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Sommer in der Stadt - Kampf gegen Hitzeinseln und Starkregen

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Nachverdichtung in den Städten - das schafft Wohnraum, erhöht aber auch die Gefahr von Hitzeinseln und Überflutungen. Ein Dilemma, das lösbar ist, sagt eine Studie.

Der Jungfernstieg in Hamburg
Der Jungfernstieg in Hamburg
Quelle: picture alliance/Bildagentur-online

Unter dem Stichwort "Nachverdichtung" spuckt die Online-Suchmaschine wenig Positives aus: nörgelnde Anwohner, klagende Bürgerinitiativen, warnende Umweltschützer. Der Tenor ist klar: Was bebaut ist, kann nicht mehr grün werden. Und das hat nicht nur für das Auge und das Wohlbefinden Folgen: Es gibt weniger Windschneisen, über gepflasterten oder zubetonierten Böden hat die Hitze leichtes Spiel.

"Städte, vor allem Innenstädte, sind Wärmeinseln, so dass jede weitere Flächenversieglung, vor allem in heute bereits stark verdichteten Quartieren zur weiteren Erwärmung beiträgt", warnt Ulrich Kriese vom Naturschutzbund Deutschland (NABU). Und auch Wasser kann schlechter versickern, was die Gefahr von Überflutungen steigen lässt. Beides wird zunehmend zum Problem. Denn durch den Klimawandel steigen die Temperaturen und Wetterereignisse mit Starkregen kommen häufiger vor.

Bezahlbare Wohnungen

Auf der anderen Seite der Medaille steht der Bedarf an bezahlbaren Wohnungen in den Städten. Wo sollen die gebaut werden, wenn der Platz knapp wird und der Boden teuer ist? Planer und Architekten überbieten sich gegenseitig darin, auch das letzte Fleckchen sinnvoll auszunutzen. Nachverdichtung sei besser, als weitere Grünflächen plattzumachen, so wird argumentiert. Wenn aber Stadträte Flächennutzungs- und Bebauungspläne aufstellen, komme es immer wieder zu Fehlern, sagt NABU-Experte Kriese. Frischluftschneisen oder Grünkorridore würden zum Beispiel einfach überbaut. "Die warnenden Stimmen des Naturschutzes und insbesondere von Landschafts- und Umweltplanern werden noch zu oft überhört oder übergangen."

Auch eine Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) kommt 2014 zu dem Schluss, dass es für Nachverdichtungs-Projekte bis dahin so gut wie nie eine "konzeptionelle Grundlage zur Klimaanpassung" gegeben habe. Dabei sei beides eigentlich kein Widerspruch, sondern biete sogar "Synergiepotenziale". Voraussetzung sei aber, dass die Nachverdichtung "gezielt und gesteuert eingesetzt wird." Beispiel: Wo es besonders dicht ist, sollte nur aufgestockt werden, Dächer und Fassaden könnten begrünt, Gebäude heller gestaltet werden. Dazu könnten Grünflächen geschaffen werden mit Versickerungsmöglichkeiten und den passenden Pflanzen. Etwa auf Brachflächen, die vorher versiegelt waren.

Lotsen und Tools

Mittlerweile gibt es dazu für die Verantwortlichen in Städten und Gemeinden ein Sammelsurium an schlauen Informationsportalen. Der "Klimalotse" des Umweltbundesamtes etwa gibt Empfehlungen zu gezielten Anpassungsmaßnahmen. Mit dem Onlinetool INKAS des Deutschen Wetterdienstes können die Kommunen sogar ausrechnen, welchen Nutzen eine Idee im Kampf gegen eine bestimmte Hitzeinsel bringen könnte.  

Regensburg ist eine der Städte, in denen sich die Stadtverwaltung bereits sehr viele Gedanken über die Folgen des Klimawandels macht. Und das wundert nicht, denn der historische Kern, der gerne auch "steinerne Stadt" genannt wird, ist schon seit Jahrhunderten dicht und eng bebaut und damit schon mal sechs Grad heißer als der Rest Regensburgs. Daneben kämpft die Stadt immer wieder mit Hochwasser. Am Thema komme Regensburg deshalb nicht vorbei, sagt Rudolf Gruber, Leiter des Umweltamtes.

Konflikte mit Denkmalschutz

Blau und Grün seien dabei die Stichworte. Brunnen werden angelegt, Bäume gepflanzt, Dächer und Fassaden begrünt – wo es eben geht. "Da gibt es natürlich immer mal wieder Konflikte mit dem Denkmalschutz", weiß Gruber. "So etwas müssen wir austarieren." Schließlich könne man ja nicht einfach Gras auf dem Domdach wachsen lassen.

Konflikte gibt es natürlich auch, wenn in der boomenden Stadt nachverdichtet wird, um Wohnraum zu schaffen. Damit sich auch diese Planungen mit den Folgen des Klimawandels möglichst vertragen, hat die Stadt jetzt eine "Klimaresilienz-Managerin" eingestellt. Sie soll alle Bauvorhaben mit dem Klimaschutz in Einklang bringen. "Wir werden das Thema verstärkt angehen", verspricht der Amtschef.

"Sehr viel angenehmer"

Ulrich Kriese vom NABU plädiert nebenbei dafür, nicht nur an den Symptomen zu arbeiten, sondern auch an den Ursachen. "Das Leben in den Städten wäre sehr viel angenehmer, wenn der städtische motorisierte Individualverkehr um 80 Prozent reduziert würde", schlägt er vor. Dann wäre auch wieder viel mehr Platz für Grünflächen.

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