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Nur noch retten, was zu retten ist

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Kommentar zur Weltklimakonferenz - Nur noch retten, was zu retten ist

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Der Weltklimagipfel ist vorbei, wird jetzt alles anders? Weit gefehlt, meint Volker Angres, Leiter der ZDF-Umweltredaktion, und empfiehlt, die 50er-Jahre-Denke endlich abzulegen.

Kommentar: Volker Angres zur Klimakonferenz in Madrid
Kommentar: Volker Angres zur Klimakonferenz in Madrid
Quelle: ZDF/reuters

Da haben sie alle gedacht: Das Klimaschutzabkommen von Paris ist ja verabschiedet, jetzt geht es los mit dem globalen Klimaschutz. Die Konferenz von Madrid zeigt, dass es sich dabei um eine grobe Fehleinschätzung handelt. Die 25. Klimakonferenz fühlt sich an wie ein - letztes? - Aufbäumen der Länder, die nach wie vor von der Öl- und Kohlelobby beeinflusst werden. Oder von der Agrarlobby, wie die Beispiele Brasilien und Argentinien zeigen.

Gezerre um das Paris-Abkommen

Die pure Angst, die nationalen Agrarpolitiken umzubauen, weil natürlich die Rodung für Weideland und die Ausweitung der Viehhaltung den Klimawandel antreiben, führt zu Blockadeattacken wo es nur geht. Zum Beispiel bei der Anerkennung des Berichts des Weltklimarates über die Wechselwirkung von Landnutzung und Klimawandel. Die heftigen Diskussionen haben hier nicht nur die Konferenz-Präsidentschaft überrascht. Und ja: Es gab einige taktische Fehler in der Konferenzführung. Auch ein Grund für die Verlängerung um zwei Tage.

Pure Angst führt zu Blockadeattacken, wo es nur geht.
Volker Angres, Leiter der ZDF-Umweltredaktion

Aber: Das Paris-Abkommen zum Klimaschutz hat die Schlacht überlebt, die Ergebnisse hier sind gerade noch hinnehmbar. Und es ist gut, dass das Gezerre um Artikel 6 aus dem Abkommen, - das ist der, der den Handel mit Emissionszertifikaten regeln soll -, nicht zu einem weichgespülten Kompromiss geführt hat. So ist zwar das Regelbuch mit den technischen Verabredungen immer noch nicht fertig, aber besser so, als eine Regel, die unter dem Strich Klimaschutz ad absurdum führt.

Wie es weitergehen müsste

Die nächste Klimakonferenz in Glasgow aber wird hart: Denn da müssen alle Staaten turnusgemäß strengere Klimaschutzziele vorlegen. So haben sie es in Paris vereinbart. Und hier in Madrid in letzter Minute so bestätigt. Aber es war knapp. Gut, dass die EU gerade noch rechtzeitig die klimapolitische Kurve gekriegt hat - beste Grüße an den Bundeswirtschaftsminister - und uns Klimaneutralität bis 2050 verordnet hat. Welch eine Chance! Auf Wachstum in den grünen Märkten, auf mehr Jobs und auf neue Produkte und Idee, die dringend das Prädikat "exportfähig" tragen müssen.

Denn der Klimawandel kann weder allein in Deutschland noch in der EU bekämpft werden, sondern nur global mit der Unterstützung aller Länder. Was wir brauchen, ist eine völlig neue Sichtweise des Multilateralismus. Es geht um eine neue Art von Wiederaufbau, von Vorankommen. Das geht nur, wenn die alte Wirtschaftswunder-Denke aus den 1950er Jahren endlich abgelegt und durch frische, auch digital-orientierte Ideen ersetzt wird. Denn derzeit handeln wir doch tapfer nach dem Motto: Retten, was zu retten ist. Wie erbärmlich.

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