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Warnungen der Bankenaufsicht - Können Hacker nächste Finanzkrise auslösen?

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Europäische und deutsche Finanzaufseher warnen: Wenn Hacker eine Lücke in den IT-Systemen einer Bank finden, hätte das verheerende Folgen. Bis hin zu einer neuen Finanzkrise.

Person vor einem Laptop
Wenn Hacker eine Lücke in der IT finden, könnten sie virtuell Banken ausrauben, warnen Experten. Quelle: dpa

Cyberangriffe seien ein großes Risiko, warnte Felix Hufeld kürzlich in einem Zeitungsinterview. Der Präsident der deutschen Finanzaufsicht Bafin will nicht ausschließen, dass eine solche Attacke auch finanzielle Infrastrukturen und damit auch den Betrieb mehrerer Banken für Tage lahmlegen könnte. Deshalb macht die Bafin den Geldhäusern hohe Auflagen für ihr IT-Sicherheitsmanagement. Wenn Hacker eine Lücke in einem Banken-IT-System fänden, könnten sie die Bank ausrauben, indem sie Kundengelder auf eigene Konten im Ausland überweisen und diese dann durch Umtausch in Kryptowährungen verschwinden lassen, erklärt Dorothea Schäfer, Ökonomin am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Oder sie könnten über ein elektronisches Einfallstor den Zahlungsverkehr lahmlegen zwischen den Banken, national oder international. Der Zahlungsverkehr wird über Systeme wie Swift abgewickelt, daran sind gut 10.000 Banken, Brokerhäuser und Börsen in mehr als 200 Ländern angeschlossen. Kein Wunder, dass Benoît Coeuré, Direktor der EZB, kürzlich warnte, über einen Cyberangriff könnten viele Daten zugänglich gemacht werden. Deshalb konzentriere sich die EZB stärker auf Cybersicherheit.

Finanzindustrie "angreifbar und verwundbar"

Schon seit Jahren wächst die Gefahr von Cyberattacken. Eine der großen war zum Beispiel Anfang 2011 der Hackerangriff auf die amerikanische Technologiebörse Nasdaq. Seither aber ist die Finanzwelt noch enger zusammengerückt. Sie ist stark von IT abhängig, daher werden Hacker immer wieder versuchen, diese lahmzulegen.

"Dadurch ist die Finanzindustrie auch sehr angreifbar und verwundbar", sagt Barbara Engels, Digitalisierungsexpertin des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). "Was angegriffen werden kann, wird auch angegriffen", sagt sie. Die EZB fürchtet jetzt offenbar, dass Manipulationen an den Daten die Finanzmärkte in Unruhe versetzen würden. Das könnte dann zu einer krisenhaften Lage führen. Nicht nur die EZB und die Bafin, auch das Weltwirtschaftsforum treibt diese Sorge um. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat in erst vor zwei Tagen den aktuellen Lagebericht vorgelegt und gewarnt, die Art der Cyberangriffe und IT-Sicherheitsvorfälle in Deutschland sei inzwischen "besorgniserregend". "Die Lage hat sich nicht entspannt, sie hat sich vielmehr im Vergleich zum letzten Jahr weiterhin zugespitzt", warnte BSI-Präsident Arne Schönbohm.

Der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm, bestätigt russische Hackangriffe. Es gebe "eine Vielzahl von verschiedenen Indikatoren, die darauf hinweisen".

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Künstliche Intelligenz: Bequem ja, aber wer trägt die Verantwortung?

Das gilt auch für die Finanzinstitute. Für Hacker wird es noch reizvoller, weil sich die Geschäftsmodelle der Geldhäuser ändern. Denn längst werden nicht mehr alle Dienstleistungen komplett von einem Institut erbracht, einige werden an Dritte ausgelagert. Neue Wettbewerber treten auf den Markt und verändern die Kundenerwartungen, daran müssten sich auch traditionelle Banken anpassen, erklärte Bafin-Präsident Hufeld in dieser Woche. Die Folge: Plattformen werden gebildet, auf denen verschiedene Dienstleistungen angeboten werden - hier kommen dann auch die großen Technologieunternehmen, die sogenannten Bigtechs wie etwa Amazon oder Google ins Spiel. "Wenn derart potente Player mit ganz neuen Geschäftsmodellen am Markt auftauchen, dann werden auch wir Aufseher unsere bewährten Konzepte auf den Prüfstand stellen müssen", sagte Hufeld: "Wenn die Bigtechs wirklich einmal mit all ihrem ökonomischen Background auf die Finanzmärkte drängen, könnten sie selbst auch durchaus systemrelevant werden."

Und noch vor einer weiteren Entwicklung warnte der Bafin-Chef: der Versuchung der Banken nämlich, zu viele Arbeiten nur noch von künstlicher Intelligenz erledigen zu lassen. Bequem wäre das sicher, gesteht er ein. Doch die letzte Verantwortung für die Prozesse in Banken und Versicherungen müsse beim Menschen bleiben.

IT-Sicherheit der  Banken in Deutschland nur "ausreichend"

Die Bafin ist vermutlich auch deshalb so in Sorge, weil sie erst vor kurzem die IT-Sicherheit der Banken in Deutschland nur mit "ausreichend" benotet hat. Die Geldhäuser müssen also schnell handeln. Allerdings hoffe sie darauf, dass bei den Finanzinstituten für den Notfall ein Reservesystem zur Verfügung stünde, meint Dorothea Schäfer vom DIW: "Alles andere wäre fahrlässig." Alleinige Ursache für die nächste Finanzkrise werde eine Cyberattacke wohl nicht sein, glaubt die DIW-Expertin. Doch sie könnte eine bestehende Unsicherheit verstärken. Wie schnell dann die Börsen einbrechen, das hat man in den letzten Tagen an den Finanzmärkten beobachten können.

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