Essen im Müll - Kabinett beschließt Strategie

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"Mit Augenmaß" oder "mutlos"? - Essen im Müll - Kabinett beschließt Strategie

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Tonnenweise Lebensmittel landen Tag für Tag im Müll. Deswegen hat die Bundesregierung eine Strategie gegen die Verschwendung beschlossen. Die Grünen finden sie "mutlos".

Mit einer Reihe von Maßnahmen will Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) die Zahl von Lebensmitteln, die im Müll landen, bis 2030 halbieren. Das Bundeskabinett hat dazu die sogenannte "Nationale Strategie zur Reduzierung von Lebensmittelverschwendung" beschlossen. Zentraler Bestandteil sind Millioneninvestitionen in die Forschung, die intelligente Verpackungen entwickeln soll. Diese sollen anzeigen, ob Nahrungsmittel noch genießbar sind, etwa über einen Farbverlauf.

Jährlich würden elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen, erklärte Klöckner. "Das will ich ändern." Die Wertschätzung für Nahrungsmittel müsse gesteigert werden. So seien etwa Unternehmen gefordert, Lebensmittelabfälle schon während der Produktion und des Transports zu minimieren.

"Runde Tische statt Verbindlichkeit"

Die Grünen-Verbraucherexpertin Renate Künast bezeichnete Klöckners Strategie als "mutlos". Erneut setze die Ministerin lediglich auf "Freiwilligkeit und Runde Tische statt auf Verbindlichkeit", sagte Künast, die zwischen 2001 und 2005 selbst Landwirtschaftsministerin war.

Das von der UNO und der EU vorgegebene Ziel, die Lebensmittelverschwendung bis 2030 zu halbieren, rücke damit "in weite Ferne". Nötig seien stattdessen verbindliche Reduktionsziele für alle Beteiligten der Wertschöpfungskette und ein Ende der Massenproduktion in der Landwirtschaft, forderte Künast.

Was andere Länder unternehmen

Neben Geld für Forschung strebt Klöckner in ihrer Strategie auch bessere Prozesse in der Wirtschaft an - passendere Bestellgrößen, kleinere und häufigere Warenlieferungen, ein Verteilen von Produkten zwischen Filialen oder Preisaktionen. Vor allem Jugendliche und junge Familien sollen mit Informationen über das Internet sensibilisiert werden. Bund und Länder sollen prüfen, ob es Hürden fürs Weitergeben unverkaufter Lebensmittel an gemeinnützige Organisationen gibt, etwa bei der Haftung.

Jeder Verbraucher wirft 55 Kilo Lebensmittel jährlich weg

Das Ziel der Bundesregierung, Lebensmittelabfälle auf Ebene von Einzelhandel und Verbrauchern bis 2030 zu halbieren, soll auch zum Klimaschutz beitragen. Bisher werden laut Studien jährlich elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen - von privaten Haushalten, in der Lebensmittelwirtschaft, im Handel und bei Großkunden wie der Gastronomie. Auf die Verbraucher entfallen demnach pro Kopf 55 Kilogramm im Jahr.

Was Sie gegen Verschwendung tun können

Schon Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter hatte die Strategie kritisiert. "Nichts als Prüfaufträge und Appelle - das Landwirtschaftsministerium und Julia Klöckner bleiben ihrer Politik der maximalen Unverbindlichkeit treu", sagte Hofreiter den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Er forderte "klare Senkungsziele" auch für Lebensmittelproduzenten und den Einzelhandel: "Bis 2025 muss das Ziel sein, mindestens ein Drittel weniger Lebensmittel wegzuwerfen. Alles andere wäre Augenwischerei."

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels begrüßt dagegen den Kabinettsbeschluss. Der Lebensmittelhandel beteilige sich "mit Augenmaß" an der Strategieumsetzung. Handelsunternehmen müssten immer "eine Balance finden zwischen Wettbewerb, Kundenorientierung und Nachhaltigkeit".

Warum Lebensmittel im Müll landen

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