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GroKo verschiebt Betäubungspflicht - Grüne kritisieren Ferkel-Kastration bei Bewusstsein

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Ferkel dürfen weiterhin ohne Betäubung kastriert werden - obwohl damit ab 2019 Schluss sein sollte. Doch die GroKo hat das Verbot verschoben. Ein "Albtraum", sagen die Grünen.

Ferkel in einem Stall
Ferkel in einem Stall
Quelle: dpa

Union und SPD verständigten sich nach Unionsangaben am Freitag auf einen Gesetzentwurf, mit dem die Übergangsfrist bis zum vollständigen Verbot um zwei Jahre verlängert wird. Grund seien fehlende Alternativen, was viele Schweinehalter ihre Existenz kosten könne. Die Koalitionsspitzen hatten sich bereits Anfang Oktober auf eine längere Übergangsfrist geeinigt. Grüne und Verbraucherschützer empörten sich und bestritten, dass es an Alternativen mangele - sie kosteten die Fleischindustrie nur mehr.

Union sieht noch keine praktikable Alternative

In Deutschland werden jedes Jahr Millionen männlicher Ferkel wenige Tage nach der Geburt ohne Betäubung kastriert. Diese Methode soll vermeiden, dass Fleisch von Ebern einen strengen Geruch und Beigeschmack bekommt.

Unionsfraktionsvize Gitta Connemann erklärte am Samstag, es gebe derzeit keine marktgängige oder praktikable Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration. Erforderliche Tierarzneimittel seien noch nicht zugelassen, alternative Verfahren würden bislang von Handel und Verbrauchern nicht akzeptiert. "Ohne ein Handeln des Gesetzgebers würden gerade die kleinen Höfe ab dem kommenden Jahr vor einem unlösbaren Problem stehen", argumentierte sie. Die Ferkelerzeugung werde dann ins Ausland abwandern.

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter wies diese Argumentation entschieden zurück. "Natürlich gibt es Alternativen, die längst von Wissenschaftlern, Tier- und Verbraucherschützern anerkannt sind - zum Beispiel die Kastration unter Narkose. Die Fleischindustrie stemmt sich gegen die tierschutzgerechten Lösungen, in erster Linie um Kosten zu sparen", sagte Hofreiter. Die Grünen-Abgeordnete Renate Künast kritisierte auf Twitter, die Koalition weiche das Tierschutzgesetz auf. Die GroKo sei der "Alptraum" der Tiere.

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SPD schiebt schwarzen Peter der Union zu

Der Bauernverband hatte auch angesichts der generell schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Schweinehalter für eine Verschiebung geworben und argumentiert, dass es keine praktikablen Alternativverfahren gebe. Das Verbot ab 2019 war bereits mit der Reform des Tierschutzgesetzes 2013 beschlossen worden.

Grünen-Chef Robert Habeck warf Klöckner und der Großen Koalition vor, seit Jahren gültige Gesetze auszusetzen. Es habe fünf Jahre Vorbereitungszeit für Alternativen zur Kastration ohne Betäubung gegeben. "Jetzt müsste die Koalition zu dem stehen, was längst beschlossen ist und sich um die Umsetzung kümmern", sagte Habeck. "Offenkundig hat Tierschutz keinen Stellenwert in dieser Koalition."

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Matthias Miersch, schob den Schwarzen Peter der Union zu. "Wir haben aus der fatalen Situation, in die das Bundeslandwirtschaftsministerium und Funktionäre des Bauernverbandes viele Landwirte gebracht haben, das Möglichste gemacht: Durch die Fristverlängerung vermeiden wir massive Verwerfungen und schaffen gleichzeitig die Voraussetzungen, dass die Neuland-Methode Standard wird", teilte Miersch mit.

Wichtige Fragen und Antworten

Was die Neuland-Methode mir als Verbraucher garantiert:

  • Wenn Ferkel unter Betäubung und Schmerzausschaltung kastriert werden, können Sie das Neuland-Gütesiegel für artgerechte Tierhaltung erhalten. Da eine Betäubung mit dem Inhalationsgas Isofluran in Deutschland nur von einem Tierarzt durchgeführt werden darf, fahren Tierärzte für die Neuland-Methode von Hof zu Hof und führen die Kastration unter Betäubung durch.

Wie auch Landwirte Ferkel unter Narkose kastrieren könnten:

  • In der Schweiz ist es auch Landwirten erlaubt, nach einer entsprechenden Schulung die Inhalationsnarkose mittels Isofluran bei der Kastration anzuwenden. Dass dies in Deutschland noch anders sei, bezeichnete der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft, Eckard Wendt, als "völlig unverständlich". "Deutsche Schweinehalter sind bestimmt nicht dümmer oder unfähiger als ihre Kollegen in der Schweiz", kritisierte er.

Welche Vorteile die Immunokastration mitbringt:

  • Bei der Immunokastration erhalten Ferkel eine Art Impfstoff, der die Bildung der Geschlechtshormone von vornherein verhindert. Die Wirkung kommt einer Kastration gleich. "Die blutige und schmerzliche Tortur könnte Millionen von männlichen Ferkeln sofort durch die Immunokastration erspart werden - ohne Risiken und Nebenwirkungen für aufgeklärte Verbraucherinnen und Verbraucher", sagt Foodwatch-Kampagnendirektor Matthias Wolfschmidt.
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