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Kommentar - Wer Huawei bestellt, bekommt Peking geliefert

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Trotz Sicherheitsbedenken ist der Telekom-Ausrüster Huawei beim Ausbau des 5G-Netzes noch im Rennen. Huawei zu vertrauen, ist ein Fehler, denn Peking hat seine Hand im Spiel.

Das deutsche Mobilfunknetz ist langsam, löchrig und schwach. Im Vergleich zur internationalen Konkurrenz hinkt Deutschland hinterher, hat in Sachen Zukunftstechnologie den Anschluss verpasst. Doch das soll sich jetzt ändern. Mit der 5G-Technologie soll …

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Huawei ist trotz aller Versprechungen ein Konzern von Pekings Gnaden. Ihm den Aufbau des 5G-Netzes anzuvertrauen, wäre falsch. Bei der Frage, ob man Huawei beim Aufbau des ultraschnellen 5G-Netzes trauen kann, muss ich an unser ZDF-Studio in Peking denken, wo ich die letzten fünf Jahre gearbeitet habe. Nach kritischen Berichten über Chinas Machthaber hatten wir nachts, wenn niemand mehr da war, immer wieder Besuch im Studio. Wir merkten das daran, dass am nächsten Morgen im Schnittraum Monitore ausgesteckt waren oder andere Geräte nicht mehr liefen. Ganz hinten in den Kabelschränken waren dann Stecker vertauscht oder herausgezogen. Manchmal fanden wir den Fehler gleich, manchmal dauerte es einen halben Tag, bis wir wieder arbeiten konnten.

Überwachung durch Peking befürchtet

Die nächtlichen Besuche, das wusste in Peking jeder, waren Botschaften von Chinas Staatssicherheit an uns. Wir beobachten Euch. Wenn wir wollen, können wir Euch auch ganz abschalten. Es waren Drohungen ohne Absender, abgestuft je nach Bedarf und jederzeit zu leugnen.

Diese Methode könnte bald zu einer ernsthaften Bedrohung für ganz Deutschland werden, befürchtet zum Beispiel der Bundesnachrichtendienst. 5G eröffnet nicht nur ungeahnte Möglichkeiten bei der Lenkung von Verkehr und Energie, von Krankenhäusern, Unternehmen und Behörden. Es macht eben diese wichtige Infrastruktur auch anfälliger für Angriffe von außen. Es braucht keine Hausbesuche mehr, man kann Geräte auch von weit weg lahmlegen.

Huawei verspricht: Keine Spionage

"Der klügste Krieger ist der, der niemals kämpfen muss", wusste der chinesische Militärstratege Sun Tsu schon vor rund 2.500 Jahren. Im Zeitalter von Cyberkriegen gewinnt diese Weisheit eine ganz neue Aktualität. Allein die Drohung, kritische Infrastruktur lahmzulegen, ist ein furchteinflößender Hebel.

Huawei will es den Deutschen sogar schriftlich geben, dass man weder spioniert noch manipuliert. Man kann das glauben oder aber auch nicht. Es ist am Ende unerheblich, was Huawei verspricht. Kein Unternehmen in China, egal ob staatlich oder privat, kann sich den Wünschen der Regierung und der allmächtigen Kommunistischen Partei entziehen. Was Peking befiehlt, wird Huawei befolgen.

Und genau das passiert ja auch schon. In Deutschland denkt man bei Huawei an schicke Smartphones. In China dagegen arbeitet der Konzern aufs engste mit der Staatssicherheit zusammen, liefert neueste Überwachungstechnologie, die unter anderem eingesetzt wird bei der Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uighuren in Chinas westlichster Provinz Xinjiang. Und anderswo, bei der Afrikanischen Union, fragen sie sich immer noch, wie es dazu kam, dass die von Huawei bereit gestellten Computersysteme fünf Jahre lang - zwischen Januar 2012 und Januar 2017 - immer nachts von Mitternacht bis zwei Uhr früh Datenpakete an einen Server in Shanghai schickten.

Deutschland hat den Fortschritt verschlafen

Huaweis Angebot an Deutschland scheint fast wie ein Geschenk: neueste Technologie zu einem unschlagbaren Preis. Das sollte eigentlich misstrauisch machen. Huawei will nichts verschenken, weshalb die tatsächlichen Kosten am Ende viel höher sein könnten. Etwa in Form einer Abhängigkeit von dem chinesischen Konzern, nicht nur bei 5G, sondern auch bei allen weiteren Entwicklungen. Oder derart, dass dringend nötige Entwicklungen in Deutschland und Europa gegen die chinesische Übermacht nicht vorankommen.

Deutschland steckt bei Huawei in einem Dilemma. Dass die Bundeskanzlerin zu fürchten scheint, China könnte sich bei einem Ausschluss des Technologiekonzerns mit Wirtschaftssanktionen rächen, zeigt, wie viel hierzulande bei der Entwicklung neuer Technologien verschlafen wurde. Huawei auf diesem entscheidenden Zukunftsfeld die Tür zu öffnen, würde aber bedeuten, den gleichen Fehler zweimal zu machen.

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