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Kommentar zum Gipfel - G7: Für Trump eher eine Verkaufsmesse

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Es gab mal eine Zeit, da führten die USA die G7 an. Aus dieser Verantwortung hat sich die größte Wirtschaftsmacht verabschiedet. Donald Trump geht es in erster Linie ums Geschäft.

Elmar Theveßen, Donald Trump (Bildkombo)
Kommentiert den G7-Gipfel: Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Washington
Quelle: ZDF, AP

Stellen Sie sich mal vor: Eine schwerreiche Kanzlerin hat einen tollen Golfclub. Und dann empfiehlt Angela Merkel ihr Anwesen, das ärgerlicherweise Verluste einfährt, als Tagungsort für die G7. Unglaublich? Natürlich. Streiche Merkel, setze Trump, und schon passt alles. 

Es war der surrealste Moment von Biarritz, als der Präsident der Vereinigten Staaten seinen Doral-Golfclub nahe Miami anpries für den nächsten Gipfel, der 2020 in den USA stattfinden wird. Das Gelände ganz wunderbar, genug Platz, für jede Delegation ein eigenes Gebäude. Fast reglos sitzt Angela Merkel daneben, ohne die Augen zu verdrehen. Aber Donald Trump nutzt den Pressetermin mit ihr für Reklame, es dauert länger als sein eigentliches Gespräch mit der Bundeskanzlerin.

Angst vor einer Eskalation, die niemand kontrollieren kann

Es gab mal eine Zeit, da führten die USA die G7 an, brachten Konzepte ein, rangen um gemeinsame Ergebnisse. Aus dieser Verantwortung hat sich die größte Wirtschafts- und Militärmacht der Welt verabschiedet, um Geschäfte zu machen. Der Gipfel ist für Donald Trump eher eine Verkaufsmesse, bei der er Deals mit Japan, Großbritannien, Europa, Deutschland machen will - weil er sie braucht, um sich im Wahlkampf von Anhängern feiern zu lassen. Die Weltkonjunktur ist ihm egal, solange am Ende des Handelskrieges mit China auch ein Deal herauskommt.

Die anderen sechs der G7 lassen sich fast alles gefallen, was der Siebte in der Runde ihnen zumutet, weil sie Angst haben vor einer Eskalation, die niemand mehr kontrollieren kann. Genau das war der Beweggrund für Macrons Coup mit dem iranischen Außenminister Zarif. Man kann den Vorstoß großartig finden, aber der angebliche Fahrplan zu einem Gipfel Trump-Ruhani ist ein Einknicken der Europäer vor dem Mann im Weißen Haus. Er wollte immer einen neuen Deal mit dem Iran - Deutschland, Frankreich, Großbritannien nicht.

Ehrlicher geht’s nimmer

Nun redet Macron von einem "neuen Abkommen", mit einer neuen, "längeren Laufzeit", mit "besseren Kontrollmechanismen". Wenn der Iran all dem zustimmt, wunderbar. Aber noch ist der Vorschlag ein reines Wolkenkuckucksheim nach dem Geschmack von Donald Trump.

Bei der Abschlusspressekonferenz hätte er die großen Themen so im Raume stehen lassen können. Stattdessen rechtfertigt Trump nur Minuten nach globalen Fragen den Vorschlag, den nächsten Gipfel in seinem Golfclub abzuhalten: "Wenn man Verluste und entgangene Geschäfte zusammenrechnet, kostet es mich drei bis fünf Milliarden Dollar, Präsident zu sein. Aber mir geht’s natürlich nur um unser Land". Deshalb würde er das Doral Resort auch kostenlos zur Verfügung stellen. Von der Werbung für die Marke Trump kein Wort.

Der Anführer der freien Welt jammert, dass sein Job als Präsident ihn ärmer macht. Ehrlicher geht’s nimmer: Donald Trump geht es in erster Linie ums Geschäft und bei jeder Gelegenheit nur um sich selbst.

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