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Alle drei Tage wird ein Indigener getötet

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Drogenkrieg in Kolumbien - Alle drei Tage wird ein Indigener getötet

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In Kolumbien tobt ein brutaler Kampf um die Vorherrschaft im Drogenhandel. Vor allem die indigene Bevölkerung gerät zwischen die Fronten.

Der Sarg der indigenen Politikerin Cristina Bautista und James Soto am 31.10.2019 in Tacueyo in der Unruheprovinz Cauca, Kolumbien
Trauerfeier für Cristina Bautista: Gestorben im Kugelhagel.
Quelle: imago

Die Mörder ließen Cristina Bautista (42) keine Chance. Die indigene Politikerin starb im Kugelhagel, mit ihr vier ihrer indigenen Bewacher. Das Massaker in Tacueyo in der Unruheprovinz Cauca Ende Oktober hat Kolumbien erschüttert. Es war ein weiterer Tiefpunkt einer Entwicklung, die das Opfer selbst hat kommen sehen. Auch wenn Bautista zuletzt optimistischer war, als es die Realität zuließ: "Ich bin überzeugt, dass wir, die den Frieden wollen, mehr sind, als die, die den Krieg wollen", sagte sie in einer ihrer letzten Stellungnahmen. Doch gewonnen haben wieder mal die, die Krieg führen.

Indigene sprechen von Völkermord

Die Provinz Cauca ist von großer geostrategischer Bedeutung für den milliardenschweren Kokainhandel. Wer die Region kontrolliert, hat die Macht über die Vertriebsrouten. Im Cauca tobt seit langer Zeit ein Krieg zwischen illegalen Gruppen: Ehemalige Angehörige der inzwischen befriedeten linksgerichteten FARC-Guerilla, die sogenannten Dissidenten, die ELN-Guerilla, rechtsgerichtete paramilitärische Banden und die Drogenkartelle aus Mexiko und Kolumbien liefern sich einen erbitterten Kampf um diesen Markt, der riesige Profite verspricht.

Der nationale Indigenen-Dachverband ONIC spricht inzwischen von einem Völkermord. In Kolumbien wurde in den vergangenen 14 Monaten statistisch alle drei Tage ein Angehöriger der Indigenen ermordet. Hinter der Tat in Tacueyo sollen laut Recherchen kolumbianischen Medien Angehörige der ehemaligen FARC-Guerilla stecken, die sich dem Friedensprozess verweigern. Die indigenen Verbände fordern eine Aufklärung des Mordes durch die Interamerikanische Menschenrechtskommission. Der kolumbianische Staat ist vom Kampf gegen die aufgerüstete, mehrere Milliarden schwere Drogenmafia heillos überfordert.

Kokainimporte steigen - auch in Deutschland

Kurz vor der Bluttat hatten sich indigene Vertreter an die Behörden gewandt und über die Präsenz von illegalen bewaffneten Gruppen berichtet. Ihre Hilferufe blieben allerdings ungehört. Opfer werden vor allem jene Indigene, die sich dem Drogenhandel verweigern und damit den lukrativen Geschäften im Weg stehen.

Von den Konsumentenmärkten in Europa oder den USA ist das alles weit entfernt. Vom Schicksal der getöteten Indigenen nimmt kaum jemand Notiz, stattdessen steigt der Kokainimport. Deutsche Sicherheitsbehörden haben laut jüngsten Medienberichten in diesem Jahr bereits mehr Kokain sichergestellt, als je zuvor in einem Jahr beschlagnahmt wurde.

Präsident verspricht soziales Sofortprogramm

Guillermo Botero (Mitte) neben Iván Duque (rechts).
Guillermo Botero (Mitte) neben Iván Duque (rechts).
Quelle: colprensa/dpa/Archivbild

Vor ein paar Tagen reiste Kolumbiens konservativer Präsident Ivan Duque in die Unruheprovinz. Allerdings vermied er einen Besuch an den Schauplätzen der Gewalt wie in Toribio. Nicht einmal der Präsident traut offenbar seinem Sicherheitsapparat zu, ihn dort zu beschützen. "Es wäre gut gewesen, der Präsident wäre zumindest nach Toribio gekommen, weil damit die Barriere des Misstrauens durchbrochen wäre", kritisierte der indigene Senator Feliciano Valencia.

Duque versuchte die aufgeheizte Stimmung mit einem Sofortprogramm zu beruhigen. Auch das hat Tradition in Kolumbien. Wie viel davon dann tatsächlich umgesetzt wird, bleibt abzuwarten. Die lokale Wirtschaft soll gestärkt werden. Es reiche nicht, den Drogenhandel mit juristischen Mitteln zu bekämpfen, es brauche auch soziale Initiativen und alternative Produkte, sagte Duque. Worte, an denen er sich messen lassen muss.

Bürgerkrieg beendet - Drogenkrieg nicht 

Im September 2016 hatte die Regierung des damaligen Präsidenten Juan Manuel Santos ein Friedensabkommen mit der Rebellenorganisation FARC geschlossen. Es beendete den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg. Die entwaffnete FARC sitzt inzwischen als politische Partei im Parlament. Ein Teil der Guerilleros lehnte allerdings den Friedensvertrag ab und kämpft weiter. Viele dieser Kämpfer sind in den Drogenhandel verstrickt. Und dieser Drogenkrieg wird wohl niemals enden.

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