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Kommentar zu Trump bei der UNO - Gorilla im Schimpansengehege

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Wenn die 73. UN-Generalversammlung etwas gezeigt hat, dann dass es Zeit ist, die Realität anzuerkennen: Die USA sind als Partner zur Lösung staatenübergreifender Probleme verloren.

Trump bei der UN-Generalversammlung
Quelle: ap

30 Minuten hat der amerikanische Präsident vergangenen Montag zur Eröffnung der Generaldebatte die Weltgemeinschaft auf sich warten lassen. Eine Demonstration der Macht und der Verachtung für den Rest der Welt. Als er gleich zu Beginn seiner Rede in Hochstapler-Manier verkündet, es gäbe keine erfolgreichere Regierung in der amerikanischen Geschichte als seine wird er von den anwesenden Staats-und Regierungschefs, Außenministern und Diplomaten ausgelacht - eine Demütigung. 

Aber es kann ihm egal sein, denn trotzdem hören ihm alle zu. Man mag sich über seine oft clownesken, unanständigen, manchmal wirren Auftritten amüsieren oder aufregen, aber er ist nun mal der Präsident der mächtigsten Nation der Welt, die nach wie vor den Ton setzt, wohin die Reise geht.

Abkehr von der internationalen Ordnung

Aus Trumps Rede wurde klar: Amerika hat sich endgültig abgekehrt von der internationalen Ordnung wie sie sich seit dem zweiten Weltkrieg herausgebildet hat und die entscheidend von den USA geprägt wurde. "Wir lehnen die Ideologie der Globalisierung ab und stehen für die Doktrin des Patriotismus", sagt er und stellt das Konzept der nationalen Souveränität einer globalen Ordnung entgegen. Jeder Staat habe das Recht, für sich selbst zu entscheiden, was für ihn und seine Bürger richtig sei. Aber das gilt natürlich nur, solange amerikanische Interessen nicht berührt sind.

Die USA unter Donald Trump setzen in der Konsequenz auf das Recht des Stärkeren. Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns, und wird das auch zu spüren bekommen. Im UN-Sicherheitsrat fordert der US-Präsident mehr oder weniger unverhohlen seine Kolleginnen und Kollegen auf, UN-Resolutionen zum Iran zu brechen. Sein Sicherheitsberater, John Bolton, macht sich lustig über die EU, die sei "stark im Ankündigen, aber schwach im Abschluss". Und er droht, dass man niemandem durchgehen lassen werde, amerikanische Interessen wie die Iran-Sanktionen zu umgehen - auch nicht den Europäern.

Chancen auf Verständigung gehen gegen Null

Die müssen fast hilflos mit ansehen, wie der Gorilla im Schimpansengehege den Laden auseinandernimmt. Der Wirtschaftsgigant Europa hat den USA, zumindest zurzeit, kaum etwas entgegenzusetzen. Fast verzweifelt wirken die Versuche von Emmanuel Macron oder Heiko Maas, die Errungenschaften und Vorzüge des "Multilateralismus" in ihren Reden  hervorzuheben und gebetsmühlenartig zu wiederholen. Multilateralismus, ein Wort, das Donald Trump nie in den Mund nehmen würde. Schon, weil außer ein paar Diplomaten und Experten sowieso niemand versteht, was das genau ist.

Die Chancen auf eine Verständigung zwischen Europa und Amerika gehen gegen Null, denn man spricht nicht mehr die gleiche Sprache. Was seit dem Zweiten Weltkrieg galt - die unverbrüchliche Freundschaft zwischen Europa und den USA - sie gilt nicht mehr. Ganz besonders bekommt das Deutschland zu spüren, das der amerikanische Präsident zu einer Art Lieblingsfeind auf dem Kontinent erkoren hat. In seiner Rede erwähnte er Deutschland neben Iran, Syrien, China und Nordkorea quasi auf der "Schurkenseite". Der Grund diesmal: Die Nordstream-Pipeline zwischen Russland und Deutschland,  die in die russische Abhängigkeit führen werde, so Donald Trump.

Kein kraftvolles Bündnis in Sicht

Um der neuen amerikanischen Sicht auf die Welt etwas entgegen zu stellen,  bedürfte es eines kraftvollen Bündnisses, klarer politischer Alternativen und der Glaubwürdigkeit, die auch durchsetzen zu wollen und zu können. Aber zur Erkenntnis dieser Woche in New York gehört es auch, dass weit und breit ein solch kraftvolles Bündnis nicht in Sicht ist.

Heiko Maas hat am Freitagnachmittag mahnend den Finger Richtung Amerika erhoben, ohne die USA beim Namen zu nennen - vor halb leerem Saal, weil die meisten Delegationen schon abgereist waren. Er hat als einer der letzten gesprochen, weil er im protokollarischen Rang der Vereinten Nationen ganz hinten steht. Er ist kein Präsident, kein Regierungschef und noch nicht mal Vizekanzler. Wer sich aber ganz hinten versteckt und nur den mahnenden Finger hebt, muss nicht glauben, ernst genommen zu werden. Schon gar nicht von einem US-Präsidenten, der auf das Recht des Stärkeren setzt.

Johannes Hano ist Leiter des ZDF-Studios New York

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