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Randale beim HSV-Spiel - Stadien sind keine rechtsfreien Räume

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Als die Chaoten im HSV-Block beim Spiel gegen Gladbach Pyrotechnik zündeten, stellte sich die Frage: Sind Stadien rechtsfreie Räume? Sind sie nicht. Aber es muss etwas passieren.

Hamburger SV - Borussia Mönchengladbach: Fan-Randale
Randale beim HSV
Quelle: dpa

Nein, es hatte mit Fußball nichts zu tun, was sich um kurz vor halb sechs am vergangenen Samstag am letzten Spieltag im Stadion des Hamburger Sportvereins abspielte. Gut 100 Chaoten zündeten Pyrotechnik im Block, sorgten beinahe für einen Abbruch des letzten Erstligaspiels des Bundesligadinos. Fast 57.000 friedliche Zuschauer antworteten den Randalierern mit lautstarken Pfiffen, sangen: "Wir sind Hamburger - und ihr nicht!". Und sie fragten sich: Wie ist das eigentlich möglich, dass so viel Pyrotechnik ins Stadion kommt? Sind Stadien rechtsfreie Räume?

Mehr Sicherheit ohne vollkommene Sicherheit

Nein, das sind sie nicht. Es gibt private Ordnungsdienste, es gibt die Polizei. Und es gibt die immer besser werdende Videoüberwachung. Immer öfter werden so Chaoten identifiziert, mit Strafen belegt und auch aus den Vereinen ausgeschlossen.

Im Fall von Hamburg wurde allerdings offenbar der Ordnungsdienst von Gewaltbereiten ausgehebelt. Um kurz vor drei am Samstag wurden Ordner, die den Zaun sicherten, von Ultras angegriffen. Die mussten ihre Position verlassen und so konnten Rucksäcke mit Pyrotechnik über den Zaun geworfen werden, die dann in den Fanblock kamen. Da war das Übel schon im Stadion.

Polizei setzt auf Deeskalation

Als sich Randalierer kurz vor Spielende unter einem Riesentuch vermummten, hätte die Polizei eingreifen können. Aber: "Das muss man genau abwägen. In diesem Fall hätte ein unübersichtliches Handgemenge auf der Tribüne gedroht", so Hamburgs Innen- und Sportsenator Andy Grote. So entschied die Polizei: erst abzuwarten und dann einzugreifen. Über diese Polizeitaktik wird sicher weiter diskutiert werden. Der HSV will jedenfalls weitere Schritte einleiten. Nachdem die Chaoten niedergebrüllt wurden, sagte HSV-Präsident Bernd Hoffmann: "Das ist der erste Schritt. Der nächste ist, dass wir sie identifizieren und dann rausschmeißen." Die Polizei wird jedenfalls die Videoaufzeichnungen weiter auswerten, um dann Ermittlungen einzuleiten.

Dabei ist das Recht auf der Seite der friedlichen Fans. Als vor Jahren ein Kölner Chaot Pyrotechnik zündete, gab es für den Verein eine fünfstellige Geldstrafe durch den Deutschen Fußball Bund (DFB). Und diese Geldstrafe, die darf der Verein auch an den identifizierten Fan weiterreichen, entschieden am Ende rechtskräftig Deutschlands oberste Zivilrichter am Bundesgerichtshof (BGH). Und ein anderer Randalierer, gegen den ein bundesweites Stadionverbot verhängt wurde, der muss mit diesem zeitlich begrenzten Ausschluss leben, urteilte jüngst das Bundesverfassungsgericht.

Vereine in der Zwickmühle

Doch viele Vereine tun sich trotz dieser rechtlichen Klarheit schwer mit einer konsequenten Verfolgung der Straftäter. Denn vielfach unterstützen gewaltbereite Ultras die eigene Mannschaft bei Wind und Wetter, reisen an manch entlegenen Ort mit, um auch bei den abseitigsten Spielen live dabei zu sein.

Doch bei Gewalt muss Schluss sein, da kann es keine Toleranz mehr geben. Allenthalben ist von einer Verrohung der Gesellschaft die Rede - da ist der Fußball nicht ausgenommen. Wird hier nicht konsequent eingeschritten und bestraft, dann drohen Verhältnisse, wie man sie regelmäßig aus Griechenland, der Türkei oder auch aus Italien kennt. Momentan gibt es seitens des DFB keine Kollektivstrafen - sprich Blocksperren oder Geisterspiele sind derzeit nicht möglich, so die Absprachen zwischen Fans und DFB.

Nach den Vorkommnissen des vergangenen Wochenendes wird es aber dringend Zeit, dies in Frage zu stellen und neu zu diskutieren. Vereinsverantwortliche sollten insgesamt viel restriktiver gegen Gewalt in den Stadien vorgehen, um Chaoten von vornherein das Handwerk zu legen. Das Recht jedenfalls, das haben sie dabei auf ihrer Seite.

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