ZDFheute

Neue Bewerber mit mehr Gewicht

Sie sind hier:

Kommentar zum Rennen um SPD-Vorsitz - Neue Bewerber mit mehr Gewicht

Datum:

Bewegung bei den Kandidaturen um den SPD-Parteivorsitz: Mit Olaf Scholz sowie Boris Pistorius und Petra Köpping kommt deutlich mehr Gewicht auf die Waage.

Kommentar: Peter Kunz
Kommentar: Peter Kunz
Quelle: DPA/ZDF

Bisher hatten die Bewerber für den SPD-Parteivorsitz niemanden so recht vom Stuhl gerissen. Mit dem Duo Gesine Schwan und Ralf Stegner gingen zuletzt zwei ins Rennen, die als Partei-Urgesteine mit Verlaub schon Zeichen der Verwitterung zeigen, sicher aber nicht als hippe, moderne Neuaufstellung gelten können. Kommentatoren mäkelten, dass sich zu viele aus der ersten Reihe der SPD zu offensichtlich verstecken oder vor der Verantwortung drücken. Ob Olaf Scholz beim Zeitungsstudium seine Überzeugung revidiert hat, nicht antreten zu wollen?

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hatte verschlüsselt seine Nicht-Kandidatur erklärt und damit umso mehr die Blicke auf den von ihm geführten, gewichtigen sozialdemokratischen Landesverband gerichtet. Wer würde von dort nach der Macht greifen, die bei der SPD heutzutage ja nur noch ein Krönchen ist?

Eine Paar-Bewerbung mit Gewicht

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius macht den Move, zusammen mit der sächsischen Integrationsministerin Petra Köpping. Man hat das Gefühl, hier kommt jetzt etwas auf die Waage. Eine Sozialdemokratin im Osten, die sich profiliert dafür einsetzt, dass das Zusammenleben wieder besser funktioniert. Nicht nur das mit Geflüchteten und Schutzsuchenden, sondern auch das zwischen Ost- und Westdeutschland.

Ihre Positionen gegen Hartz IV und die alte Agenda-Politik des Niedersachsen Gerhard Schröder könnten bei manchen verfangen, die in den östlichen Bundesländern sonst die Linke wählen. Im Osten hat die SPD allerdings einen Stand, der noch schlechter ist als im Rest der Republik.

Pistorius ist handfester Sozialdemokrat

Der Niedersachse Boris Pistorius erinnert in Statur und Kampfgeist ein wenig an Gerhard Schröder. Vielleicht ist es auch nur das Niedersächsische, was da durchkommt. Als Landesinnenminister ist er gut im Stoff, flink, rhetorisch beschlagen und verbindlich, aber auch keinem Argument oder sachlichem Streit ausweichend. Mit seinen deutlichen Postionen zu Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit besetzt er als niedersächsischer Innenminister die Position eines "roten Sheriffs".

Er ist ein handfester Sozialdemokrat, den das nicht endende Hindernisrennen der SPD hinein in die vielen Stolperfallen der letzten Jahre tief verärgert hat. Als loyaler Genosse lässt er sich im öffentlichen Umfeld wenig davon anmerken.

"Doris und Boris"

Probleme macht ihm allerdings derzeit eine Maschinenpistole der Polizei, die einfach verschwunden war, ohne dass der Fall sofort weitergemeldet und aufgeklärt wurde. Die Opposition in Niedersachsen sieht hier Kontrollverlust, für den sie den Innenminister mitverantwortlich macht. Da Pistorius jetzt eine Bühne weiter spielen will, muss er damit leben, mit der Lupe betrachtet zu werden. Mit liebenden Augen schaut ihn, wenn man beiden zusammen begegnet, seine Partnerin Doris Schröder-Köpf an. Die Ex-Gattin des Ex-Kanzlers ist niedersächsische Landtagsabgeordnete, und  "Doris und Boris" sind in Hannover inzwischen ein Markenname für sozialdemokratische Politik als Lebensstil geworden.

Ob Doris sogar irgendwann ein zweites Mal mit in einen Kanzlerbungalow einziehen könnte? Derzeit ginge bei so einer Wette sicher kein Buchmacher mit - und ein anderer sozialdemokratischer früherer Kanzler, Helmut Schmidt, hätte das vielleicht eine der Visionen genannt, mit denen man zum Arzt gehen muss. Andererseits: Bei der SPD ist, wie wir alle inzwischen wissen, alles möglich. Im Guten wie im Schlechten. Vielleicht schauen wir ja auch bald nur zu, wie sich SPD-Granden dann in Kampfkandidaturen verbeißen und die Energien der Partei weiter verschleudern. Ring frei für Pistorius gegen Scholz? Und für Köpping gegen …?

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.