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Kein Bankenchampion - fehlt uns da etwas?

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Commerzbank und Deutsche Bank - Kein Bankenchampion - fehlt uns da etwas?

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Die großen Privatbanken verzichten weise auf eine Fusion - die wäre vermutlich auch katastrophenbehaftet ausgefallen. Die Beschäftigten können aufatmen, aber nur sehr verhalten.

Die Börse sprach ihr Urteil, wie stets, in Zahlenform: Der Kurs der Deutschen Bank stieg, derjenige der Commerzbank fiel, als der Chef des Bankenprimus, Christian Sewing, das Ende der Gespräche über einen Zusammenschluss bekanntgab, zeit- und wortgleich mit seinem Gegenüber von der Commerzbank, Martin Zielke. Stehenden Fußes wandte sich die "Deutsche" dann auch schon neuen Horizonten zu: Es werde andere Wege geben, Profitabilität und Ertrag für die Aktionäre zu steigern.

In der Tat, das Scheitern hatte sich schon angedeutet, als der Verkauf der Fondstochter DWS oder deren Fusion mit der gleichen Sparte der Schweizer Großbank UBS gerade in den letzten Tagen zum Thema wurde. Das hätte kaum zur Partnerschaft mit der Commerzbank gepasst, kurz vorher einen Gewinnbringer abzustoßen. Dass die Pläne für einen "deutschen Champion" das entschlossene Betreten eines Holzweges bedeutete, diese Einschätzung begleitete das Vorhaben von vielen Seiten bereits seit Anfang März. Ganz offensichtlich hatte sich nur die Berliner Politik, und da das Finanzministerium, kühnen bis tollkühnen Träumen hingegeben. Wobei über die Gründe bis heute Ross und Reiter nicht genannt werden, und das beflügelt alle möglichen Theorien.

Der Finanzminister als Dealmaker?

Seien es vermeintliche Größenvorteile, sei es die Schaffung eines weltweit bedeutenden Mitspielers unter den großen, meist amerikanischen Banken – beides hätte als Motivation nur von recht eingeschränkter Wahrnehmung gezeugt. Und so sagte denn auch Minister Scholz heute, Kooperationen ergäben "nur Sinn, wenn sie sich betriebswirtschaftlich rechneten" - eine fürwahr bemerkenswerte Erkenntnis. Für fast alle Beteiligten, so ist anzunehmen, hätte sich diese Hochzeit der widerstrebenden Brautleute nicht gerechnet. Mindestens 40.000 Stellen wären auf der Strecke geblieben - ein beschäftigungspolitisches Desaster brutalen Ausmaßes, selbst wenn im Bankwesen auch so die Tendenz bleibt, Arbeitsplätze abzubauen.

Und dafür ein SPD-Minister als Startschussgeber? Aber nicht nur die Arbeitnehmer sind vorerst und vorsichtig erleichtert. Auch die Großaktionäre der Deutschen Bank, etwa das Emirat Katar, der Finanzinvestor Blackrock oder der chinesische Mischkonzern HNA dürften aufatmen. Als die Gespräche vor Wochen bekannt wurden, gab Blackrock wohl den treffendsten Kommentar zum Besten, in Form der Frage: "Welches Problem soll hier gelöst werden?" Ebenfalls beruhigt in den Sessel sinken dürfen die deutschen Mittelständler. Die schätzen es, unter mehreren Banken auswählen zu können, wenn es um ihre (Auslands-)Finanzierungen geht. Übrigens: Die Commerzbank ganz allein begleitet schon ein Viertel des deutschen Außenhandels. So richtige Not, einen Finanzpartner zu finden, herrscht da offenbar keineswegs.

Welches Problem wirklich gelöst werden muss

Die ist eher anderswo zu verorten, nicht in der schieren Größe. Die Deutsche Bank ist ja schon so zu groß zum Scheitern, und eine Lehre aus der Finanzkrise hatte doch sein sollen, dass es nicht mehr so viele systemrelevante Häuser geben dürfe. Dabei hat die blaue Bank auch ohne Zuwachs durch die Gelben reichlich und alle Hände voll zu tun.

Das künftige Bankgeschäft ist IT-getrieben und fitte Technologie ist der Schlüssel. Da herrscht bei der Deutschen noch Wirrwarr zahlreicher unterschiedlicher Systeme. Wie man die Integration der Commerzbank-Informationstechnologie hätte bewältigen wollen, ist ein Geheimnis, das man lieber ruhen lassen sollte.

Nabelschau als Geschäftsmodell?

Noch mehr als ohnehin schon hätte der neue deutsche Riese, international gleichwohl immer noch ein Zwerg, sich mit sich selbst statt mit den Kunden beschäftigen müssen, wobei der Postenschacher unter den dann zu fünfzig Prozent überflüssigen Topmanagern sicher ein hinreißendes Schauspiel geworden wäre. Schließlich gibt es dann noch die Postbank, die vom Eigner Deutsche Bank noch immer keine belastbare Zukunftsaussicht hat außer der Vokabel, sie werde "integriert".

Und: Der heutigen freundlichen Börsenreaktion zum Trotz ist die Deutsche Bank vom Wert her gesehen nur ein Schatten früherer Tage, was sich das seit Jahren schlingernde Institut angesichts fast 150-jähriger Geschichte nicht so gewünscht haben dürfte. Die Commerzbank, ein paar Tage älter, hat dagegen zuletzt bei den wichtigsten Kennzahlen zugelegt. Die zündenden Ideen für künftige Geschäftsmodelle sind aber allenfalls in Umrissen erkennbar. Besser, da sinniert jede für sich allein in gesundem Wettbewerb, als in einem chaotischen Verbund.

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