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Jobs fallen weg, Jobs entstehen - Wie Kollege Roboter die Arbeitswelt aufmischt

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Roboter verändern die Arbeitswelt. Aber sie sind nicht mehr nur eine Technik, die den Mensch vertreibt. Die neuen intelligenten Systeme sind eher Kollegen als Konkurrenten.

Mensch arbeitet mit Roboter
Mensch arbeitet mit Roboter
Quelle: imago

Kürzlich hat das Königreich Saudi-Arabien einen humanoiden Roboter eingebürgert. "Sophia" war bis dato staatenlos, am ehesten noch chinesisch, entwickelt von Hanson Robotics aus Hongkong. Die Frage, inwieweit Sophia im wahabitischen Gottesstaat ohne männliche Begleitung agieren darf, ließ im Internet nicht lange auf sich warten.

Down Under ist man auch nicht untätig. Der neuseeländische Unternehmer Nick Gerritsen präsentierte jüngst den ersten Politiker mit künstlicher Intelligenz (AI). "Sam" kennt sich aus mit Bildungsfragen, Wohnung und Einwanderung. Die Neigung des technischen Fortschritts, verbreitete Defizite zu beheben, darf nie unterschätzt werden.

Jobs fallen weg

Dies gilt, selbstverständlich, primär abseits origineller Headlines. Das McKinsey Global Institute (MGI) hat sich gerade in einer Studie mit den Auswirkungen der Automatisierung auf die Arbeitswelt bis 2030 beschäftigt: Jobs werden wegfallen, neue Jobs werden entstehen, und sehr viele Jobs werden sich ändern. In einem durchschnittlichen Szenario könnten 15 Prozent der Arbeit durch Automatisierung ersetzt werden, was weltweit umgerechnet 400 Millionen Vollzeitstellen entspricht.

Industrieländer seien dabei stärker betroffen als Entwicklungsländer, weil das hohe Lohnniveau einen starken Anreiz zur Automatisierung bietet. In Deutschland stünden im Durchschnittsszenario knapp 25 Prozent der Arbeit auf der Kippe. Heißt: Während global drei Prozent der Arbeitnehmer (75 Millionen) konkret auf einen anderen Job umsteigen müssten, wären es in Deutschland bis 2030 rund acht Prozent (drei Millionen). Vor allem aber: Die meisten Jobs werden sich erheblich verändern. Vor allem in der Industrie hält innovative Robotik Einzug.

Mensch und Maschine arbeiten zusammen

Wie das in der Praxis aussieht, hat das Wirtschaftsmagazin makro im Badischen beobachtet. Das Familienunternehmen SEW Eurodrive montiert Getriebemotoren, seit 80 Jahren schon. Einen Teil der Produktion hat man völlig umgekrempelt. Industriemechaniker haben hier einen neuen Kollegen, den kollaborierenden Roboter, kurz Cobot. Der übernimmt die Arbeit am Band. Der Unterschied zu herkömmlichen Industrierobotern: Mensch und Roboter arbeiten Hand in Hand.

Die Cobots sind mit Sensoren ausgestattet, die auf Menschen reagieren. Sie sind flexibel, leicht zu programmieren, können unterschiedliche Aufgabe erledigen und mit anderen Geräten interagieren. Sie sind die Industrie 4.0. "Lebenslanges Lernen ist angesagt", sagt Geschäftsführer Johann Soder. "Der Mitarbeiter der Zukunft muss bereit sein, sich immer wieder zu verändern, sich anzupassen an die Herausforderungen der neuen Zeit."

Das Internet der Dinge

Die meisten Mitarbeiter bei SEW überwachen heute die Produktion am Bildschirm - während die Maschinen den Ablauf selbstständig planen und steuern. Als nächstes folgt die Vernetzung mit Kunden und Lieferanten. Maschinen sollen bald eigenständig Nachschub bestellen - oder vorrätige Waren an Kunden melden. Mit der Vernetzung kommt das Internet der Dinge, die vierte industrielle Revolution.

Die 4. industrielle Revolution

In den letzten drei Jahren haben Automatisierung und Digitalisierung die Arbeit bei SEW bereits fundamental verändert. Produktionszeiten haben sich halbiert. Die Angst vieler Mitarbeiter, den Wettlauf Mensch gegen Maschine zu verlieren, ist gleichwohl real - hat sich hier jedoch nicht materialisiert. Das Unternehmen kann bei den Verkaufszahlen zulegen. Wachstum sichert Arbeitsplätze. Das sagt auch die MGI-Studie.

Die Bots lernen laufen

Wo die Reise noch hingehen könnte, zeigen einige Beispiele: Der Laufroboter "Toro" lernt gerade, Kabelhalterungen am Rumpf eines Airbus anzubringen. 60.000 Stück sind in einem Flugzeug verbaut. Am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt übt "David" den Umgang mit Dübel und Bohrmaschine. Hier ist Feinmotorik gefragt. Intelligente Algorithmen durchforsten komplexe juristische Verträge, filtern Schlüsselpassagen heraus. Dies wird den Beruf des Anwalts verändern.

"Intelligente Automatisierung"

Der Einsatz von Programmen in der Computertomographie hilft bei der Suche nach Tumoren. Die Software ist schnell, lernt stetig dazu und vergisst nie. Der Einsatz von Virtual Reality und Augmented Reality hilft Chirurgen bei der Operation und Studenten mit VR-Brille beim Üben - ohne sie direkt ans lebende Objekt heranlassen zu müssen. Seit kurzem reden wir mit digitalen Sprachassistenten wie Cortana (Microsoft) und Alexa (Amazon). Siri (Apple) kennt sogar die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens: "Alles spricht dafür, dass es Schokolade ist."

Gezündet werde die vierte industrielle Revolution vor allem durch zwei Faktoren, sagt Sabina Jeschke von der RWTH Aachen: Intelligenz und Vernetzung. "Es sind hochgradig miteinander vernetzte Systeme, die in Echtzeit Informationen austauschen."

Neue Jobs entstehen

Dies wiederum schafft neue Arbeitsplätze. Wenn das MGI mit seinem Durchschnittsszenario Recht behält, könnten es bis 2030 weltweit 390 bis 590 Millionen sein - mehr Jobs als wegfallen. Als Treiber des Jobwachstums macht man die Sektoren Pflege, Gesundheit und Technologie aus sowie Investitionen in Infrastruktur, Bau und Energie. Der wichtigste Treiber, mit mehr als 300 Millionen neuen Arbeitsplätzen, sei jedoch der wachsende Wohlstand, besonders in den Schwellenländern. Dies schaffe neue Märkte - auch für uns. Weshalb Deutschland zu den Profiteuren gehören werde.

Sollte die Politik den unvermeidlichen Umbruch der Arbeitswelt durch Automatisierung und Digitalisierung intelligent begleiten, kommen nach MGI-Berechnungen noch einmal 165 bis 300 Millionen neuer Jobs obendrauf. Vielleicht könnte Nick Gerritsen, der findige Unternehmer aus Neuseeland, hier noch einmal nachhelfen.

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