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Präsidentschaftswahl - Kolumbien geht in die Stichwahl

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Der Konservative Ivan Duque und der Linke Gustavo Petro haben sich im ersten Durchgang der Präsidentschaftwahl durchgesetzt. Sie gehen nun in die Stichwahl am 17. Juni.

Der rechte Präsidentschaftskandidat Duque hat in Kolumbien die meisten Stimmen geholt. Eine absolute Mehrheit fehlt ihm jedoch, weshalb es jetzt zur Stichwahl kommt.

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Lange ließ der Gewinner des Abends auf sich warten: Knapp vier Stunden nachdem die Wahllokale geschlossen hatten und gut drei Stunden nachdem das Ergebnis des ersten Durchgangs der Präsidentschaftswahlen in Kolumbien feststand, trat Ivan Duque vom rechtsgerichteten "Demokratischen Zentrum" vor seine Landsleute. Mit 39,1 Prozent der Stimmen landete der 41jährige Rechtsanwalt auf Platz eins. Nach einem von Polarisierung und scharfen Vorwürfen gekennzeichneten Wahlkampf präsentierte sich Duque so staatsmännisch wie möglich. Er wolle mit allen und für alle Kolumbianer regieren, versprach Duque und lobte den Wahlkampf seiner Konkurrenten. Kolumbien brauche ein Plan der Entwicklung mit klaren Vorschlägen. Es ist auch schon der Versuch, im Lager jener Kandidaten zu fischen, die es nicht in die Stichwahl schafften.

 Fast fünf Millionen Stimmen für einen Ex-Guerillero

Kurz zuvor hatte sich der zweite Gewinner des Abends feiern lassen. Gustavo Petro, Ex-Guerillero und Ex-Bürgermeister von Bogota, holte mit 25,1 Prozent und seinen fast fünf Millionen Stimmen das historisch beste Ergebnis für die Linke in Kolumbien. Und doch hatten sich das Petro-Lager angesichts der hohen Resonanz in den sozialen Netzwerken und des Zulaufs bei den Wahlkampfveranstaltungen etwas mehr erhofft. Zwischenzeitlich hatte Petro sogar von einer möglichen Wahlmanipulation gesprochen. Doch am Wahlabend war davon nichts mehr zu hören.

Petro versuchte seinen Landsleuten die Angst vor einer sozialistischen Herrschaft zu nehmen, die seine Gegner streuten. Es gehe ihm nicht darum, Reiche ärmer zu machen, sondern Arme am Wohlstand teilhaben zu lassen. Er sei nicht gegen Unternehmer, sondern wünsche sich am liebsten Millionen Unternehmer in Kolumbien. Seinem Gegner Duque warf er vor das Land in die Vergangenheit zurückführen zu wollen: "Wir aber wollen ein neues Kapitel der kolumbianischen Geschichte aufschlagen." 

Die Kandidaten im Portrait

Kandidaten der Mitte schaffen es nicht in die Stichwahl

Mit dem Ergebnis ist der Kampf um die kolumbianische Mitte eröffnet, denn das gemäßigte Lager ging im Kampf der beiden ideologischen Gegenpole von links und rechts leer aus. Dort war die Stimmung im Keller und das lag nicht nur an einem heftigen Wolkenbruch, der über dem Lager des grünen Kandidaten Sergio Fajardo niederging. Dem ehemaligen Bürgermeister von Medellin fehlten mit 23,8 Prozent knapp 1,4 Prozent der Stimmen, um in die Stichwahl einzuziehen. Das sorgte für Tränen bei seinen überwiegend jugendlichen Anhängern. Sie hatten seinen Positiv-Wahlkampf unterstützt, der ganz auf die Schlagworte Hoffnung und Frieden gesetzt hatte.

Die 1,3 Prozent Stimmen hätte Humberto de la Calle beisteuern können. Der Chefunterhändler der 2016 erfolgreich abgeschlossenen Friedensverhandlungen zwischen der Guerilla-Organisation FARC und der kolumbianischen Regierung kam auf für ihn nur enttäuschende 2,06 Prozent. Zu spät kam am Abend seine Erkenntnis, dass er es bereue, dass es zu keinem Bündnis zwischen Fajardo und ihm gekommen sei. So blieb für die knappe geschlagene Mitte zu konstatieren, es wäre bei einem taktischen Bündnis mehr drin gewesen. Ebenfalls aus dem Rennen ist der bürgerlich-konservative Kandidat und Ex-Vizepräsident German Vargas, der mit 7,28 Prozent der Stimmen nur auf Rang vier kam.

Duque geht als Favorit ins Rennen

In den nächsten Tagen wird nun ein Ringen Petros und Duques um die rund 6,4 Millionen Stimmen der ausgeschiedenen Kandidaten beginnen. Üblicherweise geben die unterlegenen Kandidaten eine Wahlempfehlung ab, umgekehrt versuchen die Rivalen der Stichwahl ihre ehemaligen Kontrahenten einzubinden. Als wahrscheinlich gilt, dass Vargas mit seinen rund sieben Prozent ins Lager von Duque wechselt. Der bräuchte dann noch einen Teil der Fajardo-Wähler, um die 50 Prozent-Marke zu knacken. Sowohl Petro als auch Duque gingen am Abend auf den unglücklichen Dritten zu. Seine Entscheidung wird maßgeblich den Wahlausgang beeinflussen. Duque geht als Favorit in die Stichwahl, doch auch Petro ist nicht chancenlos, wenn es ihm gelingt, die enttäuschte Mitte auf seine Seite zu ziehen.

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