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Erntebericht nach Dürre - Klöckner sichert Bauern Hilfen zu

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Der Bund wird den Bauern finanziell helfen. Ein Programm von rund 340 Millionen Euro, finanziert von Bund und Ländern, soll die Ernteausfälle durch die Dürre teilweise ersetzen.

Die extreme Trockenheit in diesem Jahr hat den Landwirten eine deutlich schlechtere Ernte eingebracht. Der Bauernverband beklagt bei Getreide ein Minus von 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr; Landwirtschaftsministerin Klöckner sagt 340 Millionen Euro …

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Damit die Hilfen des Bundes gezahlt werden können, erklärte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) die diesjährige Trockenphase heute "zu einem Witterungsereignis von nationalem Ausmaß". Grund sei der hohe Schaden, der in den Bundesländern entstanden sei. "Die Gesamtbetrachtung der Daten, Zahlen und Fakten legt dies nahe", so Klöckner. Sie habe erst den Erntebericht von gestern Abend abwarten wollen, bis sie Hilfen zusagt. Finanzzusagen könne man nicht "aus dem Bauch heraus" geben.

Etwa 10.000 Betriebe gefährdet

Jeder 25. landwirtschaftliche Betrieb, etwa 10.000 insgesamt, sind nach Einschätzung der Länder in ihrer Existenz bedroht. Es gebe aber große regionale Unterschiede. Insgesamt 16 Bundesländer meldeten Schäden, in Rheinland-Pfalz und im Saarland sind sie aber allerdings nicht so groß, dass sie Hilfen brauchen. Am stärksten betroffen sind Schleswig-Holstein (minus 31 Prozent), Brandenburg (minus 27 Prozent), Sachsen-Anhalt (minus 26 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (minus 25 Prozent). "Wir müssen nun schnell reagieren und den existenzgefährdeten Betrieben helfen", sagte Klöckner heute vor Journalisten.

Sie wolle bis September mit den Ländern Vereinbarungen treffen. Demnach sollen betroffene und bedürftige Betriebe entschädigt werden. Das bedeutet: Betriebe, die im Schnitt 30 Prozent weniger Ertrag im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren haben und die in ihrer Existenz bedroht sind, können Hilfe bekommen. Diese Schäden werden insgesamt auf 680 Millionen Euro geschätzt. Da es laut Klöckner keine "Vollkasko"-Entschädigung geben könne, werde die Hälfte ersetzt und diese Kosten von etwa 340 Millionen Euro wiederum je zu Hälfte von Bund und Ländern finanziert. Die Länder forderte sie auf, schnell mit Abschlagszahlungen zu helfen, die später verrechnet würden. Die Tierbetriebe sollten zuerst entschädigt werden.

Bauernverband: "Ernte noch schlechter als gedacht"

Der Bauernverband hatte am Vormittag seine Forderung nach finanziellen Hilfen unterstrichen. "Die Ernte fällt noch schlechter aus als anfangs erwartet", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Insgesamt sei sie "deutlich unterdurchschnittlich", in einigen Regionen könne man von Missernten, also Totalausfällen, sprechen. Bei Getreide und Raps betrage der Ausfall gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen vier Jahren minus 26 Prozent. Auch der Ertrag bei Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais sei schlecht. Besonders prekär sei die Lage beim Tierfutter. Durch die schlechte Maisernte, den Ausfall des zweiten und dritten Grünschnitts, müssten Viehhalter bereits ihre Wintervorräte verfüttern und Tiere schlachten. Bei Obst, Gemüse und Wein sei die Lage dagegen besser, vielfach aber auch deswegen, weil durch höhere Produktionskosten, wie teure Beregnung, Ausfälle vermieden worden seien.

Seit Anfang August hatte der Verband auf die schlechte Situation aufmerksam gemacht und Hilfszahlungen in Höhe von einer Milliarde Euro gefordert. Rukwied zufolge hätten acht Bundesländer Schäden in Höhe von drei Milliarden Euro gemeldet, daher sei die Forderung berechtigt. Er sprach sich aber gegen eine "Gießkannen-Unterstützung" aus. Die Betriebe wollten gezielte Hilfen und keine "komplette Kompensation" der Schäden.

In drei Jahren minus 30 Prozent

Finanzielle Hilfen des Staates sind generell erst dann möglich, wenn Schäden von "nationalem Ausmaß" festgestellt werden. Eine genaue Definition, wann diese Ausnahmesituation vorliegt, gibt es nicht. Bislang war sie beispielsweise 2003 festgestellt worden, als Bund und acht Länder Hilfen in Höhe von 80 Millionen Euro zahlten. Damals waren 4.400 Betriebe in ihrer Existenz bedroht. Auch bei den Hochwasserkatastrophen 2002 und 2013 war der Bund finanziell eingesprungen.

Von April bis August hatte es in diesem Jahr so wenig geregnet wie seit Beginn der Wetteraufzeichnung nicht. Die Monate gelten als die heißesten und trockensten seit 1881. Bis gestern fiel nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes weniger als die Hälfte der sonstigen Niederschlagsmenge.

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