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Attacke auf Israeli in Berlin - Die Hemmschwellen müssen wieder steigen

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Ein junger Israeli mit Kippa wird von arabisch sprechenden Männern angegriffen. Tagsüber. Mitten in Berlin. Das ist beschämend und verstörend. Die Verrohung muss bekämpft werden.

Zwei Kippa tragende Männer sind in Berlin von drei Unbekannten antisemitisch beschimpft und einer von ihnen ist attackiert worden. Der Vorfall ist zum Teil auf einem Handyvideo dokumentiert.

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Am Helmholtzplatz, inmitten der Bobo-Idylle des Prenzlauer Berges, geht Adam, ein 21-jähriger Israeli, spazieren. Er trägt eine Kippa, obwohl der nicht jüdischen Glaubens und in einer arabisch-israelischen Familie aufgewachsen ist. Auch sein 24 Jahre alter deutscher Begleiter trägt die traditionelle jüdische Kopfbedeckung. Adam will ein Experiment machen, wie er sagt. Er fühlt sich in dem teuren Szene-Bezirk, in dem kaum Muslime wohnen, sicher. Doch dann werden er und sein Freund als "Yahudi" beschimpft - das ist arabisch für Jude. Einer der drei jungen Männer zieht seinen Gürtel und schlägt brutal auf Adam ein, immer wieder. Eine Frau schreitet ein und ruft die Polizei. Andere, sagt Adam erstaunt und enttäuscht, schauen nur zu.

Das ist beschämend, beängstigend und verstörend. Hoffentlich findet die Polizei die Täter rasch. Hoffentlich werden ihre Motive klar. Und hoffentlich macht die Justiz ihnen unmissverständlich klar, dass solch ein Verhalten in Deutschland inakzeptabel ist, und bestraft sie angemessen.

Juden bekennen sich kaum mehr öffentlich

Adam filmte den Vorfall mit seinem Smartphone und stellte das Video auf Facebook. Die Kippa hatte er von Freunden in Haifa geschenkt bekommen. Er hat dort jüdische Freunde, erzählt er. Sie hätten ihn davor gewarnt, die Kippa in Berlin in der Öffentlichkeit zu tragen. Zu gefährlich, zu viele Antisemiten. Adam aber hat es gewagt, sie öffentlich zu tragen. Und er wurde angegriffen, weil die Täter glaubten , er sei jüdischen Glaubens.

Und die Berliner Juden? Immer mehr vermeiden es, sich in der Öffentlichkeit zu ihrer Religion zu bekennen, und verbergen den Davidstern etwa in der U-Bahn. Auch das ist beschämend und nicht hinnehmbar. In den letzten Jahrzehnten ist die jüdische Gemeinde in Berlin gewachsen. Die meisten  sind gekommen, um zu bleiben. Viele junge Israelis lieben Berlin, gelegentlich hört man sie hebräisch sprechen, in der U-Bahn, im Café oder im Supermarkt. Das ist sehr erfreulich für uns Deutsche, die den industriell betriebenen Massenmord an den Juden verbrochen haben. Die Juden sollen bleiben wollen, die Israelis weiter gerne kommen.

Muslimische Migranten brachten neuen Antisemitismus

Alarmierend aber ist: 2017 gab es laut der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Berlin (RIAS) 60 Prozent mehr antisemitische Vorfälle in der Hauptstadt als im Vorjahr. Beschimpfungen, Anfeindungen, Hass-Mails und verletzende Kommentare in den sozialen Netzwerken haben stark zugenommen, Hemmschwellen fallen.

Auch an Schulen werden jüdische Kinder beleidigt und bedroht, oft von Muslimen. Zuletzt geschehen im März in Tempelhof. Muslimische Schüler hatten eine jüdische Mitschülerin mit Schlägen und dem Tod bedroht, weil sie nicht an Allah glaubt. Mit den muslimischen Migranten ist auch ein neuer Antisemitismus nach Deutschland gekommen. Die Schulen und die Lehrer sind darauf nicht vorbereitet. Da besteht dringend Handlungsbedarf.

"Es ist oftmals tief sitzender Hass, der vom Elternhaus vermittelt wird. Viele plappern auch in Unkenntnis irgendwelche Parolen nach", sagt Raed Saleh, SPD-Fraktionschef in Berliner Abgeordnetenhaus. Saleh hat palästinensische Vorfahren. Auch in radikalen Moscheen wird Hass auf Juden gepredigt.

Hemmschwellen müssen wieder steigen

"Kein Mensch wird als Antisemit geboren" sagt der Vorsitzende des Zentralrats der Juden Josef Schuster. Zum Antisemiten wird man gemacht, durch Erziehung und Propaganda. Wenn Kindern und Jugendlichen Judenhass im Elternhaus oder in Moscheen eingeimpft wird, dann müssen die Schulen und der Staat entschieden gegensteuern. Wünschenswert wäre auch, wenn die muslimischen Verbände klarer Position bezögen.

Das betrifft natürlich auch Intoleranz gegenüber Homosexuellen, Christen, muslimischen Mädchen und Frauen, die kein Kopftuch tragen, Fastenbrechern und jenen Muslimen, die gelegentlich Schweinefleisch essen. "Antisemitismus gehört nicht zu dem Berlin, in dem wir leben wollen", so Berlins regierender Bürgermeister Müller. Die Hemmschwellen müssen wieder steigen, die Verrohung beendet, Toleranz und Respekt vermittelt werden. Da ist auch die Politik gefordert.

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