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Kommission zu Kindesmissbrauch - "Das Schweigen der Anderen"

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Gewalt in Familie, Schule, Kirche - Hunderte Betroffene haben sich bei der Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs gemeldet. Die Bilanz ist alarmierend.

Illustration: Schattenriss von einem schaukelnden Kind und einem Mann, aufgenommen am  27.08.2014
Die meisten Betroffenen mussten Gewalt in der Familie erleiden.
Quelle: dpa

Sexueller Kindesmissbrauch ist in der Vergangenheit in der großen Mehrzahl aller Fälle weder verhindert noch bestraft worden. Das nahe Umfeld der Betroffenen und die gesamte Gesellschaft hätten versagt, bilanzierte die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs in ihrem am Mittwoch in Berlin vorgestellten Bilanzbericht nach drei Jahren Tätigkeit.

"Dafür muss Verantwortung übernommen werden", forderte die Vorsitzende der Kommission, Sabine Andresen. Das bedeute heute, den Betroffenen zu ihren Rechten zu verhelfen. Kinder und Jugendliche müssten ernstgenommen und geschützt werden. Erwachsene Betroffene bräuchten eine gute Versorgung. Sie erhielten oft keine passenden Hilfen, etwa bei Therapien. Auf ihren Erfahrungen und Schilderungen beruhten der Bilanzbericht und die Empfehlungen der Kommission, sagte Andresen. "Das Schweigen der Anderen" sei das zentrale Problem.

Die Kommission fordert, Mitarbeiter von Behörden, in der Justiz und bei den Krankenkassen auf den Umgang mit traumatisierten Menschen vorzubereiten und zu schulen. Pädagogen, Mediziner, Psychologen und Juristen müsse in der Ausbildung Grundlagenwissen über sexuelle Gewalt vermittelt werden. Der Bilanzbericht der Kommission fasst Ergebnisse und Empfehlungen des Gremiums zusammen und dokumentiert 30 Berichte von Betroffenen.

Gewalt in der Familie besonders häufig

Den Angaben zufolge haben sich bisher knapp 1.700 Menschen an die Kommission gewendet. 900 von ihnen wurden angehört, weitere 300 schriftliche Berichte wurden ausgewertet. Eigene Fallstudien veröffentlichte die Kommission zu sexuellem Kindesmissbrauch in den Kirchen und in der DDR. Weitere Schwerpunktthemen sind Missbrauch in der Familie, im Sport, an behinderten Menschen und die Verantwortung der Institutionen.

Zentrales Thema in den Anhörungen der Betroffenen war das Schweigen und Wegsehen der Umgebung. Das habe Kinder und Jugendliche gezwungen, die Gewalterfahrungen allein zu bewältigen, um weiterleben zu können. Mehr als die Hälfte der Betroffenen (56 Prozent) hat die Gewalt in der eigenen Familie erlitten. Die Arbeit des 2016 eingesetzten Gremiums war zunächst auf drei Jahre begrenzt worden und wurde inzwischen bis Ende 2023 verlängert. Die Kommission ist vom Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, berufen worden.

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