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Kommentar zum Tod des IS-Chefs - Trump feiert vor allem sich selbst

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Der IS-Chef, wie er "wimmert und weint": Donald Trump hat in einer denkwürdigen Pressekonferenz den Tod von Abu Bakr al-Bagdadi verkündet. 50 Minuten Ego-Show des US-Präsidenten.

Trump verkündet Tod von IS-Anführer al-Bagdadi
Eine ausführliche Pressekonferenz vor den Live-Kameras: Knapp 50 Minuten redet Trump über den Angriff auf Al-Bagdadi.
Quelle: dpa

"Ich habe drei Jahre nach ihm gesucht", sagt der US-Präsident, und jeder der ihn kennt, weiß, dass Donald Trump das durchaus wörtlich meint. Dabei waren es die CIA und das Kommando für Spezialoperationen, die über Jahre intensiv nach Abu Bakr al-Bagdadi gesucht haben, obwohl Trump längst den uneingeschränkten Sieg - "100 Prozent" - über den IS erklärt hatte. Den entscheidenden Hinweis auf das Versteck des selbsternannten "Kalifen" erhielt die CIA offenbar von einer Ehefrau des IS-Anführers und von einem Kurier. Beide konnten kürzlich gefasst werden, unter tatkräftiger Mithilfe der kurdischen Verbündeten.

"Größer" als Tötung bin Ladens

Obwohl der US-Präsident bei seiner denkwürdigen Pressekonferenz vielen seinen Dank aussprach - allen voran bemerkenswerterweise Russland - ging es ihm doch in allererster Linie um eines: Anerkennung für ihn selbst. Der Tod von Abu Bakr al-Bagdadi sei "größer" als der von Osama bin Laden im Jahr 2011.

Donald Trump ist es wichtig, besser zu sein als sein Amtsvorgänger Barack Obama. Der hatte nach der Operation, bei der Osama bin Laden getötet wurde, der Nation genau neun Minuten lang erklärt, was geschehen war und welche Bedeutung das hatte. Trump redete fast 50 Minuten, beantwortete Fragen, reicherte die Ereignisse mit Beschreibungen eines "wimmernden und weinenden" Abu Bakr al-Bagdadi an, für die es keinerlei Beleg gibt, und beleidigte einmal mehr die Kurden, deren Schicksal der US-Präsident vor wenigen Tagen ihrem größten Feind, dem türkischen Präsidenten Erdogan, überlassen hatte: Nach "drei Tagen Kampf" zwischen der Türkei und den Kurden sei es einfacher geworden, "mit ihnen umzugehen".

Zum Ende hin sinnierte Donald Trump auch noch darüber, dass der Terrorführer eine westliche Geisel "schön" gefunden habe, als würde es hier um die Bewertung einer Fernsehshow wie "Bachelor" oder "Big Brother" gehen. Tatsächlich empfand der US-Präsident das Ganze, wie er sagte, als eine spannende (und offenkundig auch unterhaltende) TV-Show, die er gemeinsam mit den Anführern der US-Streitkräfte am Samstag im Lagezentrum des Weißen Hauses anschauen konnte.

Donald Trump - Special Operation Room
Donald Trump mit seinem Vize, Verteidigungsminister und Generälen im "Situation Room".
Quelle: via reuters

Ein mutiger Einsatz

Keine Frage: Der Einsatzbefehl für die amerikanischen Elitesoldaten erforderte Mut, dafür gebührt Donald Trump Respekt. Denn natürlich hätten bei dieser Operation auch Navy Seals sterben können, doch es wurde nur ein Spürhund des Teams verletzt. Aber man fragt sich, ob Donald Trump auch bei zahlreichen amerikanischen Opfern eine solche Ehrenrunde vor den Live-Kameras der US-Fernsehens gedreht hätte.

Tatsächlich braucht er diesen Erfolg für den Wahlkampf, um seinen Anhängern zu signalisieren, dass er das Problem IS ein für alle Mal erledigt habe. Diese Einschätzung teilt nicht einmal sein eigener Verteidigungsminister. Mark Esper wies darauf hin, dass die Ideologie des IS weiterlebe.

Tatsächlich ist der IS weit davon entfernt, besiegt zu sein. Sein Erstarken in zahlreichen Ländern von den Philippinen und Sri Lanka über Afghanistan bis zu Staaten in Nord- und Ostafrika wurde durch eine US-Außenpolitik befeuert, die auf Rückzug setzt. In Syrien sind deshalb Hunderte von IS-Terroristen und wohl auch Tausende ihrer Unterstützer aus den Gefängnissen entkommen. Die dramatische Destabilisierung von Syrien und dem Irak und die Rückendeckung für Saudi-Arabien im Bürgerkrieg im Jemen bietet fruchtbaren Boden für die islamistische Ideologie.

Viele Details verraten

Je mehr sich diese Konflikte weiter aufheizen, desto mehr sind die USA auf Geheimoperationen ihrer Spezialkräfte und auf wertvolle Hinweise von ihren Verbündeten in diesen Gebieten angewiesen. Donald Trump hat dies mit seinem Auftritt noch schwerer gemacht. Er verriet Details der Vorgeschichte, Ausführung und Folgemaßnahmen der Operation gegen Al-Bagdadi, die normalerweise der striktesten Geheimhaltung unterliegen: Informationen über Hinweisgeber, die nachrichtendienstliche Zusammenarbeit, die Annäherung an das Versteck und über Personen, die gefangen genommen wurden.

Bei der CIA und dem Kommando der Special Forces werden sie sich die Haare gerauft haben. Aber wenn solche Worte über die Lippen des obersten Befehlshabers kommen, unterliegen sie eben nicht mehr der Einstufung "Top Secret".

Darüber hinaus sprach Trump auch noch davon, dass eine amerikanische Ölfirma die Förderung des Öls im Osten Syriens übernehmen solle und dass es eine gute Idee sei, eine Gegenleistung für das amerikanische Engagement zu verlangen. Er erweckt den Anschein, dass man US-Soldaten als Söldner anmieten kann für Kriege gegen Cash, eine Außenpolitik als Business-Deal.

Trumps Golf-Freund, der republikanische Senator Lindsay Graham, durfte das anschließend noch vertiefen, im Presseraum des Weißen Hauses, nicht im Kongress - als gäbe es keine Gewaltenteilung mehr. Entgegen aller Gepflogenheiten hatte der Präsident auch die zu strikter Geheimhaltung verpflichteten Anführer beider Parteien im Kongress nicht vor der Geheimoperation informiert, weil er "Lecks" befürchtete. Wie gesagt, es war eine denkwürdige Pressekonferenz, die man getrost auch Ego-Show nennen könnte.

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Wer war Abu Bakr al-Bagdadi? Hier ein Porträt des selbsternannten "Kalifen".

IS-Anführer al-Bagdadi ist in einem Video zu sehen. Archivbild.

IS-Anführer Al-Bagdadi - Der selbsternannte "Kalif" blieb ein Phantom 

Über den getöteten IS-Anführer Al-Bagdadi ist wenig bekannt. Selbst für seine Anhänger blieb er stets ein Phantom.

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