Sie sind hier:

Klimawandel - Meereserwärmung lässt Kelpwälder schwinden

Datum:

Kelpwälder - massive Ansammlungen von hohem Seetang - sind nicht nur ein überwältigender Anblick für Taucher. Sie zählen auch zu den vielfältigsten Meeresökosystemen und haben für viele Küstenregionen eine große wirtschaftliche Bedeutung - doch der Bestand schrumpft alarmierend.

Der globale Klimawandel ist in vollem Gange: Mehr Hitze und Trockenheit im Sommer - mehr Starkregen und Hochwasser im Winter. Im Jahr 2100 soll etwa das Klima in Frankfurt am Main dem jetzigen in Barcelona gleichen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:


Damit hatte Jennifer Dijkstra nicht gerechnet. Als die Meeresbiologin vor ein paar Jahren im Golf von Maine tauchen ging, erwartete sie einen Ausflug durch einen wogenden Kelpwald - eine massive Ansammlungen von Dutzenden Metern hohen Seetang-Strängen, die mit ihren dichten blattähnlichen Wedeln Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Fischarten und andere Kreaturen bieten. Aber Dijkstra sah nur einen gefleckten Meeresboden: Ein großer Teil des Zuckertanges war verschwunden, ersetzt durch invasiven strauchartigen Seetang, der wie ein riesiger Zottelteppich aussah.

Kelpwälder verschwinden weltweit

"Ich erinnere mich daran, wie ehrlich schockiert ich darüber war, nur so wenige Kelp-Stränge zu sehen", schildert die Biologin der University of Maine. Und sie steht nicht alleine da. Der Golf von Maine, der sich von Cape Cod im US-Staat Massachusetts bis zum kanadischen Neuschottland erstreckt, ist nur ein jüngstes Beispiel für den alarmierenden Verlust von Kelp in vielen Teilen der Welt - sei es im Mittelmeer, vor der südlichen Küste Japans und Australiens oder im Pazifik vor Kalifornien.

Kelpwälder, die zu den vielfältigsten Meeresökosystemen zählen, gibt es vor allen kontinentalen Küsten außer der Antarktis. Sie sind nicht nur Ausgangspunkt ganzer Nahrungsketten, sondern haben auch große wirtschaftliche Bedeutung für die Küstenregionen. Sie bescheren der Tourismus- und Fischereiindustrie Milliarden an Einnahmen und sind wegen ihres Reichtums an Mineralstoffen und Spurenelement auch in der Naturheilkunde beliebt.

Wichtiger Faktor der Tourismus-Industrie

Schuld an den zunehmenden Kelpverlusten ist laut mehreren wissenschaftlichen Studien wahrscheinlich die Meereserwärmung, die durch den Klimawandel erzeugt wird. Das gepaart mit der Ankunft invasiver ("eindringender") Spezies: In Maine sind die "Eindringlinge" - oder auch "Invasoren" - andere Seetangarten, in Australien, dem Mittelmeer und Japan tropische Fische, die das Kelp fressen. "Die Veränderungen zusammen sind Teil eines wachsenden globalen Trends, der die Kelpwälder auf der Welt vernichtet", sagt Thomas Wernberg von der University of Western Australia. Er ist Mitverfasser einer 2016 veröffentlichten Studie, nach der in den vergangenen 50 Jahren 38 Prozent der Kelpwälder in den Regionen, in denen Daten zur Verfügung standen, verschwunden sind.

Vor der Südküste Australiens bedroht der Verlust an Tangwäldern eine umgerechnet 8,5 Milliarden Euro schwere Tourismus- und Fischereiindustrie. Im Mittelmeer hat das Absterben zu einer Verringerung der Artenvielfalt um 60 Prozent beigetragen, und in Japan wurde es vielfach für den Zusammenbruch der Abalone-Fischerei verantwortlich gemacht.

Schuld ist die Meereserwärmung

Kelp ist zwar generell äußerst widerstandsfähig, kann sich auch von Stürmen und Hitzewellen erholen. Aber in Maine etwa hat eine Explosion an gefräßigen Seeigeln in den 1980ern den Bestand stark dezimiert. Das, was übrig geblieben oder nachgewachsen ist, muss jetzt in Gewässern überleben, die sich stärker erwärmen als die meisten Ozeane der Welt - was sehr wahrscheinlich das Kelp zwingt, gen Norden oder in tieferes Wasser zu wandern. "Was die Zukunft hält, ist komplizierter", sagt Jarrett Byrnes von der University of Massachusetts in Boston. "Wenn sich der Golf von Maine genügend erwärmt, dann wird das Kelp es schwer haben zu überdauern."

Meeresbiologin Dijkstra und Larry Harris, ein Kollege, haben die dramatischen Veränderungen vor Maine nicht nur bei ihren Tauchgängen um Appeldore Island mit eigenen Augen gesehen. Sie haben außerdem Unterwasserfotos und andere Unterlagen, die teils 30 Jahre zurückreichen, untersucht und die Ergebnisse in einer im April im "Journal of Ecology" veröffentlichten Studie vorgestellt.

Demnach fanden sie heraus, dass zugewanderte Seetang-Spezies - manche davon aus Asien - im Golf von Maine um bis zu 90 Prozent zugenommen haben und dort zwischen 50 und 90 Prozent des Meeresbodens bedecken. Es gibt weitaus weniger aalartige Seewölfe und Seelachs, die sich einst in Kelpwäldern nur so tummelten.

Fische und Krabben arrangieren sich mit der Veränderung

Aber entdeckt wurde auch, dass die verschiedenen kleineren invasiven Seetangarten, die das Kelp ersetzen, bis zu drei Mal mehr kleine Krabben, Schnecken und andere wirbellose Lebewesen beherbergen. "Wir sind bisher nicht wirklich sicher, wie sich diese neue Meereslandschaft auf höhere Spezies im Nahrungsnetz auswirkt, besonders auf kommerziell wichtige wie Fische, Krebse und Hummer", sagt Dijkstra nach einem Tauchgang, bei dem sie Beutel mit invasivem Seetang gesammelt hat, um danach die kleinen wirbellosen Kreaturen genau zu zählen. Sie glaube aber, dass die Fische diese Meereslandschaften anders nutzten als die früheren mit Kelp-Wäldern.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.