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80. Jahrestag der Pogromnacht - Knobloch fordert Einsatz für jüdische Familien

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Charlotte Knobloch sorgt sich angesichts von Antisemitismus um junge jüdische Familien. Ihnen müsse gezeigt werden, dass sie in Deutschland eine Zukunft haben, forderte sie im ZDF.

Charlotte Knobloch ist Präsidentin der Jüdischen Kultusgemeinde Münchens und Oberbayerns. Sie beobachtet derzeitige Entwicklungen mit Sorge. Pöbeleien und Mobbing sei für sie fast jeden Tag ein Thema.

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Vor 80 Jahren brannten Synagogen und jüdische Geschäfte, Charlotte Knobloch war damals sechs Jahre alt. Heute erinnert die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland an die Pogromnacht und rief im ZDF zu mehr Einsatz für jüdische Familien auf. "Für mich ist vor allem ein großes Problem, dass junge Familien keine Zukunft mehr für ihre Kinder in ihrem Lande sehen", sagte sie im ZDF Morgenmagazin. Ihnen müsse gemeinschaftlich gezeigt werden, dass sie in Deutschland zuhause sind. "Das ist für mich das Wichtigste an diesem Tag", betonte sie.

Knobloch greift AfD scharf an

Bei allen positiven Entwicklungen gebe es immer noch viele Probleme, mit denen Juden sich jeden Tag konfrontiert sähen, sagt Knobloch. Dazu gehöre Mobbing an Schulen, Kippa-Träger würden angepöbelt. "Der Antisemitismus, der Judenhass, dem wir täglich begegnen müssen, ist eine Tatsache."

Geschürt werde er auch durch Parteien wie die AfD. "Diese Partei ist keine Alternative für unser Land", sagte Knobloch im ZDF. "Diese Partei hat bis jetzt nur bewiesen, dass sie die Demokratie strapaziert, dass sie die Meinungsfreiheit strapaziert und dass sie einen richtigen Judenhass in Gang gebracht hat."

Erinnerungen an Pogromnacht

Am 9. November 1938 hatten die Nationalsozialisten den Befehl für den inszenierten "Volkszorn" gegen die Juden in ganz Deutschland ausgegeben. Hunderte Synagogen und Geschäfte wurden angezündet und geplündert, Zehntausende Juden wurden gedemütigt und deportiert, bis zu 1.300 Menschen wurden ermordet. Die Pogrome gelten als Beginn der systematischen Verfolgung der Juden in Deutschland.

Die Münchnerin Knobloch erinnert sich noch gut an die Pogromnacht 1938. "An der Hand meines Vaters ging ich durch die Stadt, die zum Teil mir zeigte, dass wir keine Heimat mehr haben", sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. "Ich sah die qualmende Synagoge und ich sah meinen guten Opa Rothschild, der vor unseren Augen mit Füßen in ein Polizeiauto geworfen wurde." Auf die Frage, warum die Feuerwehr nicht komme, habe der Vater nicht geantwortet. "Aber er zog mich weg von den anwesenden Menschen, die eigentlich keine Reaktion gaben und nur auf diese Katastrophe schauten. Ein gewisser Widerstand war nicht zu erkennen."

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