Sie sind hier:

Nach Puigdemont-Verzicht - Das Personal-Karussell in Katalonien

Datum:

Carles Puigdemont will nicht Regionalpräsident Kataloniens werden - welche Alternativen hat sein Wahlbündnis? Das Katz-und-Maus-Spiel mit spanischen Behörden dürfte weitergehen.

Menschen mit Puigdemont-Gesichtsmasken
Menschen mit Puigdemont-Gesichtsmasken Quelle: dpa

Ausgerechnet die Stadt von Napoleons historischer Niederlage hat Carles Puigdemont als sein neues Exil auserkoren. Im belgischen Waterloo hat der geflüchtete Katalane ein über 500 Quadratmeter großes Haus mit sechs Schlafzimmern gemietet. Er richtet sich offenbar auf einen längeren Aufenthalt im Exil ein.

Währenddessen unterlässt die spanische Polizei keine Anstrengung, um den aufmüpfigen Unabhängigkeitsführer festzunehmen. Zweimal durchkämmte die Guardia Civil in den letzten Tagen den Privatjet des Manchester-City Trainers Pep Guardiola, als der in Barcelona landete. Guardiola ist ein offener Unterstützer Puigdemonts.

Auch der König ist nicht willkommen

Die Verbissenheit, mit der die spanischen Behörden nach Puigdemont fahnden, ist aber eher bezeichnend für die verhärteten Fronten im Katalonienkonflikt. Keiner will den ersten Schritt zur Versöhnung machen.

Das hat auch König Felipe zu spüren bekommen, der am Sonntag nach Barcelona kam um eine Messe zu eröffnen und von niemand empfangen wurde, außer Demonstranten. Sie wolle dem König nicht die Hand küssen erklärte Bürgermeisterin Ana Calau. Puigdemont mischte via Twitter mit, wo er erklärte, Felipe VI. würde in Katalonien willkommen sein, wenn er um Verzeihung gebeten hätte.

In Madrid verweigern die Behörden unterdessen beharrlich die Freilassung der inhaftierten Unabhängigkeitsführer, die nach dem Referendum am 1. Oktober festgenommen wurden. Eine harte Position, die nicht nur in Katalonien beklagt wird. Auch Amnesty International zeigte sich besorgt und bezeichnete die Haft als "exzessiv".

Der Kronprinz Jordi Sànchez

Unter den Häftlingen befindet sich auch die Nummer 2 von Puigdemonts Liste, Jordi Sànchez, Zusammen für Katalonien (JxCat). Der 53-jährige Universitätsprofessor ist außerdem der Chef der Katalanischen Nationalversammlung (ANC), eine der einflussreichsten Gruppierungen der Zivilgesellschaft. Er wird zurzeit als seriöseste Alternative für Puigdemont gehandelt.

Schon seit Wochen drängen Puigdemonts politische Partner, vor allem die Esquerra Republicana de Catalunya (ERC, Republikanische Linke), auf eine Alternative. Die linksnationalistische Partei, die als zweitstärkste Kraft der Unabhängkigkeitsbefürworter ins Parlament von Barcelona einzog, schlug vor, Puigdemont solle die Rolle eines "symbolischen Präsidenten" übernehmen. Die Regierungsgeschäfte solle dagegen ein "exekutiver Präsident" führen.

Alternativer Kopf in Haft

Carles Campuzano am 11.10.2017 in Madrid (Spanien)
Carles Campuzano Quelle: imago

Carles Campuzano, der Sprecher von Puigdemonts Katalanischer Europäischer Demokratischer Partei (PDeCAT) sagte noch am Montagabend dem Radiosender Cadena Ser, dass eine Einigung in Sicht sei, wonach Jordi Sànchez für das Amt des Regionalpräsidenten kandidieren soll.

Ein Hindernis stellt allerdings weiterhin die Inhaftierung Sànchez dar. Für eine Amtseinführung bräuchte er die Zustimmung des Richters des Obersten Gerichtshofs in Spanien, Pablo Llarena. Eine ähnliche Anfrage auf Freilassung gegen Kaution von Oriol Junqueras, der an einer Parlamentssitzung teilnehmen wollte, hatte er allerdings im Dezember abgelehnt.

Die weibliche Alternative

Archiv: Elsa Artadi aufgenommen am 30.01.2018 in Barcelona (Spanien)
Elsa Artadi Quelle: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Eine zweite Alternative wäre für viele auch noch die rechte Hand Puigdemonts, Elsa Artadi. Die 41-jährige Wirtschaftsexpertin, die in Harvard promovierte, führte die Kampagne von JxCat und damit zum überraschenden Wahlsieg der Partei. Sie wird vom katalanischen Radio RAC1 als nächste Präsidentin der Generalitat gehandelt.

Die junge Frau, die man oft an Puigdemonts Seite gesehen hat, lehrte nach ihrer Rückkehr aus den USA an der Bocconi Universität in Mailand, bevor sie nach Katalonien zurückkehrte. Trotz ihres internationalen Hintergrunds schlug sie sich auf die Seite der Unabhängigkeit für ihre Region.

"Puigdemont Go"

Wem das politische Wirrwarr noch nicht zu viel ist, kann es mit Handy- und Computerspielen online fortführen. Bei "Puigdemont Go" muss der Spieler dem Politiker helfen aus Brüssel nach Barcelona zu gelangen. Bei "Whack Puigdemont" (Schlag Puigdemont) geht es um das komplette Gegenteil. Hier geht es darum, den flüchtigen Katalanen so schnell wie möglich einzubuchten. Ein Szenario, von dem Madrid träumt.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.