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Volkswagen-Chef Müller - Umweltengel mit Kalkül

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Plötzlich predigt Volkswagen-Chef Müller den Verzicht auf Dieselsubventionen. Zukunft schreibt er offenbar nur noch mit E wie Elektro. Im Blick: Weniger die Umwelt als den Markt in China.

Autorenbild: Peter Kunz - VW
Peter Kunz, ZDF-Studioleiter Niedersachsen
Quelle: ZDF

Nicht umsonst nennt man die Manager großer Firmen bisweilen auch Industriekapitäne. Wenn der Wind sich dreht, müssen sie das Steuer neu ausrichten. Also macht der Volkswagen-Vorstandvorsitzende Matthias Müller nur seinen Job, wenn er jetzt mit Interview-Äußerungen das Ende des Dieselmotors beschleunigt. Derselbe Müller, der auf dem Höhepunkt von "Dieselgate" gern in Mikrofone sagte, dass der Diesel seine Zukunft eigentlich erst noch vor sich habe. Jetzt verunsichert er Kunden wie Politiker mit dem Wunsch eines schnelleren Einstiegs in den Ausstieg.

Elektro-Fördermittel statt Dieselsubventionen

Müllers Forderung eines Auslaufens der Steuererleichterung für den Dieselkraftstoff trifft jeden Privatmann, der bei der Anschaffung eines teureren Dieselmotors spitz mit den Verbrauchskosten gerechnet hat. Aber auch Taxifahrer und Handwerker, die sogenannte "Langläufer" fahren, bei denen  Mehrkosten sofort den Monatsverdienst schmälern, werden sich über den neuen Umweltengel aus Wolfsburg ärgern. Müller schreibt Zukunft offenbar jetzt nur noch mit E wie Elektro. Vergessen, dass Verbraucher gerade noch mit Prämienrabatten geködert wurden, um bei den nun aber angeblich wirklich sauberen, neuen Dieseln einzusteigen.

Matthias Müller - Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG
Matthias Müller - Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG
Quelle: dpa

Tatsächlich will Müller ja den Verzicht auf Dieselsubvention mit der Bereitstellung zusätzlicher Fördermittel für die Elektromobilität oder andere alternative Konzepte kombinieren. Am Ende geht es also doch wieder um Subventionen oder Kaufanreize, die der Strategie des Autokonzerns zugute kommen. Auch da macht der Industriekapitän seine Arbeit. Und wenn mit der von Müller vorgeschlagenen neuen Umweltplakette künftig auch viele Euro-5-Normdiesel in ihrer urbanen Bewegungsfähigkeit eingeschränkt würden, steigert das sicher die Attraktivität modernerer Volkswagenprodukte welcher Antriebsart auch immer. Es erinnert ein wenig an das iPhone. Wenn man das alte behalten und nicht das neuste Modell kaufen will, passt irgendwann die Peripherie nicht mehr und man kann kein Ladekabel nachkaufen.

Müller will den Skaleneffekt nutzen

Der iPhone-Vergleich passt, da der Automobilkonzern sich ja gerade für das digitale Zeitalter neu erfindet. Und von Matthias Müller selbst stammt das Bonmot: "Volkswagen stellt heutzutage keine Autos mehr her". Warum nicht? Weil sie unter zwölf eigenständigen Markennamen - darunter VW - produziert werden. Die Dachmarke Volkswagen führt alles nur noch strategisch zusammen und schöpft den Rahm ab. So erklärt sich auch der Stein, den Müller ins dieseltrübe Wasser geworfen hat.

Das gute Konzernergebnis  wird vor allem in China eingefahren, wo der Löwenanteil des Profits gemacht wird. In China und für die Chinesen muss Volkswagen massiv auf Elektro umstellen, da Politik und Markt dies dort einfordern. "Skaleneffekte", mit diesem Zauberwort der Betriebswirtschaftler werden in Wolfsburg Produktivität und Erfolg summiert. Die erreicht man aber nicht, indem man in Europa noch allzuviel Geld in eine Technik steckt, die auch durch VW-Verschulden stark diskreditiert ist. Einen globalen Skaleneffekt schafft in diesem Fall die Entscheidung "China first" und "Germany follows fast".

Der deutsche Dieselkunde bleibt auf der Strecke

Nein. Kapitän Müller ist in Wahrheit kein Umweltengel. Er steuert nur sein großes Schiff durch internationale Gewässer. Auch wenn der Auto-Ozeanriese weithin sichtbar unter deutscher Flagge fährt, so wird dessen Kurs nicht vornehmlich durch die Interessenlagen deutscher Käufer oder unserer Umwelt bestimmt. Was müssen den Kapitän auch die Sorgen der Kunden-Landratten mit ihren Stickoxid-Dieseln von gestern scheren? Er atmet die frische Seeluft von vorn. Und ruft trotzdem sicher bald nach zusätzlichen Staatshilfen für den Aufbau einer E-Auto-Ladeinfrastruktur in Deutschland.

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