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Audi-Chef in U-Haft - Autobosse ohne Bodenhaftung

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Mit Audi-Chef Stadler muss erstmals ein Mitglied der obersten VW-Führungsetage in U-Haft. Abgehobene Auto-Manager schaden nicht nur sich selbst, sondern uns allen.

Peter Kunz und Audi-Logo
Peter Kunz, Leiter des ZDF-Landesstudios Niedersachsen Quelle: ZDF / dpa

Die Autokonzerne profitieren davon, dass wir an schlechte Nachrichten aus ihrem Reich gewöhnt sind. Wieder eine Durchsuchung? Noch eine Verhaftung? Strafe von einer Milliarde Euro? Peanuts für Volkswagen. Auch Daimler soll geschummelt haben? Wer eigentlich nicht? Auf die Verhaftung von Rupert Stadler hatten viele lange gewartet und wenige daran geglaubt, dass es sie noch geben könnte. Bei der Bilanz-Pressekonferenz von Volkswagen vor einem Jahr saß da noch ein fahriger Audi-Chef, wusste nicht, wohin mit seinen Händen, verhaspelte sich auch bisweilen, hatte vielleicht Sorge, dass ihn der Dieselstrudel davonreißen könnte. Schließlich begann der Betrug nach allen bekannten Fakten offenbar einst bei Audi und mit dem Knowhow der Ingolstädter Motorenprofis.

Bei der Vorstellung des Konzern-Betriebsergebnisses 2018 aber entsprach Stadler wieder dem Bild des souveränen, selbstgewissen, aus dem Ei gepellten Super-Managers. Der neue VW-Vorstandvorsitzende Herbert Diess belohnte seine Leistung sogar mit der Gesamtverantwortung für den Volkswagen-Premiumbereich.

Eignerfamilien stützten Stadler

Noch vor ein paar Monaten hatte der vorherige oberste Chef Matthias Müller gerne versichert, dass sich ja nichts Belastendes gegen Stadler habe finden lassen. Auch wurde darauf hingewiesen, dass sich schwerlich Nachfolger fänden, die seinen Job so gut machen könnten. Nicht erwähnt wurde, dass über Stadler bis heute die schützende Hand der Eignerfamilien Porsche und Piech schwebte. Die Frage bleibt und stellt sich an jeder Wegkreuzung neu: Hat der Volkswagen-Konzern, der sich einer neuen Ehrlichkeitskultur verpflichtet hat, wirklich gründlich nach eigenen Fehlern gesucht? Standen Terabytes von Daten und der geschäftige Einsatz einer Heerschar von Rechtsanwälten einem einfachen Aufklärungswillen womöglich im Weg?

Das Problem mit der Autoindustrie ist, dass man ihr selbst mit viel gutem Willen nicht mehr glauben mag. Wer weiß, welche Nachricht uns als nächstes überfällt? Auch wechselnde Bundesregierungen haben sich von den Autoproduzenten einlullen lassen - diese sind schließlich das Rückgrat des deutschen Export-Erfolgs. Aber in Berlin ist man inzwischen ebenfalls argwöhnischer geworden. Der Wind hat sich gedreht.

Bonizahlungen haben Managern die Sicht vernebelt

In der Finanzkrise begannen die Banker unangenehm zu riechen, jetzt sind es die Autobosse. Nicht nur bei VW. Die Verhaftung Rupert Stadlers kann durchaus Teil des neuen Trends sein. Plötzlich scheinen sich Staatsanwaltschaften von München über Stuttgart bis Braunschweig mit Eifer zu überbieten. Vielleicht wollen die süddeutschen Ermittler auch noch ein wenig aktiver wirken als die in örtlicher Nähe zum "Bad Boy" Volkswagen.

Welche Verantwortung der Manager Stadler möglicherweise zu tragen hat, muss sich erst herausschälen. Auch eine Untersuchungshaft kann mit dem Verdikt "unschuldig" enden. Schuld aber haben die Autobosse insgesamt: Weil das Schielen nach Profit zu Grenzübertretungen und Sittenverfall geführt hat. Weil die PS-Protze offenbar manchen Sinn für die Gemeinschaft verloren haben. Der Autokunde und die Bürger dieses Landes haben in der Dieselkrise in gewisser Weise einen größeren Schaden davongetragen als die Chefs bei den Herstellern. "Made in Germany" ist beschädigt, aber Volkswagen bleibt größter Autoproduzent der Welt. Finanzielle Traumergebnisse und entsprechende Bonizahlungen haben Winterkorn, Müller, Stadler und manch anderen von der Welt entkoppelt, in der wir leben. Schlimmer noch: Sie haben die Sicht auf Gut und Böse vernebelt.

Im Zuge der Ermittlungen um den Abgasskandal ist Audi-Chef Rupert Stadler festgenommen worden. ZDF-Korrespondent Manfred Ahlers berichtet.

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