gerichtet, wo sie ihre nächste Aktion starten. So sind wir in Westafrika gelandet.

Danach kamen die Biologen und Wissenschaftler, die in Ostafrika, Tansania, Feldforschung betrieben haben und ich bin dort hingereist. Dann habe ich meinen nächsten Helden, der aus England stammt, in Thailand gefunden. Im Anschluss ging es weiter nach Norwegen.

heute.de: Was war denn das Spektakulärste, was Sie erlebt haben?

Hovest: Das Spektakulärste war mit Sicherheit nicht der Schrecken. Mit dem Wort verbindet man eher etwas Positives, glaube ich. Aber das Spektakulärste für mich persönlich war, dass ich die seltene Chance bekam, mit den großen Säugetieren unter Wasser zu verweilen und sie zu filmen. Zum Beispiel Pottwale, Orcas, Weiße Haie. All das durfte ich erleben. Und das ist auch ein ganz wichtiger Teil in diesem Projekt, dass wir diese Schönheit und Faszination in spektakulären Aufnahmen zeigen konnten.

Das Interview führte Florence-Anne Kälble.

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