Sie sind hier:

Kommentar zu Volkswagen - Vom bösen Buben zum Saubermann

Datum:

Auf der Suche nach dem verlorenen Vertrauen lässt Volkswagen nichts unversucht. Teure Prämien, schöne Worte. Hauptsache, die enttäuschten Kunden sind wieder glücklich. Bleibt nur ein Problem: Die schmutzige Luft in den Städten - gegen die man mit Schönfärberei allein nicht ankommt.

Was macht das Software-Update mit dem Motor?

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Wie wird die Luft in Deutschlands Städten wieder sauberer? Schönfärben hilft am schnellsten. So wird aus einem bleigrauen Stickoxidhimmel wieder ein blaues Firmament, den Feinstaub radiert man beim Schönschreiben einfach weg. Durch die Debatte um das angebliche Frisieren von Ministerpräsidentenerreden in Niedersachsen wissen wir, wie engagiert VW eine schöne neue Autowelt entstehen lässt.

Peter Kunz
Peter Kunz, Leiter ZDF-Studio Niedersachsen.

Die Kommunikationsprofis in Wolfsburg arbeiten genauso gut wie die Ingenieure, die Spitzentechnik auf den Markt werfen können - legal wie illegal. Das Wort "Dieselgate" wandelt VW im hauseigenen Wortkatalysator einfach in die sanftere Vokabel "Dieselthematik" um. So hätte man es gern auch dem niedersächsischen Ministerpräsidenten vorgeschrieben, ohne Erfolg.

Autobauer schon ganz gut vollkaskoversichert?

Man traut den Worten von Volkswagen nicht mehr so recht über den Weg. Das ist einer der bleibenden Schäden aus der Krise, die inzwischen auch andere Autobauer erfasst hat. Beim Dieselgipfel in Berlin letzte Woche hatte man das Gefühl, die Produzenten verlassen sich darauf, dass sie mit der engen Verbindung zur Politik in AutoMotoDeutschland schon ganz gut vollkaskoversichert sind.

Aber warum schon wieder rumhacken auf dem Dauerthema Schummel-Software? Glauben wir doch VW einfach, wenn jetzt in schönsten Worten die Umwelt- und Zukunftswende beschrieben wird. Und wir glauben sowieso meist noch schneller, wenn uns dazu Geld geschenkt wird: Bis zu 10.000 Euro Prämie für das Eintauschen einer alten Dieselmöhre gegen einen neuen emissionsarmen VW. Und sogar noch etwas obendrauf, wenn Kunden sich für ein Elektrofahrzeug entscheiden. Vorausgesetzt, da ist überhaupt schon was Taugliches im Angebot, das bisher bescheiden daher kommt.

Das Böse-Buben-Rennen

Beim Rennen darum, wer sich nach den möglichen Kartellabsprachen in der Autoindustrie als Erster selbst anzeigte, um Strafe zu entgehen, hatte VW versucht Daimler zu überholen. Das war das Böse-Buben-Rennen.

Jetzt will VW auch bei der Formel 1 der Musterknaben vorne sein und zeigen, dass man nach dem Dieselgipfel liefert. Dann kann sich der Vorstandvorsitzende Müller ja auch bald wieder hinstellen und sowas sagen wie: "Das war's dann aber auch". Der Chef ist leider derjenige im Konzern, bei dem die schönen Worte im Ton oft knapp daneben liegen.

Die Marke Volkswagen präsentiert sich im VW-Konzern vergleichsweise unrentabel, die Autos sind eigentlich zu teuer. Als Gegenwert bekommt der Käufer allerdings allerfeinste technische Ware. Wenn die verkündeten Preisnachlässe mit garantiertem Umweltsiegel einen Volkswagen jetzt wieder attraktiver machen, das Wolfsburger Image insgesamt schön aufpoliert wird, die Autos künftig ohne heimliche Fehlfarben-Software auskommen - und der Konzern durch das Konjunkturprogramm vielleicht sogar im nächsten Jahr wieder Rekordverkaufszahlen vorweisen kann, dann haben wir ja alle etwas davon. Eben nicht nur Rhetorik. Sondern vielleicht sogar blaueren Himmel über Berlin, Hannover, Stuttgart.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.