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Deutscher Steinkohle-Bergbau - Fakten rund um die Kohle

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5.711 Arbeiter und Angestellte: So klein war die Belegschaft im deutschen Steinkohle-Bergbau zuletzt. Nun heißt es Schicht im Schacht - die Geschichte des Bergbaus in Zahlen.

Nahaufnahme Kohlehaufen
Ein Kohlehaufen
Quelle: BROADVIEW TV

Der deutsche Steinkohlebergbau endet. Der Schlusspunkt einer jahrzehntelangen Geschichte, die vor allem das Nachkriegsdeutschland bestimmt hat. Heizen mit Kohle war eine Selbstverständlichkeit – und Kokskohle die Triebfeder der Stahlproduktion.

  • Wie viele Arbeiter waren es über die Jahre? Rund 340.000 Mitarbeiter waren im Jahr 1945 im Steinkohle-Bergbau beschäftigt. Bis zum Jahr 1957 verdoppelte sich die Belegschaft nahezu auf 607.000. Von da an ging's bergab. 490.000 waren es 1960, 250.000 im Jahr 1970, 186.000 dann 1980 und 1990 arbeiteten im Steinkohle-Bergbau noch 130.000 Mitarbeiter. 58.000 im Jahr 2000 und 24.000 im Jahr 2010 verdeutlichen den Halbierungszyklus im Zehnjahresrhythmus.
Vier Bergleute stehen in Umkleide von Kohlezeche in Bottrop

Steinkohle-Bergbau bedeutete nicht nur Arbeit unter Tage. Als grobe Richtschnur lässt sich sagen: Auf zwei Arbeiter unter Tage kam etwa ein Arbeiter über Tage. Beispiele: 1955 waren von insgesamt 536.000 Arbeitern 369.000 unter Tage tätig, im Jahr 1980 von 155.000 waren 99.000 unter Tage und 2000 von insgesamt 44.000 Arbeitern 25.000 unter Tage.

Bei den Angestellten ist das Verhältnis genau umgekehrt: So kamen dort beispielsweise im Jahr 1955 auf insgesamt 49.000 Angestellte 15.000, die unter Tage arbeiteten, im Jahr 2000 waren es von 14.000 insgesamt rund 3.800 unter Tage.

  • Wo das Herz des Steinkohle-Bergbaus schlägt: Es schlug immer im Ruhrgebiet. Von den insgesamt 173 Steinkohle-Bergwerken in Deutschland, die es von 1957 bis 2015 gab, standen 140 im Ruhrgebiet, 18 im Saarland, neun im Raum Aachen und sechs in Ibbenbüren.

Ebenso die Dichte bei den Kokereien: Von 64 deutschlandweit hatten 58 ihren Standort im Ruhrgebiet (Saarland: drei, Aachen: zwei, Ibbenbüren: zwei).

Bergarbeiter im Bergstollen sitzen in zwei übereinander liegenden Schachtwagen. Schwarz-weiße Fotografie
Bergarbeiter im Bergstollen sitzen in zwei übereinander liegenden Schachtwagen. Schwarz-weiße Fotografie.
Quelle: BROADVIEW TV
  • Wie langfristig ein Bergwerk angelegt war: Wie viel Tradition hinter jeder Grube steht, zeigt ein weiterer Vergleich: Zwischen 1957 und 2015 gab es nur sechs Neuanlagen. 173 Zechen in Deutschland wurden vor 1957 gegründet – und viele verschwanden dann auch recht schnell, sei es wegen Schließungen oder wegen Zusammenlegungen. 1980 gab es noch 40 Zechen, 1990 waren es 30 und im Jahr 2000 schließlich 15. Die verbliebenen sechs Zechen des Jahres 2010 wurden nun eine nach der anderen geschlossen.
  • Was im Laufe der Jahrzehnte in Deutschland an Steinkohle gefördert wurde: Zu Spitzenzeiten im Jahr 1957 waren es alleine im Ruhrgebiet gut 123 Millionen Tonnen, danach ging die jeweilige Jahresförderung kontinuierlich zurück. Jahresdaten zum Vergleich: 1970 (91 Millionen Tonnen Steinkohle), 1980 (69 Mio. t), 1990 (54 Mio. t), 2000 (26 Mio. t), 2010 (9,6 Mio. t). 2017 wurden laut Statistik der Kohlewirtschaft im Ruhrgebiet noch 2,6 Millionen Tonnen Steinkohle gefördert - rund 2 Prozent von dem, was in der Bilanz des Jahres 1957 stand.

Ein Industriezweig - krisenbehaftet

  • Warum der Industriezweig zu kampfen hatte: Kaum ein Industriezweig war so krisenbehaftet wie die Förderung der Steinkohle. Eigentlich befand sich Deutschland bereits seit Ende der 1950er Jahre in der "Kohlekrise". Öl und Erdgas drängten als Energielieferant der Haushalte auf den Markt – und gleichzeitig stellte sich heraus, dass die Kohleförderung ohne staatliche Subvention schlicht zu teuer wurde. Hohe Löhne und gleichzeitig hohe Produktionskosten wegen tief in der Erde vorkommender Kohlevorräte machten die Kohleförderung hierzulande zunehmend unwirtschaftlich.
Bruttostromerzeugung in Deutschland 2017
  • Spielt die Kohle noch heute eine Rolle? Aber auch ohne eigene Kohleförderung spielt die Steinkohle noch eine Rolle – beispielsweise in der Energieerzeugung. Bundesweit beträgt die Gesamtleistung von Steinkohle-Kraftwerken aktuell rund 25.000 Megawatt (Braunkohle 21.300 MW, Erdgas 30.000 MW). Mit sinkender Eigenproduktion stieg der Import von Steinkohle: von 15,4 Millionen Tonnen im Jahr 1991 auf zuletzt 40,2 Millionen Tonnen.

Für die letzten Bergleute aus der Zeche in Bottrop heißt es nun "Schicht im Schacht". Damit endet die einst erfolgreiche Industriegeschichte des deutschen Steinkohle-Bergbaus. Sehen Sie hier eine Dokumentation über das schwarze Gold im Video:

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