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Die Entdeckung einer bekannten Welt

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Kolumbus und seine Vorgänger - Die Entdeckung einer bekannten Welt

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1492 hat Christoph Kolumbus Amerika entdeckt. So heißt es. Doch er war nicht der erste. Und er wusste es. Die neue Welt war längst bekannt - durch Schriften, Karten, Berichte.

Die Wikinger entdeckten die Neue Welt lange vor Kolumbus. Aber auch ein walisischer Prinz und ein afrikanischer König könnten Amerika noch vor dem berühmten Entdecker erreicht haben. Was ist dran an den Spekulationen?

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Im Februar 1477 kam es auf Island zu einem folgenreichen Aufenthalt des jungen Seefahrers Christoph Kolumbus. Der 26-jährige, belesene und schon vor seiner Fahrt nach Amerika weitgereiste Kolumbus wird sich eingehend nach dem berühmtesten Isländer, Leif Eriksson, erkundigt haben, dem Entdecker Amerikas, sammelte er doch begierig alle Informationen über Geografie, Navigation, Wind- und Strömungsverhältnisse.

Wikinger 500 Jahre zuvor dagewesen

Computergrafik: Wikingerschiff auf bewegter See.
Die Fahrt von Grönland nach Neufundland war selbst für die sturmerprobten Wikinger eine Herausforderung. Vor allem Eisberge stellten eine permanente Bedrohung dar.
Quelle: ZDF/Faber Courtial

Auf Island hat Kolumbus sicher die berühmten Sagas kennengelernt, die altnordischen Erzählungen aus dem Mittelalter, die präzise die Entdeckung Amerikas im Jahr 1000 beschreiben. Die Sagas über die Kolonisierung Islands, Grönland und Amerikas wurden lange als Mythen und Märchen abgetan. Nach der Ausgrabung einer Wikingersiedlung auf Neufundland aus dem Jahr 1000 werden die Isländersagas mittlerweile auch als historische Quelle anerkannt.

Kanadische Wissenschaftler versuchen das Verbreitungsgebiet der Nordmänner in Amerika durch den Fund von Feuersteinen zu bestimmen, die denen aus der Wikingersiedlung entsprechen. Ein vielversprechender neuer Forschungsansatz. Man geht heute davon aus, dass die Nordmänner bis südlich von New York kamen.

Der "Entdecker" Amerikas ein Plagiator?

Nachbau des Schiffs Santa Maria von Kolumbus, aufgenomen am 13.05.2014
Nachbau des Schiffs Santa Maria von Kolumbus
Quelle: reuters

Welche Spuren der wahren Entdecker Amerikas mag Kolumbus noch verfolgt haben? Das TerraX-Team recherchierte in diversen Archiven und Bibliotheken, um Hinweise zu finden, vor allem in Sevilla, in der umfangreichen Biblioteca Colombina, die sein Sohn Fernando zusammengestellt hatte, nachdem er alle Bücher, Karten, Aufzeichnungen seines Vaters geerbt hatte.

Daher wissen wir nicht nur von Kolumbus‘ Fahrt nach Island 1477, sondern auch von seinem Aufenthalt in Bristol im Jahr zuvor. Hier wurde in den Hafenkneipen wohl von dem legendären walisischen Prinzen Madoc, Sohn des historisch belegten Königs Owein Gwynedd, erzählt. Der soll 1170 die Mobile Bay in Alabama erreicht, die Flüsse aufwärts gefahren sein und am Ohio und Tennessee River steinerne Burgen erbaut haben.

Mehr als 300 Jahre vor Kolumbus soll ein walisischer Prinz Amerika entdeckt haben. Was ist dran an der erst im 16. Jahrhundert überlieferten Legende - und welches Wissen über Amerika konnte Kolumbus von Prinz Madoc haben?

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Die Archäologen in Madocs Heimat sind überzeugt, dass der Prinz dort war. 300 Jahre vor Kolumbus. Sie können handfeste Indizien vorweisen, die ausführlich im Film vorgestellt werden: Unter anderem mit Metall behauene Steinblöcke am Ohio River und "weiße" Indianer, die walisisch sprachen, und die nur sonst in Wales benutzten Boote, die coracles, zum Fischen benutzten. Indizien, die ohne die Anwesenheit des walisischen Prinzen nur schwer erklärbar sind.

Suchte Kolumbus tatsächlich China und Indien?

Von einem weiteren Seefahrer, der das andere Ufer des Atlantik suchte, wird Kolumbus gehört haben, als er 1484 an der Goldküste im heutigen Ghana festmachte: Der malische König Abubakari II. soll 1310 Richtung Amerika aufgebrochen sein. Das wissen wir - und womöglich auch Kolumbus -  aus einer zeitgenössischen arabischen Chronik. Abubakaris Nachfolger Mansa Musa selbst berichtet darin von dem Vorhaben. So unwahrscheinlich das klingen mag, ein afrikanischer König in Amerika, fast 200 Jahre vor Kolumbus - aber auch hier legt der Film überzeugende Indizien vor. Schließlich war Mali zu der Zeit ein unermesslich reiches Imperium mit seiner Hauptstadt Timbuktu, dem Zentrum arabischer Gelehrsamkeit.

Christoph Kolumbus mit Schiffsbesatzung landet auf Bahamas (undatierte Gemälde)
Christoph Kolumbus und seine Schiffsbesatzung bei der Landung in San Salvador auf den Bahamas 1492
Quelle: AP

Ob Kolumbus tatsächlich das reiche Indien und China voller Edelsteine und Gewürze suchte? Oder ist es nur eine schöne Geschichte, um die spanische Königin zur Finanzierung seiner "Entdecker"-Flotte zu bewegen. Warum nahm er dann billige Glasperlen als Geschenk für den unermesslich reichen Khan mit? Und wieso wagte er dann, die spanische Flagge in den Boden des mächtigen Reiches zu rammen und das Gebiet zu spanischem Eigentum zu erklären? Wie ein Forscher schrieb: Kolumbus war doch nicht blöd und glaubte doch nicht wirklich, 1492 in Indien gelandet zu sein.

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