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Gefahr durch Hochwasser - Talsperren - die unterschätzte Gefahr

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Talsperren und Staudämme gelten als sichere Jahrhundertbauwerke. Doch der Klimawandel macht sich auch bei ihnen bemerkbar. Sie könnten instabil werden. Besonders die im Hochgebirge. Einziger Ausweg: sorgsame Wartung und Kontrolle.

Sie dienen der Trinkwasserversorgung, leisten einen Anteil an der Stromproduktion, werden als Hochwasserrückhaltebecken oder zur Niedrigwasseraufhöhung von Flüssen gebraucht und sind nicht zuletzt beliebte Naherholungsgebiete: Talsperren und Stauseen. Ihre Staumauern gelten als Jahrhundertbauwerke höchster Ingenieurskunst. Doch mit dem Klimawandel und den dadurch zunehmenden Überschwemmungen drohen Gefahren für deren Standfestigkeit. So sicher, wie man glaubte, sind sie nicht.

Jede siebte Talsperre mehr als 100 Jahre alt

Wie unmittelbar die Gefahr werden kann, mussten erst Anfang des Jahres fast
200.000 Amerikaner erleben. Der Oroville-Staudamm in Kalifornien war nach wochenlangen Regenfällen übergelaufen. Aus Sorge vor einer Flutkatastrophe mussten die Menschen ihre Häuser verlassen und flüchteten. Nur mit Mühe konnte durch ein Abflusskanal für Notfälle der Staudamm gehalten werden. Größere Opfer waren daher nicht zu beklagen.

Nicht erst die Beinahe-Katastrophe in Kalifornien lässt Ingenieure und Behörden die Risiken neubewerten. Nach Angaben des Ruhrverbandes sind in Deutschland 49 der insgesamt 356 Talsperren und Stauseen mehr als 100 Jahre alt. Der große Bauboom folgte zwischen 1940 und 1980. Volker Bettzieche, Talsperren-Experte vom Ruhrverband Essen, räumt daher ein: "Alle Anlagen in Deutschland sind so gebaut, dass eine Gefährdung von Menschenleben praktisch ausgeschlossen werden kann. Mit völlig neuen Hochwasserständen aufgrund des Klimawandels könnte sich dies allerdings ändern."

Gefahr im Hochgebirge größer

Beispiel: die Ennepetalsperre. Die 1904 fertiggestellte Stauanlage wurde bereits 1912 um zehn Meter erhöht. Über 100.000 Menschen beziehen inzwischen ihr Trinkwasser von dort. Für Bettzieche Anlass zu handeln: "Die technischen Vorschriften sagen, dass so eine Staumauer 100 Jahre halten soll. Jetzt ist die Staumauer hier schon über 100 Jahre alt. Sie hat ihr Alter erreicht", sagt er. Deshalb habe man nun "die Mauer ertüchtigt und sind eigentlich der Meinung, dass sie so, wie sie jetzt ist, weitere 100 Jahre durchaus bestehen kann".

Größer sind die Herausforderungen allerdings für Anlagen im Hochgebirge. Schmelzende Gletscher und auftauender Permafrostboden lassen die Standfestigkeit von Staumauern in anderem Licht erscheinen. Zudem wächst das Risiko von Felsstürzen. Brechen große Gesteinsmassen ab und stürzen in die Stauseen, können diese überlaufen. Flutwellen ergießen sich dann ins Tal.

Welche verheerenden Folgen eine solche Überflutung haben kann, zeigt das Unglück von Vajont in den italienischen Alpen. 1963 schwappten dort mehr als 25 Millionen Tonnen Wasser über die Mauerkrone, nachdem eine Felswand in den Stausee fiel. Eine 160 Meter hohe Flutwelle stürzte daraufhin ins Tal, fast 2.000 Menschen verloren ihr Leben.

Für Trinkwasserversorgung unverzichtbar

Die deutschen Talsperrenbetreiber indes haben die Probleme erkannt und zusätzliche Betonschichten vergossen, Kontrolltunnel in die Staumauern gezogen und moderne Alarmsysteme installiert. Zu groß ist die Bedeutung der Talsperren, als dass man auf sie verzichten könnte. Immerhin stammen rund acht Prozent des Trinkwassers in Deutschland aus Talsperren und Stauseen. Zum Teil sind ganze Regionen davon abhängig. Ihre Bedeutung für die Stromversorgung ist dagegen relativ gering: 0,2 Prozent der Bruttostromerzeugung stammt aus Talsperren und Stauseen.

Talsperren, eine unterschätze Gefahr? Solange sie sorgsam gewartet und überwacht werden, schätzen Experten wie Volker Bettzieche das Risiko als beherrschbar ein. Die hundertprozentige Sicherheit gibt es allerdings nicht. Ein Restrisiko bleibt immer.

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