Sie sind hier:

Meldepflicht bei Missbrauch - Papst-Regeln längst überfällig

Datum:

Papst Franziskus hat eine weltweite Meldepflicht bei Missbrauch in der Kirche erlassen. Dieser Schritt ist längst überfällig. Aber dem Kirchengesetz müssen nun Taten folgen.

Papst Franziskus am 08.05.2019 in Rom
Im Kampf gegen sexuellen Missbrauch hat Papst Franziskus eine Meldepflicht für die gesamte katholische Kirche erlassen.
Quelle: picture alliance / Stefano Spaziani

Papst Franziskus verschärft die Maßnahmen im Kampf gegen sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. Das ist gut, aber längst überfällig. Seit Jahren fordern die Betroffenen einheitliche Standards und vor allem auch geregelte Verfahren für Kardinäle, Bischöfe und andere Kleriker, die Verfahren verschleppen oder Fälle zu vertuschen suchen. Dem will der Papst nun endlich ein Ende machen. Es ist ein wichtiger Schritt, dass ab 1. Juni weltweit einheitliche Standards für die innerkirchlichen Verfahren gelten – auch bei Verfehlungen der Hierarchen.

Kein ewiges Warten mehr

Die neuen Regelungen beschränken sich zu Recht nicht auf Missbrauch von Minderjährigen. Auch der Missbrauch von Ordensfrauen und die Belästigung von Seminaristen, wie jüngst im Falle des Ex-US-Kardinals McCarrick, werden künftig klar geahndet. Zugleich gibt der Papst eng begrenzte Verfahrenszeiten vor, so dass Betroffene künftig nicht mehr ewig auf Entscheidungen warten müssen. Bisher hörten sie bisweilen Monate oder gar Jahre nichts mehr von ihren Fällen.

Verschärftes Vorgehen im Kampf gegen Missbrauch: Mit einem neuen Kirchengesetz hat Papst Franziskus eine weltweite Meldepflicht für Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche eingeführt.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Kritik dürfte es daran geben, dass der Vatikan die Zusammenarbeit mit den staatlichen Stellen nicht weltweit vorschreibt, sondern nur fordert, in dieser Hinsicht die jeweils nationale Gesetzgebung zu befolgen. Doch nicht überall gibt es rechtsstaatliche Standards. Und in den Ländern, in denen das Gesetz keine Anzeigepflicht vorsieht, können sich die Bischofskonferenzen diese selbst auferlegen, wie im Falle Deutschlands.

Es werden noch mehr Fälle ans Tageslicht kommen

Die innerkirchliche Anzeigepflicht wird dazu führen, dass in den nächsten Jahren noch mehr Fälle ans Tageslicht kommen. Das schreckt den Papst nicht ab, denn er weiß, dass jeder Fall für die Betroffenen unermessliches Leid bedeutet und an der entscheidenden Währung der Kirche kratzt: der Glaubwürdigkeit.

Damit die nicht noch mehr unter den Missbrauchsskandalen leidet, müssen dem Gesetzestext nun Taten folgen in transparenten Verfahren. Jetzt müssen die Verantwortlichen in den Ortskirchen und im Vatikan zeigen, dass es ihnen wirklich ernst ist und nach den Regeln handeln.

Neues Kirchengesetz gegen sexuellen Missbrauch

Jürgen Erbacher ist Leiter der ZDF-Redaktion "Kirche und Leben katholisch"

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.